So kennt man ihn: Alfred Lehner zapfte jahrzehntelang das Bier im Emmeringer Bürgerhaus und machte es zum beliebten Treffpunkt.
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So kennt man ihn: Alfred Lehner zapfte jahrzehntelang das Bier im Emmeringer Bürgerhaus und machte es zum beliebten Treffpunkt.

Emmering

Drei Jahrzehnte prägte er das Bürgerhaus - jetzt übergibt er an neue Pächter

  • vonDieter Metzler
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Über 32 Jahre lang war Alfred Lehner der Wirt des Emmeringer Bürgerhauses. Nun hat er sich aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen. „Es war eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte“, sagt „Fredl“, wie ihn seine Freunde und Stammgäste nennen. Einen Nachfolger gibt es auch schon.

Emmering – Das erste Mal hinter dem Tresen im Bürgerhaus stand Lehner im Oktober 1988. Das Restaurant war gerade erst eröffnet worden, und er war 28 Jahre alt. Damals hätte Lehner nie geglaubt, dass die „Ehe“ mit dem Bürgerhaus von einer solchen Dauer sein würde.

Anfangs noch zusammen mit seinem Spezl Andreas Hoffmann, führte Lehner, der aus Niederbayern kommt, das Wirtshaus nicht nur erfolgreich, sondern auch zur vollsten Zufriedenheit der Gemeinde. Mit Alfons Ostermeier, Michael Schanderl und Stefan Floerecke erlebte Lehner gleich drei Bürgermeister als Verpächter.

Bürgerhaus Emmering: Man könnte ein Buch schreiben

Es versteht sich von selbst, dass es bei so einer langen Gasthaus-Ära viel zu erzählen gibt. „Ich könnte ein Buch schreiben“, sagt Lehner und lacht. „Die Gastronomie war mein Leben. Ich glaube nicht, dass mir je etwas Anderes beruflich mehr Spaß gemacht hätte.“

Lehner sorgte sich nicht nur stets um das leibliche Wohl seiner Gäste, sondern auch um deren Gemütszustand. Er nahm regen Anteil am geselligen Leben im Wirtshaus. „Ich habe stets ein Ohr für meine Gäste“, erzählt er. Vor allem an den Stammtischen – wie beispielsweise dem Musikanten-Stammtisch – war er als illustrer Gesprächspartner gern gesehen. Besonders schätzten seine Gäste auch, dass er verschwiegen war wie ein Grab, wenn es darauf ankam.

Bürgerhaus Emmering: Viele Großveranstaltungen

Zu den Höhepunkten im Laufe des Jahres zählten stets die Großveranstaltungen wie Faschingsbälle, Aufführungen der Theatergruppe sowie viele private Feiern. „Stell dir vor, es läuft eine Hochzeitsfeier und plötzlich fällt der Strom aus“, erinnert sich Lehner an einen Vorfall, der weniger lustig war. „Da heißt es, Ruhe bewahren, um zu retten, was zu retten ist.“

Gern erinnert sich Lehner an einen Politiker-Besuch in seinem Biergarten. „Da tauchten zunächst Sicherheitsleute auf, checkten alles ab und dann kam der damalige Finanzminister Theo Waigel und verbrachte einen gemütlichen Nachmittag in meinem Biergarten“, erzählt der Vollblut-Gastronom.

Bürgerhaus Emmering: So gut wie nie Urlaub

Mit dem Gedanken, kürzerzutreten, habe er sich das erste Mal vor zwei, drei Jahren beschäftigt. Damals bekam er gesundheitliche Probleme. „Und das stressige Gastwirtleben war nicht unbedingt förderlich für meine angeschlagene Gesundheit“, sagt Lehner. Heutzutage sei es nicht damit getan, nur Bier zu zapfen. Im Laufe der Jahre sei immer mehr Bürokratie dazu gekommen. „Das ist nicht so meine Welt“, so Lehner. Also entschied er sich, aufzuhören – obwohl sein Pachtvertrag mit der Gemeinde eigentlich noch zwei Jahre laufen würde. „Und jetzt bin ich noch in einem Alter, wo ich auch noch etwas unternehmen kann. Als Wirt habe ich so gut wie nie Urlaub gehabt.“

Anfang Januar zog sich Lehner zurück. Sein Chefkoch, Trong Binh Do, ist seitdem der Wirt des Bürgerhauses. „Ich freue mich, dass die Gemeinde meinem Vorschlag, Do eine Chance zu geben, gefolgt ist“, sagt Lehner. Er werde seinem jahrelangen Partner in der Küche noch einige Zeit begleiten, denn so ganz loslassen kann er wohl doch nicht. „Ich werde da einspringen, wo Not am Mann ist.“

Dass er nunmehr in der zweiten Reihe steht, damit hat Lehner kein Problem. Im Gegenteil: „Ich verspüre eine kleine Befreiung, jetzt nicht mehr so in der Verantwortung zu stehen“, sagt der ehemalige Wirt. „Es wäre schön, wenn die Stammgäste meinem Nachfolger weiterhin die Treue halten“, wünscht er sich. Und dass das Bürgerhaus mit seinem großen Biergarten weiterhin eine beliebte Anlaufstelle in Emmering bleibt.

Bürgerhaus Emmering: Der neue Pächter – ein bekanntes Gesicht 

1988, also im gleichen Jahr als Alfred Lehner der Wirt des Bürgerhauses wurde, kam Trong Binh Do aus Vietnam in die DDR. Er war einer der 60 000 Vertragsarbeiter, die die DDR holte. Und wie 16 000 seiner Landsleute blieb er nach der Wende. Do arbeitete als Bedienung in Asia-Lokalen, teilweise auch als Koch.

Trong Binh Do (r.) führt nun das Bürgerhaus. Administrativ unterstützt wird er dabei von seinem Sohn Philipp. 

Als Do mit seiner Familie nach Fürstenfeldbruck zog, fand er im Bürgerhaus einen Job. Daraus sind inzwischen 23 Jahre geworden, die allerdings von einer sechsjährigen Pause unterbrochen wurden. Do führte damals als eigenständiger Wirt das Gasthaus Sedlmayr in Gernlinden. 2011 kehrte der Vietnamese, der 2005 den deutschen Pass erhielt, wieder zurück ins Emmeringer Bürgerhaus und übernahm den Job als Küchenchef. Nachdem Lehner seinen Rückzug ankündigte, schlug er der Gemeinde seinen Küchenchef als Nachfolger vor. Trotz des Lockdowns gefiel Do der Gedanke, als alleiniger Pächter die Gaststätte des Bürgerhauses zu übernehmen. Anfang des Jahres unterschrieb er bei Bürgermeister Stefan Floerecke (CSU) einen zunächst auf 18 Monate befristeten Vertrag.

„Das Bürgerhaus ist quasi ein Selbstläufer“, meint Philipp Do, der 29-jährige Sohn des neuen Pächters. Er wird seinen Vater bei der Büroarbeit unterstützen. Hauptberuflich arbeitet Philipp Do als Produktmanager bei Knorr-Bremse. Ins operative Geschäft wird er sich nicht einmischen.

Auf der Speisekarte des Bürgerhauses werden weiterhin gutbürgerliche Gerichte stehen. Auch die Personalstärke wird gleich bleiben. Eventuell möchte Trong Binh Do einen Mittagstisch und nachmittags Kaffee und Kuchen anbieten. „Ich freue mich darauf, wenn hoffentlich bald wieder alles normal läuft und ich meine Gäste im Lokal begrüßen kann“, sagt er. dm

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