Zahlreiche Scherben lagen nach der Party auf der Wiese. 	fotos: privat
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Zahlreiche Scherben lagen nach der Party auf der Wiese.

„Verwüstung in diesem Ausmaß habe ich noch nie gesehen“

Nach Zeugnis-Party an See: Teenager hinterlassen Scherben und Müllchaos - Bürgermeister entsetzt

  • Thomas Steinhardt
    VonThomas Steinhardt
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  • Peter Loder
    Peter Loder
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Jedes Jahr der gleiche Ärger. Doch so gewütet wie in der Nacht auf Mittwoch haben die feierwütigen Jugendlichen noch nie am Emmeringer See. Drohen jetzt Konsequenzen?

Emmering – Das 3,1 Hektar große Freizeitgelände ist mittlerweile zum Mekka für Schulabschlussfeste geworden. Bürgermeister Stefan Floerecke erwägt nun sogar, für weitere anstehende Feten das Gelände komplett zu sperren.

Emmeringer See: Verwüstung nie gekannten Ausmaßes - Bürgermeister von Müllchaos entsetzt

„Eine Verwüstung in diesem Ausmaß habe ich noch nie gesehen.“ Der Rathaus-Chef reagierte am Morgen geradezu entsetzt, als er sich das Chaos entlang des Ufers betrachtete. Müllberge türmten sich vor ihm auf, Glasscherben übersäten die Rasenflächen. Die gesamte Belegschaft des Gemeinde-Bauhofs war mehrere Stunden allein damit beschäftigt, den gröbsten Unrat zu beseitigen.

Müllberge bedeckten den Boden 

Randalierer haben auch sanitäre Einrichtungen und Bänke beschädigt. Noch aufwändiger war dann die Kleinarbeit. Mühevoll mussten kleinste Glassplitter zwischen den Grashalmen aufgesammelt werden. Um Verletzungen der an den See strömenden Besucher zu verhindern, sah sich Florecke gezwungen, das Terrain am Mittwochvormittag für ein paar Stunden komplett zu sperren.

Fiese Fallen im Gras.

Fürstenfeldbruck: Jugendliche feiern am Emmeringer See - mit zunehmendem Promille-Pegel eskaliert Geschehen

Kurz nach 13 Uhr waren am Dienstag nach Unterrichtsschluss die ersten jugendlichen Karawanen aus den Brucker FOS/BOS-Abschlussklassen aufgetaucht, die sich in kleineren Gruppen auf den Weg zum See machten. Erstmals waren nach Floereckes Erkenntnissen auch Schulklassen aus Karlsfeld angereist.

In fast jeder Abordnung gab es ein Paar, dass einen Träger Bier und andere Getränke mitschleppte. Am frühen Nachmittag dröhnten dann schon die tiefen Bässe aus den Musikanlagen über das Gelände. Zunächst schien alles noch gesittet zu verlaufen, Kioskbetreiber Rudi Schwarz hatte nichts zu beanstanden.

Jede Menge Müll lag am Mittwoch herum.

Doch mit zunehmenden Promille-Pegeln eskalierte das Geschehen am See. Am Abend war die Polizei mit mehreren Streifen vor Ort, patroullierte über das Gelände und mahnte die Einhaltung der Corona-Regeln an. Letzte Konsequenz wäre die komplette Räumung des Geländes mit einem noch größeren Polizeiaufgebot gewesen. „Doch das wäre nicht verhältnismäßig gewesen“, erklärte Floerecke angesichts der mehreren hundert, meist schon angetrunkenen Jugendlichen.

Flaschen, Kartons und Plastik sorgten für Chaos.

Emmering: Bürgermeister rechnet mit bis zu 6000 Euro für Geländereinigung

Der Bürgermeister beziffert die Gesamtkosten für die Geländereinigung auf bis zu 6000 Euro. Und damit nicht genug: In den nächsten Tagen werden Realschüler und Abiturienten zu ihren Abschlussfeiern erwartet. Wenn nicht Floerecke dem einen Riegel vorschiebt. Eine komplette Geländesperre wäre zwar noch kostenintensiver und auch rechtlich kurzfristig nicht so einfach, doch ganz ausschließen will sie der Bürgermeister nicht.

Was den mit 36 Jahren ebenfalls noch relativ jungen Rathaus-Chef mächtig aufregt: „Gerade die junge Generation, die Friday for Future verehrt und nach mehr Umweltschutz schreit, führt sich so rücksichtslos und ohne Verstand auf.“ Er verstehe und gönne den Abschlussklassen ihre Feierlaune. „Doch so geht es nicht.“

Nach den Erfahrungen aus den vergangenen Jahren hatte Floerecke bereits im Vorfeld der Abschlussfeiern Kontakt mit den Schulen und Rektoren aufgenommen und um Rücksichtnahme gebeten. Genutzt scheint das nichts zu haben. Nun will der Bürgermeister in den sozialen Medien und im gemeindlichen Mitteilungsblatt noch einmal an die Vernunft der jungen Menschen appellieren. (lo)

Emmeringer See: Polizei ermahnt junge Leute - Sperrung des Areals um den See?

Nachdem die Polizei über die Party am Emmeringer See informiert worden war, versuchten die Beamten vor Ort, auf kommunikativem Wege auf die Jugendlichen einzuwirken, wie eine Sprecherin der Polizei in Fürstenfeldbruck auf Nachfrage sagte. Man habe versucht, den Feiernden die Coronaregeln nahe zu bringen, aber auch das richtige Müllverhalten. Im Laufe der Nacht und nach zunehmendem Alkoholkonsum habe man die Leute dann heimgeschickt.

Eine Auflösung der Feier sei angesichts der aktuellen Umstände nicht angebracht gewesen, sagte die Sprecherin. „Wir haben an die Vernunft appelliert.“ Der Polizei sei es außerdem gelungen, einen Verantwortlichen fest zu stellen. Wie mit dieser Erkenntnis nun umgegangen werde, sei Sache der Gemeinde Emmering. Weiteres – etwa die Idee einer Sperrung des Areals um den See – müsse man in Ruhe besprechen. Jugendliche suchten dann eben andere Örtlichkeiten.

Nennenswert aggressives Auftreten gegen die Polizeibeamten habe es nicht gegeben, sagte die Sprecherin. „Also, es wurden keine Flaschen gegen uns geworfen.“ Das Phänomen dieses Abends in drei Wörtern aus Sicht der Polizeisprecherin: Party, Müll und Alkohol. (st)

Tags darauf reagierten die Schüler der FOS/BOS mit einem Schreiben auf die Vorkommnisse.

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