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„Zirkus wie in der Bundesliga“: Nachbar klagt gegen Partylärm auf Sportplatz

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Von: Peter Loder

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Die erste Qualifikationsrunde der Champions League steht bevor
Konfliktort Fußballplatz. Über die Laustärke auf der Emmeringer Sportanlage gibt es seit Jahren einen Streit. (Symbolbild) © via IMAGO

Seit fast 100 Jahren wird auf dem Sportplatz neben der Amper Fußball gespielt. Außer sportlicher Brisanz gab es dort bislang keine großen Aufreger. Das hat sich jetzt geändert.

Emmering – Den Sportplatz trennt nur der an dieser Stelle knapp zehn Meter breite Fluss von den Wohnhäusern der Ortsmitte. Ein Ur-Emmeringer und einst leidenschaftlicher FCE-Anhänger fühlt sich deshalb seit nunmehr acht Jahren in seiner Ruhe gestört. „Die Sportanlage ist zu einer Eventzone mutiert. „Es werden bis tief in die Nacht Partys gefeiert“, sagt Hans Högg.

Sportplatz-Ärger: Nachbar fühlt sich gestört - „Bis tief in die Nacht Partys gefeiert“

Vor, während und nach Spielen dröhne für nur eine Handvoll Zuschauer sinnlose Musik aus den Lautsprechern. „Und es gibt immer mehr Spiele mit entsprechender Geräuschkulisse“, erklärt Högg. Der 60-Jährige lebt seit seiner Geburt gleich gegenüber dem Stadion am anderen Amperufer. Jetzt zieht er vors Verwaltungsgericht.

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Die Klage richtet sich allerdings nicht gegen den FC Emmering. Vielmehr hat Högg zunächst das Landratsamt im Visier. Los ging der Ärger im September 2021. Damals musste sich das Landratsamt erstmals mit Beschwerden über nächtliche Partys im Vereinsheim beschäftigen.

Ich bin kein Zuagroaster, der sich über Kirchenglocken oder Odelgestank beschwert, sondern ein Einheimischer, der weiß, dass dieser Lärmpegel nicht normal ist mitten in einer Ortschaft.

Hans Högg, Emmering
Hans Högg ärgert sich über einen „Bundesliga-reifen Zirkus“, den Kreisklasse-Kicker immer öfter veranstalten, und über Partys im Vereinsheim. Ich bin kein Zuagroaster, der sich über Kirchenglocken oder Odelgestank beschwert, sondern ein Einheimischer, der weiß, dass dieser Lärmpegel nicht normal ist mitten in einer Ortschaft.
Hans Högg ärgert sich über einen „Bundesliga-reifen Zirkus“, den Kreisklasse-Kicker immer öfter veranstalten, und über Partys im Vereinsheim. Ich bin kein Zuagroaster, der sich über Kirchenglocken oder Odelgestank beschwert, sondern ein Einheimischer, der weiß, dass dieser Lärmpegel nicht normal ist mitten in einer Ortschaft. © Peter Weber

Högg, dessen Familie zeitweise maßgeblich den Emmeringer Fußball geprägt und mitgestaltet hat, erklärte gegenüber dem Tagblatt, dass er „natürlich nicht“ den Emmeringer Fußball vernichten oder gar den Sport verbieten lassen wolle. „Wir möchten nur, dass alles wieder in einem erträglichen Rahmen abläuft.“ Etliche Nachbarn entlang der Hauptstraße würden ihn bei seiner Beschwerde unterstützen.

„Wir reden hier von einem Verein, der vor allerhöchstens 50 Zuschauern in der Kreisklasse kickt und einen Zirkus wie in der Bundesliga veranstaltet“, sagt Högg, der im Ort bestens vernetzt ist. Der „dazu offenbar nötige Lärmpegel“ sei für die Anlieger unzumutbar geworden.

Unzumutbarer Lärm auf dem Sportplatz: „Zirkus wie in der Bundesliga“

Was, so vermutet Högg, auch an den in den vergangenen Jahren erfolgten baulichen Veränderungen am Vereinsheim liege. So sei die Pergola zu einem festen Bestandteil des Gebäudes erweitert und erst nachträglich genehmigt worden. Ein Grund dafür, dass sich die Klage bislang nur gegen den Freistaat Bayern und dem ihm unterstellten Landratsamt richtet.

Eine privatrechtliche Auseinandersetzung mit dem Sportverein will Högg nicht ausschließen. Auch stört den Beschwerdeführer, dass Spieler und ihr Gefolge lange nach Abpfiff und Sperrstunde „ungeahndet bis tief in die Nacht grölen und Musik in voller Lautstärke spielen dürfen“. Entstanden sei die Situation, seit der Verein das Stüberl nicht mehr selbst betreibe, sondern an professionelle Gastronomen verpachte. „Die haben natürlich ein Interesse, dass die Gäste möglichst lange bleiben und Umsatz machen.“

Der Vereinsführung wirft Högg vor, seit acht Jahren nicht auf seine Beschwerden zu reagieren. Tatsächlich seien etliche Gesprächsrunden ergebnislos verlaufen, bestätigt Bürgermeister Stefan Floerecke (CSU). „Sehr verwundert“ war auch er, dass jüngst eine Ortsbegehung mit Klägern, Landratsamt und Bürgermeister ohne Vereinsbeteiligung stattgefunden hat.

Begründet wird das vom Landratsamt mit dem kurz zuvor vollzogenen Vorstandswechsel. Der vor vier Wochen neu gewählte Präsident Manfred Schunn will sich mit Hinweis auf ein laufendes Verfahren nicht zur der Angelegenheit äußern. Laut Floerecke hätte auch der in den letzten Jahren immens vermehrte Spielbetrieb zur erneuten Beschwerde geführt.

Partylärm vom Sportplatz: Anwohner zieht vor Gericht

Unverständlich für Högg, weil ja gerade deshalb die neuen Fußballfelder beim Bürgerhaus geschaffen worden seien. Für den Bürgermeister steht bei allem Verständnis für Klagen und Beschwerden aber fest: „Das auf Erbpachtrecht von der Gemeinde an den Verein abgetretene Sportgelände ist im Bebauungsplan genau dafür ausgelegt. Eine Einschränkung des Spielbetriebs ist deshalb nicht verhandelbar.“ Doch Floerecke gesteht auch: „Wir als Gemeinde sind in die Angelegenheit nur bedingt eingeschaltet.“ Maßgebliche Behörde sei das Landratsamt.

Dort prüfen mittlerweile Bauamt, Gewerbeamt und die Immissionsschutzbehörde mögliche Maßnahmen. Darauf will sich Hans Högg aber nach acht Jahren vergeblicher Beschwerden nicht mehr verlassen.

„Wir haben Klage eingereicht“, bestätigt er und weiß, auf was er sich damit einlässt: „Aber ich bin kein Zuagroaster, der sich über Kirchenglocken oder Odelgestank beschwert, sondern ein Einheimischer, der weiß, dass diese Geräusche mit einem solchen Lärmpegel nicht normal mitten in einer Ortschaft sind.“

Gleichzeitig betont der Anwohner weiterhin seine Gesprächsbereitschaft: „Ich bin mit dem Fußball in Emmering groß geworden. Und ich will, dass hier auch weiterhin Fußball gespielt wird. Aber bitte mit Rücksicht, Anstand und in aller Ruhe“, resümiert Hans Högg.

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