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Der besondere Verein: Beerpong-Club setzt auf Wasser statt Bier

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Von: Peter Loder

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Europameister in Las Vegas 2018 : Michael Saller (l.) und Alexander Schmid.
Europameister in Las Vegas 2018 : Michael Saller (l.) und Alexander Schmid. © mm

Es wird kräftig gebechert beim Beerpong. Seit vor zehn Jahren die Trinkspielwelle aus den USA nach Emmering schwappte, kämpfen die Mitglieder des Beerpong-Clubs nicht nur mit gegnerischen Teams, sondern auch um ihren guten Ruf. Denn lange Zeit war Beerpong als reiner Partyspaß verpönt.

Emmering – Beim Beerpong ging es auch in Emmering zuerst um ein Warm-up vor dem Start ins Nachtleben. Doch dann wurde 2014 der Verein gegründet – und man unterwarf sich den strengen Regeln des mittlerweile weltumspannenden Beerpong-Verbandes. Spätestens seit der Ort vier Europameister stellt, wird in Emmering Beerpong (Beer = englisch für Bier und Pong von Ping-Pong/Tischtennis) als ernsthafte Sportart betrieben. „Es hat auch nichts mehr mit Bier zu tun: Wir benutzen Wasser bei unseren Pflichtspielen“, erklären Alexander Weiß und David Homm, Präsident und Schriftführer des 1. BPC Emmering. Das e.V. hinter dem Vereinsnamen fehlt noch. Doch an den Voraussetzungen zur Gemeinnützigkeit eines eingetragenen Vereins werde gearbeitet.

Beim Beerpong stehen sich zwei Teams mit jeweils zwei Spielern gegenüber. Ziel ist es, mit einem Tischtennisball die zehn auf einem Tisch stehenden, in Dreiecks-Formation angeordneten Becher des Gegners mit möglichst wenigen Würfen zu eliminieren, indem man mit dem Ball direkt in das Getränk trifft.

Jede Mannschaft tritt mit acht Spielern an. Deutschlandweit gibt es rund 70 Vereine, die – mit Beteiligung von Clubs aus Österreich, der Schweiz und Luxemburg – in acht Spielklassen um Auf- und Abstieg kämpfen.

Die Emmeringer Vereinsmitglieder feierten schon große Erfolge. Kevin Keenan und Christoph Vogel wurden 2015 Europameister. Und dann WM-Siebte in Las Vegas. Dort galten die zwei Oberbayern als Exoten. Bis zu 200 Dollar wurden ihnen für das Vereinstrikot mit der Aufschrift „German Beerpong“ geboten.

Während des Lockdowns spielten Alexander Weiß (r.) und Christoph Vogel (im Monitor) Beerpong auf Distanz. Mit der Siegesprämie von 200 Euro aus dem Online-Turnier unterstützt der Club den Alten Wirt.
Während des Lockdowns spielten Alexander Weiß (r.) und Christoph Vogel (im Monitor) Beerpong auf Distanz. Mit der Siegesprämie von 200 Euro aus dem Online-Turnier unterstützt der Club den Alten Wirt. © mm

Michael Saller und Alexander Schmid holten 2018 den EM-Titel. Spätestens das löste in ihrer Heimat einen Beerpong-Boom aus. Dank der vier Helden ist Emmering Deutschlands Beerpong-Metropole mit der größten Meister-Dichte.

35 Mitglieder zwischen 18 und 40 Jahre zählt der Beerpong-Club. Trainiert wird im ersten Stock des Alten Wirts, wo auch die befreundeten Dartspieler untergebracht sind. Beide Sportarten verbinden Zielgenauigkeit, Nervenstärke sowie Auge-Hand-Koordination.

Der BPC Emmering ist seit 2020 in der eingleisigen 1. Bundesliga am Start und steigerte sich seitdem. Aktuell belegt das Team in der aus zehn Mannschaften bestehenden höchsten deutschen Spielklasse den vierten Tabellenplatz.

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Coronabedingt und wegen der weiten Auswärtsfahrten – die nächstgelegenen, aber in niedrigeren Ligen vertretenen Vereine in Bayern sind Landshut und Dießen – werden die Partien online ausgetragen. Emmerings Gegner kommen aus Dortmund, Wetzlar, Innsbruck, Kißlegg, Karlsruhe und Köln. Die zweite Mannschaft aus der Ampergemeinde tritt in der zweigeteilten 3. Bundesliga gegen Konkurrenten aus Dresden, Luxemburg, Mönchengladbach, Gießen, Aargau und Hamburg an. Darunter gibt es noch eine in vier Gruppen aufgeteilte 4. Liga.

Am 5. November richtet der 1. BPC Emmering in der Marthabräuhalle die bayerische Meisterschaft aus – wenn nicht das Brucker Rathaus dazwischenfunkt, wie vor drei Jahren, als einem Innenstadt-Gastronom ein schon organisiertes Turnier kurzerhand verboten wurde. Damalige Begründung des Ordnungsamtes: Beerpong verharmlose Alkohol und fördere das Trinken. Was nüchtern betrachtet von Emmerings Becher-Elite verwässert wird.

Die Serie

stellt Vereine (auch Organisationen und lose Gruppen) vor, die ein Alleinstellungsmerkmal in ihrem Ort oder im Landkreis haben. Auch interessant: Der besondere Verein: Dieses Kartell ist legal und sozial

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