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Der gesundheitlich schwer angeschlagene Jörg Probst lässt sich von BRK-Mitarbeiterin Kathrin Vegvari Essen auf Rädern ins Haus bringen.

Gesundheitliche Situation noch schlechter

Ehepaar kämpft weiter um Pflegegeld

Ein Emmeringer Ehepaar kämpft seit Monaten um Pflegegeld (wir berichteten). Jetzt ist die Situation noch dramatischer geworden.

Emmering– Zwei Mal wurde der Antrag von Erika Probst auf Einstufung in die damalige Pflegestufe 1 schon abgelehnt. „Dabei braucht meine Frau den ganzen Tag meine Betreuung – aber mir geht es selbst nicht gut“, sagt ihr Mann Jörg Probst. Seit Ende 2016 hat sich die Situation verschlechtert: Jörg Probst (78) wurde an der Bandscheibe operiert. Seit der OP ist ihm oft schwindelig, seine Sehkraft hat nachgelassen, seine Motorik ist eingeschränkt. Weil er den ganzen Tag, oft auch nachts, seiner fast blinden Frau zur Hand geht, sie beim Gehen stützt und ihr mit vielen täglichen Handreichungen hilft, kommt er schnell an seine körperlichen Grenzen.

Als er zur OP in die Klinik musste, musste er seine Frau mehr oder weniger hilflos daheim zurücklassen. „Ich bin schon nach drei Tagen auf eigenen Wunsch entlassen worden, weil ich darauf drängte; ich kann sie doch nicht sich selbst überlassen.“ Zwar habe ihm seine Krankenkasse eine Hilfe für die Ehefrau bewilligt: „Aber keine Pflegekraft hatte Zeit, zu uns zu kommen.“ Zudem musste er sich wegen Atemproblemen in einer anderen Klinik behandeln lassen. Auch diese verließ er nach wenigen Tagen, obwohl man ihn drei Wochen dort behalten wollte.

Auch Jörg Probst will nun beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) Pflegegeld beantragen. Doch nach den bisherigen negativen Erfahrungen mit dem MDK glaubt er, nicht genug Punkte für eine Pflegestufe zu erhalten. Zu allem Überfluss erlitt seine 83-jährige Ehefrau Ende März einen Schlaganfall. Nach dem einwöchigen Klinikaufenthalt kam sie zur Reha nach Bischofswiesen. „Schon nach einem Tag dort stürzte sie. Als ich sie besuchen wollte, lag sie auf der Intensivstation in Bad Reichenhall“, erzählt der Rentner.

Nachdem ihr zweiter Antrag auf Pflegestufe abgelehnt worden war, suchte der Senior rechtlichen Beistand. Der Anwalt hatte aufgrund der Atteste von Augenarzt, Radiologe und Hausarzt ein Gutachten anfertigen lassen – danach kommt Erika Probst auf 75 Pflegepunkte und müsste eine Pflegestufe erhalten. „Aber auch vor dem Sozialgericht ist mein Widerspruch gescheitert“, sagt Jörg Probst.

Immerhin: Zwischenzeitlich wurden seitens der Krankenkasse Zuschüsse gewährt, um das Wohnumfeld der Familie behindertengerechter zu gestalten: Sie bekamen einen Toilettensitz, eine Absenkung für die Badewanne und ein Pflegebett bewilligt. Probst hofft, dass seine Frau gut erholt aus der Reha zurückkehrt. Dann will das Paar auch einen erneuten Versuch hinsichtlich der Pflegestufe für Erika Probst starten. (akk)

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