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Karl Mitzel am sogenannten Kleereiber: Mit dem Gerät hat der Puchheimer als junger Mann regelmäßig gearbeitet. 

Landwirtschaftliche geräte werden ausgestellt

Das einzige Museum Puchheims

Ohne moderne Technik läuft heute nichts mehr in der Landwirtschaft. Bis weit ins 20. Jahrhundert sah das aber ganz anders aus. Handarbeit und einfachste Hilfsmittel prägten das Leben der Bauern. Einen Einblick in diese Zeit gibt Puchheims einziges Museum. Am Wochenende öffnet es seine Tore.

Puchheim-Ort – Oh mei, der alte Kleereiber. Karl Mitzel lächelt beim Anblick der von Rost überzogenen Maschine, nimmt sie genau unter die Lupe. Da werden Erinnerungen wieder lebendig. Mühsam war es, staubig und das Ergebnis nicht selten mehr als dürftig. „Aber so war das damals“, sagt der 68-Jährige. Sollten die Viecher im nächsten Jahr etwas zu fressen haben, mussten dem Klee eben die Samen abgerungen werden. Immerhin: Irgendwann hat ein Elektromotor den Antrieb der Maschine übernommen. Bis dahin war auch das Handarbeit. Aber das war vor Mitzels Zeit.

Museumsdirektorin Rosmarie Schwaiger führt immer wieder Schulklassen durch die Ausstellung. 

Der Puchheimer könnte wahrscheinlich noch Stunden weiter erzählen über die Pflüge, Karren, Wagen, Beiztrommeln oder Ochsengeschirre, die der Verein d’Buachhamer auf zwei Stockwerken hinter dem Unterwirt zusammengetragen hat. Denn viele der antiquierten Geräte stammen von seinem Hof – dem Bartlbauer. Bis 1972 wurde der von der Familie bewirtschaftet. Doch die Landwirtschaft hatte sich nicht mehr gelohnt.

Mitzel wurde Elektrotechniker, der Hof wurde aufgelassen. Für die Familie keine einfache Entscheidung – für die Brauchtumsbewahrer ein Glücksfall. Denn die Zeit blieb stehen beim Bartlbauer. Und die Relikte bäuerlichen Lebens aus längst vergangenen Zeiten überdauerten die Modernisierungswellen in der Landwirtschaft. So landeten die Geräte nicht auf dem Sperrmüll – sondern in Puchheims einzigem Museum.

Mehr als 100 alte Maschinen sind zu sehen 

„Da kann man wirklich stolz drauf sein“, sagt Rosmarie Schwaiger. Die 54-Jährige ist seit vier Jahren die Direktorin der Ausstellung. Immer wieder führt sie Schulklassen oder andere Gruppen Interessierter durch die Räume im Dorfzentrum. „Wir wollen zeigen, wie man damals gearbeitet hat“, erklärt Schwaiger. Nicht selten erntet sie dabei ungläubige Blicke. In Zeiten, in denen der Nachwuchs mit Smartphone, Facebook und Co. aufwächst, ist es für viele unvorstellbar, dass die Menschen noch vor wenigen Jahrzehnten mit knorrigen Geräten aus Gusseisen und Holz gewerkelt haben. „Viele interessieren sich aber dafür und wollen genau wissen, für was die einzelnen Maschinen da waren.“

Um Erklärungen ist Schwaiger nicht verlegen. Aufgewachsen auf dem Samerhof kennt auch sie einige der Gerätschaften aus der Kindheit. Etwa die alte Windmühle, mit der die Bauern früher die Spreu vom Weizen getrennt haben. Staubig war es, meist heiß und trocken. „Und es hat einen wahnsinnig auf der Haut gejuckt.“

Mehr als 100 alte Maschinen haben die Mitglieder der Buachhamer zusammengetragen – vom über 100 Jahre alten Gewicht für eine Waage über die Beiztrommel von 1930 bis zum Wagenheber aus dem Jahr 1890. An ein Exponat erinnert sich Karl Mitzel besonders gern. Der drei PS starke Elektromotor war eine wahre Allzweckmaschine. Zwar musste er das gut ein Zentner schwere Gerät auf einem Holzwagerl mit quietschenden Rädchen regelmäßig quer über den Hof zu seinem nächsten Einsatz zerren. Doch dafür hat er ihm auch eine Menge Arbeit abgenommen. Innovationen haben auch damals schon Einzug iin der Landwirtschaft gehalten. Auch das wollen die Brauchtumshüter der Buachhamer mit ihrer Ausstellung zeigen.

Museumsnachmittag für Groß und Klein

Der Verein für Kultur, Brauchtum und Heimatgeschichte d´ Buchhamer bietet wieder die Gelegenheit, sein Museum mit der Sammlung bäuerlicher Gerätschaften im Unterwirtshof in Puchheim-Ort zu besichtigen. Am Samstag, 23. September, ab 14 Uhr wird den Besuchern ein buntes Programm angeboten.

Neben der Besichtigung der historischen landwirtschaftlichen Geräte, Maschinen, Werkzeuge und vieler anderer Gegenstände aus längst vergangener Zeit wartet auf die Besucher im einzigen Museum Puchheims auch ein abwechslungsreiches Kuchenbuffet mit Kaffee, Südtiroler und Bayerischen Spezialitäten. Ganz besonders wird dieses Mal an die Kinder gedacht: Es gibt spezielle Führungen für den Nachwuchs durch das Museum, daneben können sie malen und um 15 Uhr an einer Traktorrundfahrt teilnehmen. Das Besondere: Jedes Kind, das mit einem Tretbulldog kommt, erhält ein Malbuch.

Das Museumsfest findet bei jedem Wetter statt, die Plätze sind überdacht. An diesem Nachmittag können die Besucher auch Karten für den Bayerischen Abend am Samstag, 14. Oktober, erwerben. Dabei tritt der der Mundartautor Dr. Hans Göttler zusammen mit dem „Haberer Zwoagsang“ auf. 

von Tobias Gehre 

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