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Am Bahndamm aus der Hitlerzeit fallen Bäume, Sträucher werden zurückgeschnitten.

Emmering/Eichenau

Darum werden hier Bäume gefällt

Wer von Eichenau nach Emmering fährt, kann es nicht übersehen: Entlang des stillgelegten Bahndamms aus der Hitler-Zeit werden großflächig Bäume gefällt. Warum war zunächst ein Rätsel. Erst die hartnäckige Recherche einer Tagblatt-Reporterin brachte die Wahrheit ans Licht – und die hat mehrere Facetten.

Gröbenzell/Olching/Emmering – Zwischen Olching und Emmering aber auch zwischen Gröbenzell und Olching sind Harvester und Holzarbeiter aktiv. Entlang des stillgelegten Bahndamms fallen Bäume, auch Sträucher werden entfernt. Ein absoluter Schock waren die Arbeiten zunächst für Andreas Müller. Er wohnt seit 50 Jahren nahe des Bahndamms in Gröbenzell.

Müller hat erlebt, wie sich in dieser Zeit ein einstmals kahler, leerer und stillgelegter Bahndamm zu einem blühenden Biotop entwickelt hat. „Dies wird nun platt gemacht“, dachte er sich. Sträucher und Büsche, der Lebensraum vieler Lebewesen, werde komplett niedergemäht. Er hat sich deshalb in der Sache ans Tagblatt gewendet.

Auch die Gröbenzellerinnen Chandani Barbara Sittl und Ariane Zuber, Vorsitzende des örtlichen Bund Naturschutz, waren entsetzt. Sie fragten sich genauso wie Olchings Grünen-Stadträtin Ingrid Jaschke, was der Grund für die Aktion sei. „Verkehrssicherungspflicht kommt hier wohl nicht in Frage“, so Jaschke. Eine Gefährdung des Zugverkehrs durch herabfallende Äste, wie zum Beispiel nach dem Orkantief Sabine, sei an diesem Bahndamm nicht möglich. Schließlich verkehrten darauf keine Züge – es gebe ja nicht einmal Gleise.

Das sagt die Untere Naturschutzbehörde

Auch die Bahn selbst stand bei Tagblatt-Nachfrage zunächst einmal vor einem Rätsel. „Der DB-Fachdienst hat hier keinen Grünschnitt vorgenommen, geschweige denn Rodungen“, hieß es. Ganz offenbar ein Irrtum.

Licht ins Dunkle brachte erst Petra Heber von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Fürstenfeldbruck. Und die sagt: Klar ist die Bahn hier aktiv geworden. Und zwar, um die Ausgleichsfläche für den Um- und barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Buchenau in Fürstenfeldbruck zu schaffen. Sprich: Wo die Bahn dort versiegelt, muss sie laut Planfeststellungsverfahren an anderer Stelle ökologisch wertvollen Ersatz schaffen.

Dafür seien am stillgelegten Bahndamm aber lediglich Bäume gefällt worden, deren Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war. Es handelte sich um Eschen, die vom Eschensterben betroffen sind. Die Bäume werden im Sommer immer wieder von Pilzsporen befallen, die dann in die Triebe vordringen. Der alte Bahndamm sei von dieser Baumkrankheit befallen.

Eichen, Ahorn-Bäume oder Hainbuchen konnten stehen bleiben. Zwar wurden laut Petra Heber von der Naturschutzbehörde auch Sträucher zurückgeschnitten, doch diese würden wieder austreiben.

Auch im Bereich Emmering waren Arbeiter am alten Bahndamm tätig. Hier mussten ebenfalls vom Eschensterben befallene Stämme gefällt werden. Dies aber aus Sicherheitsgründen, wie Heber erläutert. Die kranken Bäume drohten auf einen Radweg und eine Straße zu fallen.

Ariana Zuber vom Bund Naturschutz übt trotzdem Kritik: Sie hätte sich gewünscht, dass die Bevölkerung rechtzeitig vorher über so eine Maßnahme wie diese Rodung – und deren Grund – informiert werde.


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