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Hochprozentiges ist in Zukunft am Badesee in Eichenau tabu. 

Gemeinde greift durch

Wilde Partys am Badesee: Dieses Verbot soll nun helfen

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Wilde Partys, Unrat, Verwüstungen: Am Eichenauer Badesee fließt immer wieder ordentlich Alkohol - mit verheerenden Konsequenzen. Die Gemeinde hat nun eine 15-Prozent-Regel eingeführt. 

Eichenau– Liegewiesen von Badeseen eignen sich auch gut als Partyzone – nicht selten sehen die Uferstreifen nach nächtlichen Feiern aus, als hätten Vandalen dort gehaust. Vor allem wenn viel Alkohol fließt, vergessen manche Gäste jeden Anstand. Eichenau hat nun einen eigenen Weg beschritten, Unrat und Verwüstungen Herr zu werden. Er ist im Landkreis wohl einzigartig.

Er könnte so idyllisch sein, der Badesee am südlichen Rand der Starzelbachgemeinde. Doch immer wieder verunzieren Glasscherben, Müll und übelriechende menschliche Hinterlassenschaften seine Ufer. Badegäste und Erholungssuchende haben die Nase voll – ebenso wie die Gemeinderäte. Sie wollen nun vor allem der übermäßigen Trinkerei am See einen Riegel vorschieben.

Schnapsverbot am Badesee in Eichenau: Auch der Kiosk muss sich daran halten

Eine neue Satzung wurde erlassen. Diese besagt, dass am See nur Getränke mit weniger als 15 Prozent Alkohol erlaubt sind. Sprich: Bier und Wein sind genehmigt. Wodka, Wiskey, Obstler und Co. sind tabu. Zwar könne man sich auch mit Bier und Wein betrinken, so die Argumentation der Gemeinderäte. Kontrollverlust trete dabei aber viel später ein, als bei harten Sachen. Auch der Kioskbetreiber, der in den Sommermonaten Getränke am See verkauft, muss sich an die neue Regel halten.

„Wir sind laut Jugendschutz dazu verpflichtet, solche Satzungen zu erlassen“, informierte Eichenaus Verwaltungsleiter Alexander Messner den Gemeinderat. Der Jugendbeirat und mehrere Gemeinderäte fürchten allerdings, dass die Regel schwer zu kontrollieren sei. „Wenn Schnaps in andere Flaschen umgefüllt wird oder falsche Etiketten aufgeklebt werden, ist ein Verbot leicht zu umgehen“, warnt Oswald Hihn (CSU).

Auch interessant: Badeseen ersticken im Müll

Dem schloss sich Bernd Heilmeier (FW) an. „Ich sage nur Orangenflasche.“ Hochprozentiges könnte in Saftflaschen eingeschmuggelt werden. Die Gemeindeverwaltung hält dem jedoch entgegen, dass die Sicherheitskräfte am See geschult seien, Ausfallerscheinungen oder glasige Augen zu deuten. Die Wachleute seien dann auch befugt, die Flaschen wegzunehmen.

Schnapsverbot am Badesee in Eichenau: Zunächst waren 38 Prozent im Gespräch

Der erste Entwurf der Satzung hatte die Grenze für das Konsumverbot bei 38 Prozent Alkoholgehalt gezogen. Für Sepp Spies (CSU) war das der Freifahrtschein zum übermäßigen Trinken. „15 Prozent sind noch genug“, sagte der Dritte Bürgermeister.

Den Sinn solcher Satzungen zweifelte Rike Schiele (Grüne) nicht an, wohl aber deren Wirksamkeit. „Es gibt Bestimmungen für Gartenbau, Hunde, Alkohol“, sagte sie. „Aber alle werden irgendwie, irgendwo und irgendwann umgangen.“ Sie befürchtete, dass dieses Schicksal auch einen anderen Teil der See-Satzung ereilt: den zum Hundeverbot. Darin wird festgelegt, dass Vierbeiner im Sommer dem Badegelände fern bleiben müssen. Im Winter dürfen sie dort rumlaufen – vorausgesetzt sie tragen eine Leine.

Bewährt hat sich am Eichenauer See inzwischen die 2018 probeweise aufgestellte Feuerschale. Sie wird rege genutzt. Besucher können in der Feuerschale mitgebrachtes Holz abbrennen, sich davor niederlassen – und im Winter etwas aufwärmen. Negative Begleiterscheinungen habe es bezüglich der Feuerschale bisher nicht gegeben, hieß es im Eichenauer Gemeinderat.

In Olching gab es vor gar nicht allzu langer Zeit eine ähnliche Debatte. Am Ende wurde ein Regelkatalog für den Grünanger ausgearbeitet. Die Grünen setzen auf Jugendarbeiter. 

Die schönsten Badeseen rund um München haben wir hier zusammengefasst

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