Ein Prosit auf 65 gemeinsame Jahre: Theresia und Johann Sorg stoßen mit Bürgermeister Norbert Seidl (l.) auf ihre eiserne Hochzeit an.

Eiserne Hochzeit

Im Flüchtlingslager fanden sie zueinander

Puchheim - In der größten Not haben sie die Liebe gefunden: Johann und Theresia Sorg haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Flüchtlingslager in der Nähe von Linz kennengelernt – vor über 65 Jahren. Vor kurzem hat das Paar eiserne Hochzeit gefeiert.

Die Flucht vor den Russen hatte die beiden in das österreichische Flüchtlingslager geführt. „Vier Wochen sind wir damals mit dem Pferdegespann unterwegs gewesen“, erinnert sich Johann Sorg (86), der genau wie seine Frau einer Bauernfamilie entstammt. In dem Lager war jeden Sonntagnachmittag Tanz und dort sind sie einander aufgefallen. „Bei uns hat es auf Anhieb gepasst“, erzählt Theresia Sorg (84).

Mit 19 und 20 Jahren haben Theresia und Johann Sorg geheiratet.

1951 wurde dann geheiratet, an einem schneelosen 20. Januar. Theresia war damals 19, Johann noch keine 21 Jahre alt. „Wir mussten die Eltern um Erlaubnis fragen“, sagt Theresia und schmunzelt. Immer noch waren die beiden in Österreich, wo sie auch geblieben wären. Aber es kam anders.

Johann Sorgs Arbeit, er war Steinmetz, führte zuerst ihn, und drei Monate später seine Familie nach Puchheim. Fast 60 Jahre ist das jetzt her. Ein Münchner Unternehmen suchte damals in Österreich nach talentierten Steinmetzen. Johann Sorg bekam ein gutes Angebot und da fackelte der junge Familienvater nicht lange. „Die erste Zeit fanden wir keine Wohnung, mussten uns in der Werkstatt einrichten“, erinnert sich der 86-Jährige.

Doch 1960 fingen sie mit dem Bau eines Mehrfamilienhauses in Puchheim-Bahnhof an. Alles haben sie selbst gemacht mit Unterstützung ihrer Geschwister. Johann Sorg hat fünf, seine Frau zwei. Auch Freunde und Bekannte halfen mit. Sogar Hardy Sorg (60), das mittlere Kind des Paares, erinnert sich, mit vier, fünf Jahren mitangepackt zu haben. „Die kleine Schubkarre von damals hab ich heute noch bei mir zuhause rumstehen“, erzählt er.

Fleißig waren die Sorgs seit jeher. „Die Mutti hat immer gearbeitet“, sagt Edith Sorg (63) über ihre Mutter. Über 15 Jahre lang war Theresia Sorg im evangelischen Kindergarten beschäftigt, auch weil ihr Mann Johann im Kirchenvorstand saß. Zuvor stand sie neun Jahre lang im – mittlerweile abgerissenen – Puchheimer Ertl-Werk als Feinmechanikerin an der Maschine.

Die Kinder Edith, Hardy und Karin (48) sind keine Handwerker geworden. Alle drei haben sich für das Bankfach entschieden. „Einmalig sind sie, unsere Kinder“, sagt die 84-Jährige. Das Kompliment kommt postwendend zurück. Nicht nur von den drei Kindern, auch Hardys Frau weiß ein Lob auszusprechen: „Ich hab’ die besten Schwiegereltern der Welt. Immer waren Sie mir wie die eigenen Eltern.“

Die Familie Sorg ist groß. Über sechs Enkel und fünf Ur-Enkel kann sich das Ehepaar freuen. Früher sprangen die beiden oft als Babysitter ein und ermöglichten so ihren Kindern, sich beruflich etwas aufzubauen.

Der Zusammenhalt ist den Sorgs wichtig, nach wie vor. In 65 Ehejahren muss man eben zusammenhalten, sagen sie. Das Rezept für eine lange Ehe? Johann Sorg bringt es auf den Punkt: „Geliebt hamma uns, und wenn man sich liebt, dann kommt da nichts anderes hin“. „Bei den Zweien merkt man auch, dass nach so langer Zeit immer noch große Zuneigung da ist“, meint Tochter Edith. (jt)

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