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Noch ist sie die einzige Frau im Emmeringer Dartclub: Madeleine Abt ist aber mit Leidenschaft dabei.

Weltmeisterschaft in London, Training in Emmering

Darts – der Boom ist auch Frauensache

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Fallon Sherrock kennt seit Dienstag die ganze Welt. Die Engländerin war diejenige, die vor einem Millionenpublikum an den TV-Geräten als erste Frau bei einer Darts-WM einen Mann besiegte. Madeleine Abt kennt noch nicht mal ganz Emmering. Dabei hat die 25-Jährige mit dem neuen Weltstar nicht nur das Alter gemeinsam. Sie ist die einzige Frau, die im Dart-Club Emmering für Liga-Punkte sorgt. Ein Besuch beim Training im Alten Wirt.

Emmering – Vor zwei Jahren war es Dominik Manz (27) irgendwann mal zu umständlich, jede Woche nach München in einen Irish Pub zu fahren, um seinem neuen Hobby zu frönen. Der Ex-Fußballer aus Bruck, der sich beim Kick das Knie lädiert hatte, hat Darts entdeckt. Nicht die Kneipengaudi, die an elektronischen Geräten gespielt wird. Sondern das klassische Steel-Dart, wo mit Pfeilen auf exakt 3,27 Meter entfernte Holzscheiben gezielt wird. Weil Manz und seine Spezln Stammgäste bei Goran Jokic im Alten Wirt waren und dort im ersten Stock ein ganzer Saal zur Verfügung steht, wurden Nägel – in diesem Fall Spicker – mit Köpfen gemacht. Mittlerweile führt der am 2. März 2018 offiziell gegründete Dart-Club die Tabelle in der Bezirksoberliga – der vierthöchsten von sechs bundesweit organisierten Spielklassen – an.

Gründungsvater und Vereins-Chef: Dominik Manz (l.) und Stephan Trautner.

Fünf Aktive umfasst eine Mannschaft, die während der Saison, die im Herbst beginnt und im Frühjahr endet, für Auswärtsspiele bis nach Mittenwald und Rosenheim fahren muss. 19 Aktive zählt der Verein mittlerweile – Tendenz steigend. Das liegt auch daran, dass die jährlich um Weihnachten ausgetragene Darts-WM, die gerade in London vor tausenden irgendwie verrückt-liebevollen Fans läuft und noch bis Anfang Januar dauert, einen wahren Boom auslöst. Millionen fiebern in aller Welt vor den TV-Geräten mit, wie die Stars der Szene auf schier unglaubliche Weise die Pfeile ins anvisierte Ziel bringen. Sport1 bescheren die täglichen Live-Übertragungen Traumquoten von bis zu 600 000 Zuschauern.

Darts ist Mentalsport – ähnlich wie Schach. Und ähnlich wie beim Golf bedarf es einer lockeren Körperhaltung. Beides kann geübt werden. Die Emmeringer tun das jeden Mittwoch im Alten Wirt, wo Jokic den Verein im ersten Stock untergebracht hat. Dort wurde früher Theater gespielt. Nun wird gespickert, was das Zeug hält. Vier Anlagen werden dazu immer auf- und nach Trainingsende wieder abgebaut. Jokic ist begeistert von seiner neuen Kundschaft: „Alles nette Leute.“ Altersgrenzen gibt es keine. Was für Manz das eigentlich Faszinierende ist. Da kann es schon mal vorkommen, dass ein zwölfjähriger Bub im Duell auf die Scheiben gegen einen 60-jährigen Oldie antritt. Oder eben eine Frau gegen einen Mann. Wobei in Emmering die weibliche Szene noch äußerst überschaubar ist. Madeleine Abt ist die einzige Frau. Die 25-jährige Grundschullehrerin aus Sendling (Fachgebiet Sport und Musik) ist vor einem Jahr durch ihren Freund zum Darts gekommen: Stephan Trautner, dessen Vater und Opa Legenden in der Emmeringer Blasmusik-Szene sind, hat mittlerweile die Leitung des Klubs von Manz übernommen, „weil ich keine Ahnung von Vereinsführung habe“, wie der Gründungsvater gesteht. 80 Euro beträgt der Jahresbeitrag für ein aktiv im Ligabetrieb spielendes Mitglied. Wer nur zum Training kommt, zahlt 50 Euro. Grundvoraussetzung, so Trautner: „Gaudi mitbringen und sich nicht verbissen reinsteigern. Denn dann trifft man gar nichts.“

Madeleine Abt spielt in der zweiten Mannschaft, die in der Bezirksliga momentan den vorletzten Tabellenplatz ziert. Im vereinsinternen Vergleich mit der männlichen Konkurrenz sieht sie sich im „guten Mittelfeld“. Warum so wenig Frauen Darts spielen? „Weil viele es mit Kneipe und Trinken verbinden – und das ist Männersache“, vermutet Abt. Dabei erfordert Darts in Reinkultur genau das Gegenteil: Ein helles Köpfchen ohne Alkoholtrübung. Denn das Regelwerk (s. Kasten) macht Mathe-Kenntnisse unumgänglich. Für Manz kommt noch ein Faktor dazu: „Der Teamgeist ist bei uns noch krasser ausgeprägt als beim Fußball.“ Und weil ein Liga-Spiel drei bis fünf Stunden dauert, gehören Fitness und Standfestigkeit dazu.

Im Alten Wirt wäre es für Madeleine Abt „ganz nett, wenn noch ein paar Mädels mehr da wären“. Aber: „Ich komme auch so klar.“

Gespielt wird im Alten Wirt jeden Mittwoch ab 19 Uhr. Kontakt-Mail an dcemmering@web.de.

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