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In die Radarfalle getappt: Otto Policzka am Lauscherwörth. Ein Spielstraßenschild weist darauf hin, dass die Straße verkehrsberuhigt ist. 

Vorm Emmeringer Bürgerhaus 

74-Jähriger wittert Blitzer-Abzocke

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Otto Policzka ärgert sich. Er wurde beim Emmeringer Bürgerhaus geblitzt. Doch auch andere Autofahrer hat es dort erwischt. Policzka wirft der Gemeinde nun ein abgekartetes Spiel vor.

Mit den Gedanken war Otto Policzka (74) wohl schon bei der abendlichen Veranstaltung im Bürgerhaus. Dann holte ihn ein greller Blitz wieder zurück in die Realität. „Was war das?“, fragte ihn seine Frau vom Beifahrersitz aus. Der Mittelstettener war in der Straße „Am Lauscherwörth“ von der kommunalen Verkehrsüberwachung geblitzt worden. Und wie sich herausstellte, war er nicht der Einzige.

Das Auto der Verkehrsüberwachung – ein VW Caddy – stand wenige Meter entfernt von den Bürgerhausparkplätzen in einer Nische, erzählt Policzka. Während immer mehr Besucher Richtung Parkplatz steuerten, blitzte es immer wieder einmal aus den Fenstern des Wagens. Die meisten seien, so berichtet Policzka, wie er etwa 30 Stundenkilometer gefahren. Der Lauscherwörth ist jedoch eine verkehrsberuhigte Straße. Hier gilt Schrittgeschwindigkeit.

Der Rentner wollte die Sache aber nicht auf sich beruhen lassen. „Ich bin zu dem Mann, der den Blitzer bediente, gegangen und habe ihm ein paar Fragen gestellt.“ Unter anderem wollte der 74-Jährige wissen, ob er gezielt für diese Veranstaltung eingesetzt wurde, um möglichst viele Autofahrer zur selben Zeit zu erwischen. Der Verdacht des Mittelstetteners erhärtete sich noch, als ihm der Kontrolleur erklärte, sein Dienst würde um 18 Uhr enden – genau zu Beginn der Veranstaltung. Mehr bekam Policzka aber an diesem Abend nicht heraus.

Emmerings Verwaltungschef Markus Pree sieht die Sache anders. „Wir geben der Verkehrsüberwachung ungefähr sechs bis sieben Stellen, wo sie sich aufstellen können. Die Zeiten bestimmen aber nicht wir.“ Und finanzieren will sich die Gemeinde schon gar nicht damit. „Wir machen so gut wie immer minus“, erklärt Pree. Die Kosten für die Blitzer-Aktionen würden die Einnahmen eigentlich immer übersteigen.

Nach Policzkas Meinung sind die Hinweise auf die Geschwindigkeitsbegrenzung am Lauscherwörth unzureichend. „Für Ortsfremde ist das Spielstraßenschild schwer zu erkennen.“ Außerdem sei nicht klar definiert, was unter Schrittgeschwindigkeit zu verstehen ist. Tatsächlich gibt es mehrere Gerichtsurteile zu dieser Frage. Diese besagen, dass die Geschwindigkeitsspanne zwischen vier und 15 Stundenkilometern liegt.

Amtsleiter Pree weiß, dass es schon häufiger zu einer Diskussion über das Spielstraßenschild gekommen ist – auch im Gemeinderat. Deshalb wurde es vor einigen Monaten versetzt, damit es besser zu sehen ist. „Man kann sich also nicht herausreden. Wer ein Auto fährt, muss sich auch an die Beschilderung halten.“

Die Gemeinde ist außerdem davon überzeugt, dass verkehrsberuhigter Bereich am Lauscherwörth nötig ist. „Der Vorschlag kam von den Anwohnern“, so Pree. Zudem liege direkt neben der Straße ein Seniorenwohnheim. Bevor die Spielstraße eingeführt wurde, seien des Öfteren Autofahrer mit 40 Stundenkilometer durch die enge Straße geheizt. Und diese Szenen wolle man nicht wieder haben. Deshalb blitze man auch weiterhin am Lauscherwörth.

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