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Zankapfel Notfall-Lager für Kreis-Feuerwehr in Eichenau: Die Debatte geht weiter

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Von: Thomas Steinhardt

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Feuerwehr Notfall-Lager Eichenau
Die Feuerwehr braucht das Notfall-Lager, weil aktuelle Unterbringungsmöglichkeiten (etwa von Notfall-Betten) auf dem Fliegerhorst wegen dessen Auflösung irgendwann wegfallen werden. © Arndt Pröhl

Der geplante Bau eines Notfall-Lagers der Kreis-Feuerwehr in Eichenau ist in einer Art Dauerschleife gelandet. Nachdem der Kreisausschuss eine Pro-Eichenau-Entscheidung vertagt hat, folgen nun weitere Gespräche.

Landkreis – Am Ende des Tagesordnungspunkts versuchte sogar Bernd Wanninger vom Amt für öffentliche Sicherheit, die Kreisräte doch noch umzustimmen. Wie Landrat Thomas Karmasin zuvor betonte Wanninger, dass die Gespräche mit Eichenau über verschiedene vorherige Uneinigkeiten (Gründach, PV-Anlage) weit gediehen seien. Jetzt bedürfe es eines Grundsatzbeschlusses für den Standort Eichenau – erst dann könnten in einem Bebauungsplanverfahren alle Details abgestimmt werden. Auch wenn der Landrat hoffte, dass die Kreisräte Wanninger mehr Glauben schenken würden als ihm, es half nichts und es war ohnehin zu spät: Das Votum pro Vertagung war zu diesem Zeitpunkt schon gefallen – auch mit Stimmen aus der CSU – und war nicht mehr zu revidieren.

Das Problem: Die Gemeinde Eichenau hatte zunächst neben einigen anderen Details verlangt, dass das neue Gebäude zwingend mit einem Gründach zu versehen sei. Außerdem wurde eine PV-Anlage als sinnlos erachtet, da das Notfall-Lager selbst wenig Strom verbraucht – alles Forderungen, die im Kreistag auf wenig Gegenliebe stießen. Nun aber habe man mit Eichenau – die Gemeinde hat die Planungshoheit – konsensuale Gespräche geführt, sagte der Landrat eingangs. „Man wird Lösungen finden.“ Erst wenn der Beschluss pro Eichenau gefallen sei, könne man weiter planen.

Notfall-Lager in Eichenau: Kritik am Verwaltungstrakt für eine Million Euro

Vielen Kreisräten war das aber offenbar zu ungenau. Maisachs Bürgermeister Hans Seidl (CSU) etwa fürchtete, dass der Kreis eine aufwendige Planung vorlegen werde und Eichenau dann doch Nein sagen könnte. Finanzreferent Hans Thurner warf außerdem die Frage auf, warum am Notfall-Lager für rund eine Million Euro ein Verwaltungstrakt eingeplant sei, wo man doch das nahe Eichenauer Feuerwehrhaus auch mitnutzen könne. In einem solchen Verwaltungstrakt, fand Thurner, „sitzt doch kein Mensch“. 

Kreisbrandrat Hubert Stefan hielt entgegen, dass der Trakt auch eine Werkstatt und Sanitärräume umfasse. Nach einer Großlage brauche man Möglichkeiten zu Besprechungen. Auch Stefan betonte, dass solche Fragen im Bebauungsplanverfahren geklärt werden könnten. Peter Falk plädierte ebenfalls für den Grundsatz-Beschluss jetzt – vergebens. Mit 14:9 Stimmen wurde das geplante Lager zwar als „notwendig“ deklariert, aber eben auch zum Gegenstand weiterer Gespräche.

Grünen-Kreisrat Martin Runge lehnt Standort ganz grundsätzlich ab

Den Grünen war die Entwicklung Recht: Martin Runge nämlich lehnt den Eichenauer Standort grundsätzlich ab. Seine Argumente: Der anvisierte Platz liegt im Überschwemmungsgebiet und außerdem im planerischen Außenbereich, wo man keine weiteren Flächen versiegeln dürfe.

Die Feuerwehr braucht das Notfall-Lager, weil aktuelle Unterbringungsmöglichkeiten (etwa von Notfall-Betten) auf dem Fliegerhorst wegen dessen Auflösung irgendwann wegfallen werden. Außerdem wird die Feuerwehr künftig verpflichtet sein, mehr Material als bisher (ein Teil des aktuellen Lagers etwa mit Sandsäcken ist jetzt in der Wache Eichenau untergebracht), vorzuhalten.

Das neue Lager soll um die sechs Millionen Euro kosten und ist seit Jahren Gegenstand der Debatte. Nun wird es den neuen Kreistag treffen.

Kommentar: Politik nicht so schnell wie die Feuerwehr

Neubau der Berufschule: Ziemlich schnell beschlossen damals. Entstehung einer weiteren FOS in Germering: trotz aller Widrigkeiten zackig auf den Weg gebracht. Sanierungen an diversen Schulen: Zumindest zuletzt erheblich beschleunigt. 

Kaum ein Thema also mutierte in den vergangenen Jahren im Kreistag so zur Dauerdebatte wie das Notfall-Lager. Gut, jetzt muss man wissen, dass Verhandlungen ums Grundstück dauerten und dass Alternativen zu prüfen waren. Und man muss wissen, dass die Ankündigung der Bundeswehr, den Fliegerhorst erst 2026 zu verlassen, auch etwas die Dringlichkeit heraus genommen hat – trotz Kündigung der Lagerhalle ist die Feuerwehr in Fursty weiter geduldet. Und man muss wissen, dass die Forderung nach einem begrünten Flachdach im Kreistag wie blanker Hohn ankam – war das Gremium doch erst kurz vorher überein gekommen, wegen Undichtigkeitsgefahr auf Flachdächer zu verzichten. 

Trotzdem, bei aller Einordnung und allem Verständnis: Die Feuerwehr springt bekanntlich, sobald es brennt. Von den Kreisräten hätte man in der alten Legislaturperiode schon erwarten können, dass sie (inhaltlich) wenigstens noch einmal hüpfen. Jetzt wird sich der neue Kreistag mit dem Lager auseinandersetzen müssen – und das wird wieder dauern.

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