Robert Huber war ein Böllerschütze mit Leib und Seele.

Nachruf

Trauer um den Gründervater der Böllerschützen Robert Huber

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Es richtig krachen lassen – das konnte Robert Huber. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Böllergruppe Emmering und war als Schussmeister dafür verantwortlich, dass Aufmarschieren, Laden und Schussabläufe sauber klappten. 

Emmering – Sein Tod hat in den Verein eine große Lücke gerissen. „Er war die Mutter der Kompanie“, sagt der Vorsitzende Stefan Bertolon.

Robert Huber stammte aus Niederbayern. Als jüngstes von sechs Kindern wuchs er in einem Bahnwärterhäuschen bei Straubing auf. „Mitten im Nirgendwo“, wie sein Sohn erzählt. Robert Hubers Vater bediente die Schranken und betrieb eine kleine Landwirtschaft, die Mutter kümmerte sich um Haushalt und Kinder. Nach der Schule machte der jüngste Spross eine Lehre zum Kfz-Mechaniker und folgte dann einem älteren Bruder nach Bruck.

Über einen Spezl in Emmering lernte Robert Huber seine Mathilde kennen. Die junge Frau wohnte in der Nachbarschaft des Freundes. Eines Tages sprach Huber sie über den Gartenzaun hinweg an: Ob er auch so einen schönen Apfel haben dürfe? Aber: Was Mathilde da gerade aß, war ein Kohlrabi. Die Geschichte wurde zur immer wieder gern erzählten Familien-Anekdote. 1969 wurde geheiratet.

Eine Zeitlang arbeitete Robert Huber als Betriebsschlosser in München, dann wurde er Reisebusfahrer und machte Touren durch ganz Europa. Seinem Sohn Andreas zuliebe hörte er damit auf. Der Kleine hatte sich darüber beklagt, dass der Papa so wenig zu Hause war. So stieg Huber um aufs Linienbusfahren und übernahm später im selben Unternehmen den Posten des Werkstattleiters. Neben der Arbeit war die Böllergruppe „sein Baby“, wie Sohn Andreas erzählt.

„Eigentlich ist das Ganze aus einer Schnapslaune entstanden“, ergänzt Siegbert Thornton, der vor 25 Jahren die Gruppe mit Huber zusammen gegründet hat. Damals hatte der Emmeringer Schützenverein den Königlich Privilegierten Sportschützen Fürstenfeldbruck erlaubt, auf dem Schießstand im Nachbarort zu trainieren, weil der Brucker renoviert wurde. Zum Dank schenkten die Brucker den Emmeringern eine Salutkanone. „Es hatte aber niemand die Berechtigung, damit zu schießen“, erzählt Thornton. Also machten er und Huber den Schwarzpulverschein. Das hieß, Bestimmungen und Paragrafen büffeln und alles lernen über den praktischen Umgang mit dem explosiven Gemisch. Da man die Kanone nur auf dem Schießplatz benutzen durfte, kaufte Huber einen Handböller. Damit waren die Böllerschützen von nun an bei Festen, Geburtstagen, Hochzeiten und Beerdigungen, Fronleichnamszügen und Maibaum-Aufstellen gern gesehene (und gehörte) Gäste.

Abgesehen vom Schießbetrieb kümmerte sich Huber um die organisatorischen Abläufe, um gemeinsame Auftritte und die Kleiderordnung. „Er war der große Kümmerer“, sagt Bertolon. Siegbert Thornton ist überzeugt, dass es vor allem Hubers „Sturheit und Pingeligkeit in punkto Sicherheit“ zu verdanken ist, dass es bis heute beim Böllern nie einen Unfall gegeben hat.

Zu Hause betätigte sich Huber – seit 2012 verwitwet – als Kleingärtner und Heimwerker. Er war überzeugt davon, dass er mindestens 90 Jahre alt werden würde. „Und das hätte er auch geschafft“, ist Andreas Huber sicher. Doch nach einem Herzinfarkt musste Huber ins Krankenhaus und steckte sich dort mit einem multiresistenten Keim an. Er wurde 70 Jahre alt. 

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