Lebenslänglich wegen Polizistenmords für Reichsbürger

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„Mir tun die Menschen leid, die das jeden Tag fressen müssen“, sagt Albert Schock. Der 81-Jährige lebt in der Senivita-Senioreneinrichtung in Emmering.

Jetzt spricht ein Senivita-Bewohner 

„Mir tun die Menschen leid“

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Angehörige, Bewohner und Mitarbeiter sind weiter sauer auf Senivita. Hauptkritikpunkt ist das aus ihrer Sicht schlechte Essen des neuen Caterers. Doch wie schlimm ist es wirklich? Zu Besuch im Emmeringer Altenheim.

Emmering – Albert Schock hat Hunger. Es ist ein später Nachmittag. Der 81-Jährige lebt im Senivita-Seniorenheim in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Seine private Pflegerin hat heute keine Zeit, um ihm Abendessen vorbeizubringen. Also ruft Schock bei einer Brucker Pizzeria an. Einmal Spaghetti mit Gorgonzola-Soße, bitteschön! Die Stimme aus dem Hörer sagt: Das kostet Sechsfünfzig. Wir liefern aber erst ab acht Euro. „Dann zahle ich halt acht“, sagt Schock. Was soll er auch tun? Der Magen knurrt.

Schock wohnt seit drei Jahren im betreuten Wohnbereich von Senivita. Für seine 65-Quadratmeter-Wohnung zahlt er 1300 Euro im Monat. Seit einiger Zeit verweigert er das Essen, das ein Caterer liefert, den das Pflegeunternehmen beauftragt hat. Die Qualität schwankt ihm zu stark. Einmal sei es „wunderbar“, das andere mal kalt. Letztens standen Nudeln mit Tomatensoße auf dem Speiseplan. Tatsächlich hatte Schock einen Teller voller Nudeln vor sich. Die Soße aber fehlte. Das Geschirr spült er immer noch einmal nach. „Da hängen teilweise noch Brösel dran.“

Er kann es sich leisten, auf das Angebot der Einrichtung zu verzichten. Er ist wohlhabend. „Mir tun die Menschen leid, die das jeden Tag fressen müssen, weil sie kein Geld haben“, sagt er. „Wenn Sie nicht das nötige Kleingeld haben und öffentlich was bestellen können, sind Sie ein ganz armes Schwein.“

Senivita betreibt drei Pflegeeinrichtungen im Landkreis, neben Emmering in Maisach und Gernlinden. Das Unternehmen war zuletzt in die Kritik geraten. Ende April wurden 16 Mitarbeiter entlassen, davon ein Haustechniker, elf Reinigungskräfte und vier Küchenmitarbeiter. Seit wenigen Wochen beliefert eine externe Firma die Häuser mit Essen und kümmert sich um die Reinigung. Laut Senivita hat es in der Übergangsphase Probleme mit dem Service gegeben. Diese seien nun aber behoben. Einige Angehörige, Mitarbeiter und Bewohner klagen dagegen noch immer über die schlechte Qualität der Versorgung. In einem anonymen Brief an das Tagblatt schreibt die Tochter einer Bewohnerin aus Gernlinden: „Inzwischen müssen wir Angehörige in den Wohnungen hinterher putzen, die Bewohner mit Essen beliefern usw. Wofür zahlen wir hier so viel Geld?“

Mittlerweile machen viele Gerüchte und Halbwahrheiten die Runde. Von Missständen im Pflegebereich ist die Rede. Aus Mitarbeiterkreisen beschwert man sich über „Dienstplandiskriminierung“. Schock erzählt, in Emmering würde sich der Müll in der Tiefgarage türmen. Fährt man aber mit dem Aufzug ganz nach unten, fallen einem höchstens ein paar leere Wäschewägen im Keller auf. In der Tiefgarage parken Autos.

Es gibt auch positive Stimmen zu Senivita. „Hätten wir das Gefühl, nur von Missständen umgeben zu sein, würden wir sicherlich nicht so viel Zeit investieren“, schreiben Bettina Gillich, 46, und Christel Rimböck, 74, dem Tagblatt. Die beiden Frauen arbeiten ehrenamtlich in Maisach. „Wir helfen hier in unserer Freizeit mit viel Liebe, Freude und Hingabe aus.“ Nicht alle drei Altenheime sollten in einem Topf geworfen werden. In Maisach seien die Mitarbeiter hoch motiviert. „Sie tun alles, dass es den Bewohnern gut geht.“ Natürlich gebe es personelle Engpässe. Aber diese würden sich nicht zwingend auf das Wohl der Senioren auswirken. Zum Beispiel lege man Wert darauf, dass jeder Bewohner ein Essen nach seinem Geschmack bekomme. Zwei Mitarbeiter würden sich extra in die Küche stellen und kochen. Denn das stimme schon, sagt Christel Rimböck auf Nachfrage: „Das Essen ist eine Katastrophe.“

Laut Speiseplan können die Bewohner in Emmering mittags wählen zwischen zwei Gerichten. Am Freitag, 2. Juni, gab es zum Beispiel: „Zucchinicremesuppe, Fischfilet natur mit Dillsoße, Gemüse und Kartoffeln, frisches Obst“ (Menü I), oder „Zucchinicremesuppe, Milchreis mit Zimt und Zucker, frisches Obst“ (Menü II, das Ganze kann man sich auch püriert bestellen). Freitagabend bekamen alle einen „Geflügelsalat mit Mandarinen, Brot und Butter oder Wurst oder Käse oder Brei.“

Neben der Wohnung können sich Senioren wie Schock weitere Leistungen bei Senivita dazu mieten. Will man das volle Programm beim Essen, also Frühstück, Mittag, Kaffee/Kuchen und Abendessen, zahlt man pro Monat 851,76 Euro.

Albert Schock findet das eine Menge Geld für Essen, das schlecht schmeckt. Er versorgt sich lieber selbst. Sein Kühlschrank ist voll mit Lebensmitteln. Am Boden neben dem Fernseher lagern Cola- und Saftflaschen. Orangen, Äpfel und Zitronen liegen in der Schale auf dem Tisch. Schock hat eine private Pflegerin angestellt. Die kostet ihn 2700 Euro im Monat. Sie kauft für ihn ein, kocht und legt ihm einen neuen Katheter, wenn es notwendig ist. Zum Frühstück brachte sie ihm heute eine Wurstsemmel und ein Schokocroissant. Später gegen 17 Uhr serviert sie ihm Kartoffelsalat mit Rühreiern. Ein Luxusessen im Vergleich mit anderen Gerichten.

rat

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