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Für das Essen sorgt das Küchenteam (v.l.) Kristina Kirschner, Susanna Wimmer, Giovanna Cotugno und Manuela Salzmann.

Eichenauer Nachbarschaftshilfe

Ein Mittagessen für die Seele

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Der Mittagstisch der Eichenauer Nachbarschaftshilfe feiert zehnjähriges Bestehen. Senioren können einmal die Woche eine Suppe, eine Hauptspeise und ein Dessert in geselliger Runde verspeisen. Dabei ging es aber von Anfang an nie um die Nahrungsaufnahme allein.

Eichenau – Wie viel Liebe in diesem Projekt steckt, zeigt sich jeden Dienstagvormittag wieder. Inge Kullmann und ihre ehrenamtlichen Kolleginnen bereiten da den Mittagstisch für die Senioren vor – es ist eines der vielen Angebote der Nachbarschaftshilfe. Die Tische werden nicht nur mit Liebe gedeckt, sie werden sogar mit bunten Servietten und anderen liebevollen Details hergerichtet. Je nach Jahreszeit flackern Kerzen stimmungsvoll. Es ist offensichtlich: Hier soll nicht nur der Magen der Besucher erwärmt werden, sondern auch das Herz. Sie sollen sich wohlfühlen, ratschen und Gesellschaft finden. Für manche Senioren ist es der Höhepunkt der Woche: „Sie ziehen sich hübsch an und kommen zu uns“, sagt Kullmann. Das freut sie ganz besonders.

Manche Senioren waren sehr allein

Die 72-Jährige ist von Anfang an dabei. Sie ist im Vorstand der Eichenauer Nachbarschaftshilfe aktiv, unter deren Dach der Mittagstisch stattfindet. Die Küche des Sozialdienstes in der Fasanstraße versorgt seit langem Kindertagesstätten mit Verpflegung, aber auch Senioren mit Essen auf Rädern. 500 Mahlzeiten bereiten Giovanna Cotugno und ihr Küchenteam täglich zu. Es stellte sich vor zehn Jahren heraus, dass viele Ältere allein in ihrer Wohnung speisten und generell eher selten unter Menschen kamen. Einige liefen große Gefahr, in absolute Einsamkeit abzudriften. Dem wollte man gerne entgegenwirken. So kam die Idee auf, den Mittagstisch ins Leben zu rufen. Die Senioren sollten einmal in der Woche einen fixen Termin haben, an dem sie zum Mittagessen rausgehen und Gleichgesinnten begegnen. Und die Speisen sollten schön serviert werden. Ganz nach dem Motto: Das Auge isst mit. Initiiert haben das Projekt Marianne Bertram und Angelika Jung. Finanziert wird es durch die Einnahmen aus den Essensverkäufen. Außerdem wird die Nachbarschaftshilfe als Verein, der nicht gewinnorientiert arbeitet, auch von der Gemeinde unterstützt.

Alte Gerichte mit Blutwurst gefragt

Der ursprüngliche Plan ging im Übrigen nicht ganz auf – im positiven Sinn. Den Mittagstisch besuchen nicht nur diejenigen, die Essen auf Rädern beziehen, von denen täglich 50 zu einem Preis von jeweils sieben Euro ausgeliefert werden. Zum Mittagstisch kommen mittlerweile bis zu 30 Senioren regelmäßig in den Mehrzweckraum des Sozialdienstes. Man kennt sich, es haben sich Gemeinschaften gebildet. Die einen lernten sich hier kennen, andere begleiteten Bekannte. „Inzwischen trauen sich auch mehr Männer alleine her“, sagt Inge Kullmann. Ansonsten habe sich in den vergangenen zehn Jahren nicht viel verändert.

Zum Jubiläum gab es ein festliches Gedeck – und Ingeborg Kullmann servierte den ersten Gang.

Zum absoluten Lieblingsessen gehört der Schweinebraten. „Der geht immer“, erklärt Annabel Friedrich, die für das Büro der Nachbarschaftshilfe arbeitet und mit Barbara Friebe für die Organisation zuständig ist. Man versucht, auf die Wünsche einzugehen, sagt sie. Neuzugänge werden auch nach ihren Leibspeisen gefragt. „Oft werden alte Gerichte von damals gewünscht, mit Blutwurst zum Beispiel.“ Das Küchenteam stellt jeden Dienstag ein Menü mit drei Gängen zusammen: Suppe, Hauptspeise und Dessert. Und wer dann noch will beziehungsweise kann, bekommt auch noch einen Espresso zum Abschluss.

Der Mittagstisch findet dienstags ab 12.30 Uhr im Mehrzweckraum der Nachbarschaftshilfe in Eichenau statt. Anmeldung wochentags zwischen 9 und 12 Uhr im Büro unter Telefon (0 81 41) 36 91 0.

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