Arbeit für Asylbewerber 

Die Ein-Euro-Integration

Landkreis - Arbeit integriert. Deshalb dürfen Asylbewerber im Landkreis künftig eine Tätigkeit aufnehmen – ähnlich wie ein Ein-Euro-Jobber.

Notheince Moya-Bilolo weiß schon ganz genau, wie Oona Motz, Chefin des Hofcafés der Caritas in Fürstenfeldbruck, ihren Milchkaffee am liebsten trinkt. Und auch die Gäste des kleinen Lokals mit integriertem Buchladen kennt er bereits. Der Mann aus der Demokratischen Republik Kongo arbeitet dort seit kurzem. Genau wie Eric Wabenga und Sardarwali Popal. Die beiden räumen unter anderem die Bücher ein und helfen bei PC-Arbeiten. „Es ist schön, dass wir eine Beschäftigung haben“, freuen sich alle drei.

Und künftig sollen noch mehr Asylbewerber im Landkreis arbeiten können. Möglich ist das durch so genannte Arbeitsgelegenheiten, wofür der Gesetzgeber vor kurzem die Voraussetzungen geschaffen hat. Für ihre Einsätze erhalten die Flüchtlinge dann 1,05 Euro die Stunde.

„Ich begrüße das sehr“, sagt Willi Dräxler, Integrationsreferent der Stadt Fürstenfeldbruck. „Arbeit ist der gesellschaftliche Einstieg, man lernt dort das Arbeitsverhalten hier kennen und eine sprachliche Übung ist auch dabei.“

Voraussetzung dabei ist, dass die Tätigkeiten, die die Flüchtlinge übernehmen, nicht den Arbeitsmarkt tangieren, gemeinnützig und zusätzlich sind. So können Asylbewerber beispielsweise den Bauhof-Mitarbeitern beim Säubern öffentlicher Plätze helfen, in sozialen Einrichtungen arbeiten im Landschafts- und Naturschutz sowie in einem Sportverein tätig sein. „Es müssen aber Arbeiten sein, die zusätzlich sind, sprich für die keine Stelle vorgesehen ist“, erklärt Andreas Buchner, Asylkoordinator im Landratsamt. Dabei handle es sich aber keinesfalls um minderwertige Arbeiten, so Willi Dräxler. Beispielsweise könne auch eine Maschine repariert werden, die sonst kaputt geblieben wäre.

Aber auch Asylbewerber, die im Rahmen des Projekts „Ankommen und Verstehen“ als so genannte Multiplikatoren ausgebildet wurden, profitieren von den Arbeitsgelegenheiten. Sie werden nun dafür entlohnt, dass sie anderen Flüchtlingen den richtigen Umgang mit Energie, Wasser und Abfall vermitteln.

Generell können alle Asylbewerber, die in dezentralen Unterkünften leben, im Rahmen der Arbeitsgelegenheiten tätig werden – egal ob anerkannt oder nicht. „Es wäre aber auch zu begrüßen, wenn es für alle gelten würde, also auch für die in der Erstaufnahme“, sagt Dräxler mit Blick auf die Unterkunft im Fliegerhorst.

Die Flüchtlinge dürfen maximal 20 Wochenstunden im Einsatz sein. Bereits jetzt liegen dem Landratsamt mehr als 20 Anfragen von Einrichtungen und Organisationen vor, die Flüchtlinge beschäftigen wollen. Die Genehmigungen sollen demnächst erteilt werden, so Buchner.

Zudem seien die Kommunen angeschrieben worden, ob sie nicht Jobs an Flüchltinge zu vergeben hätten. Bisher habe es von dieser Seite aber noch keine Anfragen gegeben. „Ich bin mir aber sicher, dass das bald kommt“, erklärt Buchner (ed/mak). 

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