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Christine Richter hat Elfe Kiki erfund en, Tochter Nathalie hat sie aufs Buchcover gemalt.

Ein Elfen-Buch für den verstorbenen Sohn

Mammendorf – In Irland war Christine Richter noch nie. Trotzdem hat die Nannhofenerin ein Kinderbuch über eine kleine irische Elfe geschrieben. Der Grund, warum Richter zu Stift und Papier griff, ist ein tragischer: Es hat mit dem Tod ihres Sohnes zu tun. Der Siebenjährige wurde überfahren.

 Kiki ist anders als die anderen irischen Elfen: Nicht etwa hübsch und sanft, sondern tollpatschig, kurzsichtig und mit einer Zahnlücke stolpert sie unbeholfen durch die Geschichte des Buchs „Es war einmal in Irland“. Auf die Frage, warum sie die Geschichte geschrieben hat, antwortet Christine Richter zunächst nicht. Sie schnauft erst einmal kräftig durch. „Eigentlich will ich nicht auf die emotionale Schiene abdriften“, sagt sie.

Die Widmung des Buches lässt aber erahnen, dass sich das kaum vermeiden lässt. Für ihren Sohn Daniel und ihre Tochter Nathalie hat die 63-Jährige das Werk verfasst. Die Zahlen, die in Klammern hinter Daniels Namen stehen, lassen Schreckliches erahnen: „1978-1985“. Christine Richters Sohn ist im Alter von nur sieben Jahren an der Schulbushaltestelle von einem Auto überfahren worden.

„Seitdem gibt es immer wieder Phasen, in denen ich mir Vorwürfe mache und überlege, was ich hätte besser machen können“, sagt Richter. An Daniels Todestag schlich sich der Vorwurf in ihrem Kopf ein, sie habe ihrem Sohn viel zu wenige Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen. Fast im gleichen Atemzug bildete sich die Idee heraus: „Also schreibe ich ein Buch für Daniel.“ Und so holte Richter kurzerhand einen Block und einen Stift und begann, die Geschichte von Kiki zu schreiben.

„Das Schreiben macht mir unheimlich Spaß, es ist ein Ventil für mich“, sagt Christine Richter. Oft zieht sie sich fünf bis acht Stunden zurück und schreibt – alles mit der Hand, wie sie sagt: „Ich kann mit Computern nichts anfangen.“ Während sie schreibt, merkt sie gar nicht, wie die Zeit vergeht. „Ich nehme um mich herum nichts mehr wahr.“

So entstand die Geschichte „Es war einmal in Irland“. Irland deshalb, weil es ein großes Ziel der Mammendorferin ist, dort einmal Urlaub zu machen. Und auch das etwas verträumte Elfen-Thema sei ebenfalls nahe gelegen: „Ich lebe ein wenig in meiner eigenen Welt“, gibt Christine Richter unumwunden zu. Auch ist es freilich kein Zufall, dass die menschliche Hauptfigur des Buchs den Namen Daniel trägt. Kindgerecht und lustig erzählt Christine Richter, wie Daniel und Kiki gemeinsam Abenteuer erleben und lustige – zuweilen sogar bissige – Dialoge austauschen, die sich auch gut zum Vorlesen eignen.

Als die Geschichte fertig geschrieben war, verschwand sie aber erst einmal in einer Schublade. „Erst drei Jahre später ist mir die Idee gekommen, die Geschichte auch anderen Kindern zugänglich zu machen“, erzählt Christine Richter, die seit elf Jahren im Mammendorfer Ortsteil Nannhofen lebt. Gemeinsam mit ihrer Tochter Nathalie, die die Elfe Kiki auf dem Buchcover gezeichnet hat, suchte sie verschiedene Verlage heraus. Am Ende war es der Kern-Verlag, der „Es war einmal in Irland“ im Herbst veröffentlichte. „Es ist bis heute nicht ganz in meinem Kopf drin, dass ich das geschrieben habe.“

Mittlerweile ist Christine Richters zweites Buch fast fertig. Diesmal wird es aber kein Kinderbuch, sondern ein Psychothriller. Ob dieser ebenfalls veröffentlicht wird, muss die Zeit zeigen. Erst einmal hofft Christine Richter aber, dass noch möglichst viele Kinder die Geschichte von Kiki und Daniel lesen oder vorgelesen bekommen – die Geschichte, die zwar dem realen Daniel gewidmet ist, die dieser aber nicht mehr lesen konnte.

Das Buch

„Es war einmal in Irland“ gibt es für 11,90 Euro im Buchhandel. Die ISBN-Nummer lautet 978-3957162120.

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