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So schwimmt man: Tanveer Ahmed zeigt einem Mädchen die richtige Technik mit den Beinen (Foto oben). Weil die Übungen im tiefen Wasser gemacht werden, bekommen die Kinder ein Schwimmbrett. Ein Gürtel gibt ihnen zusätzlich Auftrieb. Am Beckenrand warten derweil die anderen Kinder, die den Schwimmkurs im Pucheimer Hallenbad besuchen. Tanveer Ahmed holt jeden einzeln zu sich und erklärt ihm, wie man sich über Wasser hält. Im kühlen Nass fühlt sich der 31-Jährige, der 2015 seine Heimat Pakistan verlassen hat, pudelwohl. Kurz vor seiner Flucht wurde Tanveer Ahmed sogar pakistanischer Meister über 50 Meter Brustschwimmen. „Beim Schwimmen muss man ja nicht viel reden.“Mutter eines kindes

In Pakistan gehörte er zu den Besten

Ein Schwimmlehrer mit Meistertitel

Puchheim – Im Puchheimer Hallenbad gibt es einen ganz besonderen Schwimmlehrer: Tanveer Ahmed. Der 31-jährige Flüchtling war 2015 pakistanischer Meister über 50 Meter Brust – jetzt begleitet er Kinder bei ihren ersten Zügen im Wasser.

Kurz vor Ende dieser Unterrichtsstunde muss auch der sonst etwas verschlossen wirkende Hilfslehrer lächeln. Denn zum Schlussprogramm beim Anfängerkurs im Puchheimer Schwimmbad gehört für die Kleinen auch immer, hoch in die Luft geworfen zu werden und wieder weich im Wasser zu landen – ein offenbar ansteckendes Vergnügen.

Aber davon abgesehen hält sich Tanveer Ahmed mit Gefühlsäußerungen zurück, vielleicht auch, weil ihm heute ein Reporter zusieht. Denn dass ein Flüchtling nicht nur schwimmen kann, sondern sogar Deutschen das Schwimmen beibringt, ist natürlich eine kleine Geschichte wert.

Der 31-jährige wurde noch im April 2015 pakistanischer Meister über die 50 Meter Brust. Kurz danach floh Tanveer aus seiner Heimatstadt Rabwah nach Deutschland. Als Angehöriger der religiösen (muslimischen) Minderheit der Ahmaddiyya beantragte er Asyl, das seinem in Dortmund lebenden Bruder bereits gewährt wurde. Als er über die Zwischenstation Eichenau erst einmal in Puchheim sesshaft wurde, nahm ihn Bademeister Norberth Rätscher, der selbst vor 26 Jahren aus Rumänien nach Deutschland kam, unter seine Fittiche.

In dessen Schwimmschule hilft er unentgeltlich aus, außerdem beschäftigt ihn die Stadt fünf Stunden die Woche als Aushilfskraft. Anfangs, um anderen Flüchtlingen das Schwimmen beizubringen, heute auch als Aufsicht für alle an den besonders vollen Tagen.

Besonders gefordert ist Schwimmlehrer und Rettungsschwimmer Tanveer in dem kleinen Puchheimer Becken natürlich nicht. Er achtet auf die richtigen Froschbeine, wenn die Fünf- bis Siebenjährigen an ein Brett geklammert über die kurze Querbahn strampeln und schaut auf die Armtechnik, wenn sie nach dem abenteuerlichen Sprung vom Rand aus eigener Kraft die Treppe erreichen müssen. Aber Rätscher, selbst alles andere als eine wasserscheue Landratte, hat seinen Gehilfen auch schon als Meister erlebt: „Der macht mit fünf Zügen 20 Meter, da brauch’ ich das Doppelte.“

Er liebe das Schwimmen und er möge die Kinder, sagt Tanveer auf Deutsch und, wenn ihm die Worte fehlen, auf Englisch. Und auch die Kinder scheinen ihren Lehrer zu mögen. Nur anfangs lehnten es einige muslimische Mädchen ab, sich von ihm helfen zu lassen. Er dagegen scheint keine Berührungsängste zu haben. Das könnte ihm kurioserweise als fehlende Strenggläubigkeit ausgelegt werden. Der Asylbewerber hat einen Ablehnungsbescheid bekommen, seine Gründe seien nicht ausreichend, entschied das Migrationsbundesamt. Denn nach herrschender Meinung müssen die Ahmadiyya nur dann um Leib und Leben in Pakistan fürchten, wenn sie ihre Religion besonders offen praktizieren. Ein Anwalt ist eingeschaltet.

Freund Rätscher will alles daran setzen, dass Tanveer bleiben kann. Er hatte schon ein Gespräch beim Bürgermeister, der zusagte, sich eventuell schriftlich ans Bundesamt wenden zu wollen, und ist sich sicher, dass bei einer Sammlung sofort 100 Eltern für den neuen Lehrer unterschreiben würden.

Ihr täte es leid, wenn der junge Mann wieder weg müsste, sagt die Mutter einer Fünfjährigen nach dem Anfängerkurs. Auch wenn dessen Deutsch noch verbesserungsfähig ist. „Beim Schwimmen muss man ja nicht viel reden.“ (op)

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