Partnerbörse für Tier und Mensch:Kerstin Said – hier mit ihrer eigenen Hündin Kira – sucht für Vierbeiner ein neues Zuhause. Fast 800 glückliche Verbindungen sind so schon entstanden.

Puchheimer Verein

Eine helfende Pfote für Tiere in Not

Puchheim - Der Hund, der nicht länger bei seinem Besitzer bleiben kann, die Katze, die gefunden wurde: Der Verein Pfotenhelfer aus Puchheim bringt Tier und Mensch zusammen – und geht dabei ganz neue Wege.

Eigentlich betreibt Kerstin Said (35) ja eine erfolgreiche Partnerbörse – nur eben für Tiere. Fast 800 meist glückliche und dauerhafte Verbindungen hat sie in den vergangenen vier Jahren gestiftet, die Dankadressen mit Familienfotos füllen ganze Happyend-Bücher genannte Bände. Spätere Reklamationen gibt es so gut wie nicht und wenn doch – auch das ist außerordentlich – wird die Fehlbesetzung zurückgenommen.

Die Kundschaft wächst, rund 50 einzelne Fälle stehen derzeit auf der Warteliste. Besonders ist aber auch, dass sie diese Vermittlung mit offizieller Genehmigung des Veterinäramtes organisiert. Denn die 35-jährige Vertriebsleiterin aus der IT-Branche ist Gründerin des Vereins Pfotenhelfer in Puchheim. Das System ist eigentlich einfach und es kann erstaunen, dass es noch nicht sehr viel mehr Nachahmer gefunden hat. Hunde (zu einem Drittel) und Katzen, die bei ihren bisherigen Besitzern nicht bleiben können, in selteneren Fällen auch Fundtiere, werden zunächst an eine der rund 50 Pflegestellen aus der Vereinskartei vermittelt, in denen sich Menschen nur vorübergehend um ein Tier kümmern können oder wollen. Bis dann eine endgültige Unterkunft gefunden ist, übernimmt der Verein die Kosten für dieses Intermezzo.

Die Tiere stammen oft aus Haushalten, in denen sich die bisherigen Halter doch zuviel zugemutet haben oder die sich ein ehemals süßes Tierbaby haben aufschwatzen lassen oder die sich einen Vierbeiner aus familiären oder finanziellen Gründen nicht mehr leisten können.

Ein paar Mal im Jahr werden die Pfotenhelfer auch in Messi-Haushalten tätig, wo Mensch und Tier gleichermaßen verwahrlost sind. So wie bei dem extremen Fall in einem Nachbar-Landkreis, wo der Tierarzt die Puchheimer um Hilfe bat. 21 Katzen, die sich ungebremst weiter vermehren würden, mussten dort mit etwas mehr als nur sanftem Zwang evakuiert werden.

Gelegentlich sind die Helfer auch mit vermeintlich oder wirklich schwierigen Tieren, meist Hunden, konfrontiert. Aber Said, die sich seit 17 Jahren im Tierschutz engagiert, kennt nach eigener Aussage keine unvermittelbaren Schützlinge, höchstens schwer vermittelbare. Tabu sind nur Tiere aus dem Ausland und Kampfhunde.

Viel Sorgfalt verwenden die Pfotenhelfer auf die Auswahl der neuen Besitzer. „Wir nehmen nicht jeden,“ sagt die Vereinschefin. Aber grundsätzlich gelten Familien als ebenso geeignet wie der alleinstehende Mann oder die enkellose Rentnerin. Auch über 70-Jährige können einen Mitbewohner aufnehmen, allerdings kein Tierbaby, das zuviel spielen will oder den Menschen womöglich überleben würde.

Von Hunde-Abnehmern wird in der Regel der Besuch einer Hundeschule verlangt. Ausnahmen gibt es etwa für den langjährigen Dackelbesitzer oder den neuen Halter eines zwölf Jahre alten Schoßhundes. Für einige „soziale Fälle“, wenn etwa die Rente partout nicht reicht, zahlt der Verein die Futterkosten oder übernimmt die Fahrt zum Tierarzt.

Einige Zeit nach der Vermittlung kommen die Pfotenhelfer noch zu einer Nachkontrolle. So ein Besuch kann sogar unangemeldet sein, falls es trotz Rückfragen an Nachrichten von den neuen Besitzern fehlt. Wirklich zurückgeholt wird aber nur selten ein Tier, das etwa zuwenig Auslauf bekommt oder als zu eigen empfunden wird. In der Regel finden sich die richtigen Partner, wie zahlreiche mit Fotos unterlegte Berichte zeigen, die von den Neubesitzern verlangt und in den Happy Ends gesammelt werden.

Die Pfotenhelfer haben ungefähr 150 Mitglieder, die 36 Euro Jahresbeitrag zahlen. Für die Vermittlung inklusive EU-Tierausweis, implantiertem Mikro-Chip zur Identifizierung und tierärztlicher Versorgung wird eine Schutzgebühr zwischen 80 und 250 Euro verlangt. Außerdem werden noch Spenden eingenommen, trotzdem sei der Verein ein Zuschussgeschäft, sagt Said. Sie hat übrigens selber drei Katzen und einen Hund, legt aber ansonsten Wert darauf, dass ihr Zuhause eine „tierhaltefreie Ecke“ bleibt.

Wenn beispielsweise ein Fundhund, der von der Polizei angeliefert wird, nicht innerhalb von ein paar Stunden an den Besitzer zurückgegeben werden oder in einer der Kurzzeit-Pflegestellen unterkommen kann, muss eben doch die konventionelle Konkurrenz mit ihrem Tierheim helfen. Den Tierschutzverein dürfe man nicht kritisieren, sagt Said, denn sonst hätte sie noch mehr Arbeit. Aber grundsätzlich legt sie Wert auf einen „gitterstäbefreien Verein“, wie sie sagt.

Die Pfotenhelfer Wer Interesse hat, ein Tier aufzunehmen oder den Verein zu unterstützen, kann Kontakt mit Kerstin Said aufnehmen unter Telefon (0177) 3 50 26 08 oder per E-Mail an die Adresse k.said@pfotenhelfer.de  (op)

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