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Simon Schunn starb mit 81 Jahren.

Nachruf

Im Beruf und in der Freizeit setzte er sich stets für andere ein

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Simon Schunn aus Emmering ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Zeit seines Lebens setzt er sich immer für andere ein.

Emmering – Als Simon Schunn im April 1961 mit wackeligen Knien in Piding bei Rosenheim aus dem Zug stieg, lagen schwere Jahre hinter ihm. Der Krieg und seine Folgen, eine lange Trennung von seinen Eltern, ein abgelehnter Ausreiseantrag und nun endlich doch das Wiedersehen mit der Familie. Viel zu stemmen für den damals 23-Jährigen.

Von Piding ging es nach Emmering, wohin es seinen Vater nach dem Krieg verschlagen hatte. Dort fand Simon Schunn ein neues Zuhause. Seine Mutter – sie war in den letzten Kriegswochen von russischen Soldaten verschleppt worden – traf er dort ebenfalls wieder. Acht Jahre war der Bauernsohn bei der Verschleppung alt. Mit seinen Brüdern – zehn und zwei Jahre – blieb er allein auf dem Hof zurück. Zwei Tanten kümmerten sich um sie.

Bei der Arbeit lernte er seine Frau kennen

Auf den Krieg folgten die Enteignung und ein Jahr als Kuhhirte, bevor Simon Schunn wieder in die Schule durfte. Nach dem Abschluss machte er eine Lehre zum Werkzeug- und Maschinenschlosser. 1954 trat er seine erste Arbeitsstelle an, 1955 lernte er über einen Vorarbeiter seine zukünftige Frau Anni kennen.

1960 wurde endlich der Antrag der Söhne auf Familienzusammenführung genehmigt. Simon Schunn und sein jüngerer Bruder durften aus Rumänien ausreisen. Damit seine Liebste so bald wie möglich nachkommen konnte, wurde vorher noch schnell geheiratet. Nun begannen glückliche Jahre für die Großfamilie – erst recht, als auch der älteste Bruder mit Frau und Kindern nach Deutschland kommen durfte. In Emmering bauten sich die Schunns 1966 ein Vier-Familien-Haus, in dem sie alle unter einem Dach lebten. Es blieb bis zu Simon Schunns Tod sein Zuhause.

Durch seine Arbeit beim Fertighaus-Hersteller Hebel kam der Maschinenschlosser in ganz Europa herum. 1972 wurde er in den Betriebsrat, später in den deutschlandweiten Gesamtbetriebsrat gewählt. Zuletzt war er als hauptamtlicher Betriebsratsvorsitzender tätig, bis er 2002 in Rente ging.

In seiner Freizeit engagierte er sich in vielen Vereinen

Sich für seine Mitmenschen einzusetzen, das lag Simon Schunn auch im Privatleben am Herzen. Beim FC Emmering betreute er zwölf Jahre lang eine Fußballmannschaft. Er war aktiv in der Gewerkschaft Bau-Steine-Erden, bei der Arbeiterwohlfahrt und in der Orts-SPD. 30 Jahre lang gehörte er durchgehend dem Gemeinderat an, die letzten sechs als dritter Bürgermeister. 2009 wurde er für sein Engagement mit der Bürgermedaille ausgezeichnet.

Auch die evangelische Kirche in Emmering wäre ohne ihn nicht dieselbe. Gemeinsam mit seinen Brüdern setzte er sich federführend für den Bau der Versöhnungskirche ein und packte auch praktisch mit an. Ganz wichtig war ihm, dass sie einen Glockenturm bekam.

Sein Lebensmotto: „Geht nicht, gibt‘s nicht“

Zwei Söhne und fünf Enkelkinder hatte Simon Schunn mit seiner Anni, die 2016 verstarb. Sein Lebensmotto –„Geht nicht, gibt’s nicht“ – ließ ihn Schwierigkeiten meistern und dabei stets Ruhe bewahren.

Im Februar dieses Jahres wurde er mit starken Schmerzen ins Brucker Klinikum eingeliefert. Es stellte sich heraus, dass er an Blutkrebs litt, an dem er auch verstarb. Simon Schunn wurde 81 Jahre alt.

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