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Ein wahres Dickicht aus Holzstützen soll verhindern, dass weiterer Stuck herunterbricht oder mehr Risse entstehen.

Seit Bauarbeiten 2012 keine Gottesdienste möglich

Ein Kirchlein im Stützkorsett

Im Egenhofener Ortsteil Waltenhofen gibt es ein hübsches Kirchlein. Leider ist es seit dem Jahr 2012 praktisch nicht mehr benutzbar. Damals entstanden während der Sanierung der Ortsdurchfahrt große Schäden. Seither können sich Landratsamt und Kirche nicht einigen, wer die Sanierung bezahlt.

Die Dreifaltigkeitskirche neben der Ortsdurchfahrt in Waltenhofen stammt aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Fürstenfeldbruck – Bei der heiligen Dreifaltigkeitskirche handelt es sich laut bayerischer Denkmalliste um einen kleinen Saalbau mit eingezogenem Polygonalchor, angefügter Sakristei und massivem Dachreiter. Entstanden ist die Kirche um 1612. Sie wurde 1700 barockisiert. In dieser Zeit entstand auch der Stuck, der 2012 in dem eigentlich sehr gepflegten kleinen Gotteshaus während der Bauarbeiten an der Ortsdurchfahrt zu bröckeln begann.

Schwere Baumaschinen richteten damals die Fahrbahn neu her. Gehwege entstanden neu. Der Gedanke lag nahe: Die Schäden in der Kirche rühren von den Bauarbeiten her. In der Kirche wurden Stützpfosten aufgestellt, die verhindern sollen, dass weitere Risse entstehen oder dass weitere Kunstwerke von der Decke stürzen.

Im Hauptraum stehen links und rechts entlang der Wände Stahlgerüste. Auf ihnen ruhen Querbalken, die knapp über Kopfhöhe eine Zwischendecke bilden. Klettert man in den Zwischenraum zwischen diesem Provisorium und der eigentlichen Kirchendecke, offenbart sich ein wahres Dickicht aus Stützen. Holzlatten- und Platten, teils mit Papier ausgekleidet, geben Stuck und anderen Zierelementen des religiösen Baus zusätzlichen Halt.

Die religiösen Kunstwerke waren sorgsam gepflegt – bis mit den Straßenbauern die Risse kamen.

Die Gottesdienste, die früher monatlich in Waltenhofen stattfanden, können unter diesen Umständen seit über vier Jahren nicht mehr abgehalten werden. Nur einmal fand in dieser Zeit eine Taufe statt. Eine ortsansässige Familie wünschte sich das unbedingt, trotz der Gerüste, die natürlich maximal störend wirken müssen.

Etwas über Kopfhöhe wurde ein von Stahlgerüsten gehaltener Zwischenboden eingezogen.

Zuständig für die Ortsdurchfahrt und damit auch für die Bauarbeiten 2012 ist das Landratsamt. Eine Sprecherin bestätigt, dass die Schäden damals während der Bauarbeiten auftraten. Es sei dann ein Gutachten erstellt worden, dessen Ergebnis klar gewesen sei: Beim Straßenbau seien keine Fehler gemacht worden. Es bestehe zwar ein zeitlicher Zusammenhang zwischen den Arbeiten an der Ortsdurchfahrt und dem Auftreten der Kirchenschäden. Aber kein ursächlicher.

Das Landratsamt lehnte es deshalb im Jahr 2015 ab, die Schadensregulierung zu übernehmen, sprich: die nötige Reparatur an der Dreifaltigkeitskirche zu bezahlen. Von der Kirche sei in der Zwischenzeit im Landratsamt lediglich das Gutachten angefordert worden. Mehr sei nicht mehr passiert. Die Sprecherin der Kreisbehörde: „Wir sind nicht am Zug.“

Bei der für die Waltenhofener Kirche letztlich zuständigen Erzdiözese München und Freising berichtet man neben dem herabgefallenen Stuck auch von fingerdicken Rissen in der Kirche. Die Frage, wer dafür aufkommt, sei bisher völlig ungeklärt, sagte eine Sprecherin. Auch das weitere Vorgehen der Erzdiözese in dieser Sache stehe noch nicht fest. 

Thomas Steinhardt

Kommentar:

Zu den ganz großen Denkmälern der barocken Kirchenkunst zählt die Dreifaltigkeitskirche in Egenhofen sicherlich nicht. Aber weder das kleine Gotteshaus noch die Gläubigen in Ortsteil Waltenhofen haben es verdient, derart im Stich gelassen zu werden. Dass sich das Landratsamt und die Erzdiözese nicht einig sind, wer die Renovierungskosten tragen muss, ist die eine Sache. So etwas kann vorkommen. Unverständlich dagegen der gegen Null gehende Eifer beider Parteien, die Sache voranzutreiben. Das Landratsamt verschanzt sich hinter einem Gutachten, das besagt, die Schäden seien während – aber nicht wegen – der Straßenarbeiten entstanden und die Amtskirche lässt sich offenbar mit dieser Argumentation abspeisen. Ein himmlisches Wunder wird dem gebeutelten Kirchlein und seiner Gemeinde wohl kaum helfen. Um das Dilemma zu lösen, müssen Menschen in den entsprechenden Einrichtungen aktiv werden – vielleicht hat dabei ja jemand eine sprichwörtliche göttliche Eingebung.

Sabine Kuhn

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