Ein edler Tropfen aus Eichenau: Bürgermeister Peter Münster (v.l.) stößt mit Markus und Alexander Schnell auf die neue Destillerie an.
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Ein edler Tropfen aus Eichenau: Bürgermeister Peter Münster (v.l.) stößt mit Markus und Alexander Schnell auf die neue Destillerie an.

Die Idee entstand in Olching

Vom Schnellkochtopf zur eigenen Destillerie - In Eichenau werden jetzt Whiskey und Liköre produziert

  • vonHans Kürzl
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Die Tradition kommt aus den USA, die Zutaten stammen aus dem Freistaat und der Genuss aus Eichenau: Eine neue Destillerie produziert Whiskey und Liköre.

Eichenau/Olching – Die Warnung ist eindeutig: „Vorsicht heiß!“ Bevor der erste offizielle Brand ins Glas fließt, mahnt Markus Schnell, dass man dem Kessel nicht zu nahe kommen darf, in dem das Destillat entsteht. „Der hat nämlich genau 102,5 Grad.“

Was mit dem Kessel in Eichenau nun seine Vollendung fand, hat vor fünf Jahren mit einem Schnellkochtopf in Schnells Wohnung in Olching begonnen. „Den Topf haben wir für erste Versuche umfunktioniert“, erzählt Sohn Alex. Man habe viel probiert und selbst getestet, so Schnell junior zu den ersten Schritten ihres Produkts, das sie „Bavarian Moonshine“ nennen.

Der Name geht auf die Prohibition zurück

Abgefüllt in Einmachgläser: Ganz wie es die Farmer zu Zeiten der Prohibition machten.

Der Name geht auf die Prohibition zurück. Zwischen den Jahren 1920 und 1933 war in den Vereinigten Staaten die Herstellung und der Verkauf von Alkohol verboten. Farmer brannten ihren Schnaps schwarz. Die Produktionsstätten – also die Destillen –verlegten sie in Wälder und sie arbeiteten nachts. Am liebsten taten sie das bei Vollmond, um einigermaßen gute Lichtverhältnisse zu haben. Daher kommt auch der Name „Moonshine“.

Doch sie taten noch mehr, um nicht entdeckt zu werden. „In Fässer hat man den Alkohol nicht abgefüllt, das wäre zu auffällig gewesen“, erklärt Alex Schnell. Deshalb füllte man das Gebräu in Einmachgläser. Daran hielten die Farmer selbst nach der Aufhebung der Prohibition fest.

In der Eichenauer Destillerie setzt man diese Tradition bewusst fort, wie die amerikabegeisterten Schnells erzählen. „Wir lieben die Lebensart dort“, sagt Vater Markus. Die Erfahrungen und Erlebnisse aus vielen Reisen habe man mit nach Deutschland gebracht – wie den Moonshine.

Bevor es losging, mussten viele Auflagen erfüllt werden

Bis der Kessel in Eichenau allerdings auf Temperatur kommen durfte, waren etliche Auflagen zu erfüllen. So mischte zum Beispiel das Wasserwirtschaftsamt mit. „Wir mussten nachweisen, dass kein Alkohol in das Grundwasser kommt“, erzählt Markus Schnells Ehefrau Barbara.

Das Herzstück: Der Kessel

Rund 70 000 Euro haben die Schnells in ihren Traum vom „American Way of Life“ investiert. „Ohne fremden Investor und ohne Bank“, wie Markus Schnell betont. Herzstück des Ganzen ist der insgesamt 250 Liter fassende Kessel. Hersteller ist eine im baden-württembergischen Eislingen beheimatete Fachfirma.

Deren geschäftsführende Gesellschafter Alexander Plank legt Wert auf eine gewisse Exklusivität. „Wir achten schon auf eine gute Brennphilosophie.“ Das habe beim Eichenauer Projekt gepasst. Die hier angesiedelte Verschlussbrennerei habe Seltenheitswert. Lediglich fünf solcher Brennereien werden laut Plank pro Jahr in Deutschland eröffnet.

Verschlussbrennerei heißt es deshalb, weil die Anlagen verplombt werden, um die unerlaubte Entnahme von Alkohol zu verhindern. Das fordert der Zoll. Und ganz anders, als es zu Zeiten der Prohibition gewesen ist, läuft bei Familie Schnell natürlich alles legal ab, wie sie betonen. Mit heißen Angelegenheiten kennt Markus Schnell sich im Übrigen aus: Er ist Vereinsvorsitzender der Feuerwehr Geiselbullach.

Von Seiten der Gemeinde Eichenau zeigt man sich begeistert, wie Bürgermeister Peter Münster bestätigt: „Wir haben jetzt neben dem Pfefferminzmuseum ein zweites Geschenk, das wir Besuchern mitgeben können.“ Brände, Whiskey und Liköre könnten ein Markenzeichen werden, ist sich das Gemeindeoberhaupt sicher.

Die Maische kommt vom Germeringer Brauhaus

Dazu beigetragen hat auch das Germeringer Brauhaus, das bereits recht erfolgreich eine Nische in regionalen Produkten gefunden hat. Es lieferte 650 Liter Maische, die für das Schnapsbrennen benötigt wird. „Wir haben nach jemandem gesucht, der noch Maische braucht“, so Daniel Vitt, einer der Geschäftsführer des Brauhauses. Künftig werde man die Produkte aus Eichenau bei Verkostungen mit ins Angebot nehmen. Ähnlich handhaben es umgekehrt die Eichenauer. Man habe sich gesucht und gefunden, so Brauhaus und Destillerie.

Die Destillerie in der Brucker Straße 1b hat jeden Freitag von 16 bis 19 Uhr und jeden Samstag von 10 bis 13 Uhr für den Brennereiverkauf geöffnet. Infos gibt es hier.

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