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Auf der Pirsch: Jäger machten am Wochenende Jagd auf Hasen, um die sogenannte Hasenpest einzudämmen.

Bei Emmering

Auf der Pirsch: Jagd soll Hasenpest bremsen

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Die sogenannte Hasenpest im Landkreis ist noch nicht überwunden. Um den Vormarsch der Krankheit aufzuhalten, sind Jäger bei Emmering am Wochenende in einer konzertierten Aktion auf die Pirsch gegangen. Der Plan: Wird der Bestand dezimiert, lässt sich die Ausbreitung eindämmen.

Emmering – Aus menschlicher Perspektive könnte man sagen: Hasen haben gute Manieren. Treffen sich zwei Exemplare, folgt eine ausgiebige Begrüßung. Die Tiere stupsen sich mit den Nasen – ein Bussi unter Hasen. Doch diese gesellige Art kann den Hopplern momentan schnell zum Verhängnis werden. Denn die Hasenpest ist hochansteckend. Und je mehr Hasen in einem Gebiet leben, desto größer ist die Gefahr der Ausbreitung.

15 Hasen wurden erlegt

Deshalb hat der Pächter des Jagdreviers um Emmering jetzt zu einer auf den ersten Blick drastischen Maßnahme gegriffen. Mit rund 20 Kollegen und drei Hunden ging Hartwig Görtler im Rahmen einer Treibjagd auf die Pirsch. Insgesamt wurden dabei 15 Hasen erlegt. Eine Zahl, die den Waidmann nicht wirklich zufriedenstellt. „Es hätten mehr sein können“, sagt Hartwig Görtler. Insgesamt sollten rund 100 Exemplare geschossen werden.

Dafür hat der Jäger gute Gründe. Als er sein Revier vor zwölf Jahren übernahm, gab es in dem rund 860 Hektar großen Areal nur rund 100 Hasen. Jetzt sind es nach neuesten Erhebungen rund 600 Exemplare. Görtler führt das auf die vielen Naturschutzmaßnahmen zurück, die er in seinem Revier in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht hat.

Die Wirkung des Mähdreschers

So hat der 46-Jährige etwa viele Rückzugsmöglichkeiten in Form von sehr dichten Feldgehölzen geschaffen. Diese seien besonders nach dem sogenannten Ernte-Schock äußerst wichtig. Die Hasen reagieren nämlich sehr sensibel darauf, dass ihnen der Mähdrescher im Sommer ihren Lebensraum komplett auf den Kopf stellt. Außerdem bewirtschaftet Görtler gemeinsam mit einem Landwirt rund 15 Hektar Blühflächen sowie fünf Hektar Wildacker.

So hat sich sogar das bereits verschwundene Rebhuhn wieder angesiedelt. Und auch die Bestände von Fasan, Kiebitz oder Schnepfe seien wieder auf dem Vormarsch. „Es ist eine Investition in den Naturschutz“, sagt Görtler.

Und auch die vierstündige Treibjagd am Samstag sei zum Schutz der Tiere. Zwar reguliere die Natur sich auch selbst. „Aber mit gnadenloser Härte.“ Die Hasenpest bedeute für erkrankte Tiere viel Leid. Tage könne es dauern, bis die Hasen qualvoll verenden. Zudem sei das Revier eben keine Wildnis mehr. Auch Hunde und Menschen könnten sich anstecken.

Treibjagd als vorbeugende Maßnahme

Zweibeiner könnten zwar mit Antibiotika gut behandelt werden. Die Symptome seien aber höchst unangenehm. Niemand wolle das erleben.

Im Revier von Hartwig Görtler hat es bisher keinen bestätigten Fall der Hasenpest gegeben. Insgesamt wurden dem Veterinäramt im Landratsamt seit Oktober acht Fälle gemeldet – vor allem bei Olching und Puchheim. Die Treibjagd in seinem hasenreichen Revier betrachtet der Jäger daher als vorbeugende Maßnahme.

Auch Veterinäramts-Leiter Hans-Werner Merk sieht die Jagd als geeignetes Mittel zum Schutz der Population an. „Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung ist bei einer größeren Population wahrscheinlicher.“

Thema auch für Hundebesitzer

Angekommen ist das Thema Hasenpest auch bei den Hundebesitzern, hat Michael Pöllmann von der Kreisjägerschaft bemerkt. In Orten, aus denen es Meldungen von Hasenpest gab, würden viele Vierbeiner artig an der Leine laufen. Pöllmann spricht aber auch von einer Art Hunde-Freilauf-Tourismus in offiziell noch nicht betroffenen Gegenden. Der Jagd-Sprecher bezeichnete dies als „besonders naiv“.

Um die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Ausbreitung zu reduzieren, wollen Hartwig Görtler und seine Kollegen bald nochmal auf die Pirsch gehen. Der Jäger hofft dann auf besseres Wetter als am Wochenende. Denn nicht nur das Bussi zur Begrüßung haben die Hasen mit den Menschen gemein. Auch sie zieht es eher bei Sonnenschein nach draußen.

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