Thea Lehmann Autorin aus Eichenau
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Thea Lehmann Autorin aus Eichenau

Eichenau

Zumindest literarisch kann man reisen

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Endlich wieder Urlaub im Ausland machen – davon träumen im Moment viele. Noch ist das schwierig. Wer gerne Krimis liest, hat jetzt immerhin die Möglichkeit, literarisch auf Reisen zu gehen. Eine Eichenauer Autorin hat an einem spannenden Sammelband mit Kurzgeschichten mitgewirkt.

Eichenau – „In 18 Morden um die Welt“ heißt ein Sammelband mit Kurzgeschichten, der die Leser auf fünf Kontinente mitnimmt. Auch die Eichenauer Autorin Thea Lehmann, deren Bücher normalerweise in der Sächsischen Schweiz angesiedelt sind, hat einen Kurzkrimi beigesteuert. Er spielt in Namibia.

In den 1980er-Jahren hat Thea Lehmann das südliche Afrika ausführlich bereist. Wenn sie an Namibia zurückdenkt, fällt ihr vor allem die Weite ein – ein riesiges, leeres Land unter einem schier endlosen Himmel. Eines Tages fuhr sie auf einer schnurgeraden Straße und sah von weitem ein Auto, das ihr entgegenkam. Bis das andere Fahrzeug sie aber tatsächlich passierte, dauerte es eine halbe Stunde.

Erst da wurde ihr bewusst, wie viele zig Kilometer weit man in der klaren trockenen Luft sehen konnte. „Es war ein Gefühl der Unendlichkeit“, sagt die 61-Jährige. Dieses Gefühl hat sie vor kurzem wieder hervorgeholt, als es darum ging, ihren Beitrag für den Krimi-Sammelband zu schreiben. Die Geschichte um eine einsame Farmerin wirkt sehr authentisch, auch wenn Lehmann nie selbst mit geschulterter Flinte unterwegs war oder verletzte Kälber auf den riesigen Weiden verarztet hat.

Zu Gast auf einer Farm war sie damals aber schon. „Ich habe mein altes Tagebuch von der Reise noch. Es hat mir geholfen, mich zurückzuversetzen“, erzählt die Autorin, die hauptberuflich ein Pressebüro betreibt. Sie ist stolz darauf, in den Sammelband aufgenommen worden zu sein.

Der Titel und der auf dem Buchcover dargestellte Heißluftballon sind eine Hommage an Jules Verne, doch inhaltlich gibt es keine Ähnlichkeiten – die Beiträge spielen weder 20 000 Meilen unter dem Meer noch führen sie zum Mittelpunkt der Erde. Vielmehr geht es in den Geschichten der 20 Autorinnen vom Londoner Tower über Südtirol und Griechenland nach Afrika, über Israel und den Iran nach Südostasien, über Australien nach Amerika und schließlich zurück nach Europa. (Und ja, es sind 20 Autorinnen, aber nur 18 Morde – in zwei der Geschichten überleben die Opfer.)

Die Anthologie ist ein Projekt der „Mörderischen Schwestern“. Dabei handelt es sich um einen Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, deutschsprachige, von Frauen geschriebene Spannungsliteratur zu fördern.

„Tatsache ist, dass Krimis von Frauen weniger rezensiert werden“, sagt Thea Lehmann. Auch Krimi-Preise würden meist die Männer absahnen. Zahlen belegen das –die Eichenauerin verweist auf eine Studie der Universität Rostock, die Frauen eine geringere Sichtbarkeit im Literaturbetrieb und den Medien bescheinigt.

Bei den Mörderischen Schwestern finden Autorinnen vielerlei Unterstützung. Zu den rund 600 Vereinsmitgliedern gehören Expertinnen, die über Gifte und Waffen Bescheid wissen. Newcomer können sich Rat holen, wenn sie ein gutes Lektorat oder einen geeigneten Verlag suchen, in Sachen Marketing oder Self-Publishing Hilfe brauchen. „Man muss sich das ja sonst alles selbst erarbeiten“, sagt Thea Lehmann.

Auch einen Krimipreis hat der Verein ins Leben gerufen – die „Goldene Auguste“, benannt nach Auguste Groner (1850-1929). Die Wienerin war quasi die Mutter aller mörderischen Schwestern. Sie gilt als erste deutschsprachige Krimiautorin und Erfinderin des ersten Seriendetektivs der deutschsprachigen Literatur.

Lesung

Sollte es die Corona-Inzidenz zulassen, ist für 19. Mai, 19 Uhr, eine Lesung von Thea Lehmann im Mammendorfer Bürgerhaus geplant. Informationen hierzu finden sich im Internet auf thealehmann.de.

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