Coronavirus in Deutschland: Erster Politiker betroffen - CDU-Mann infiziert 

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Ein letztes Mal zugeprostet wird am 15. Februar: Franz und Karin Grätz (r.) schließen ihre Gastwirtschaft. Servicekraft Lisa (l.) wird sich einen neuen Arbeitsplatz suchen müssen, Kollegin Jana (2.v.l.) wird sich um das Hotel kümmern, das vom Gastro-Ehepaar weitergeführt wird.

Gasthaus Grätz

Traditions-Wirtschaft in Emmering sperrt nach fünf Generationen in Familienhand für immer zu

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1874 wurde in der Gaststätte Grätz erstmals Bier ausgeschenkt. Fünf Wirte-Generationen später ist damit Schluss. Franz Grätz (53) und seine Ehefrau Karin schließen am 15. Februar die Traditions-Gastronomie an der Emmeringer Hauptstraße. Nur das Hotel bleibt. Personalmangel, gesundheitliche Probleme, aber auch Frust und Ärger mit Behörden zwingen die Familie zur Aufgabe.

Emmering Franz Grätz hat Tränen in den Augen. Wochenlang hatte dem 53-Jährigen dieser Entschluss schlaflose Nächte bereitet. Doch dann stand für ihn und seine Gattin Karin (54) fest: „Wir können nicht mehr, wir müssen aufhören.“

Zum historischen Ortsbild im Emmeringer Zentrum gehört das Gasthaus seit fast 150 Jahren.

Es sind nicht nur gesundheitliche Gründe (Franz Grätz hat mehrere Operationen hinter sich), die das Wirte-Paar zur Schließung der Gaststätte veranlasst haben. Den letzten Ausschlag gab die immer prekärer werdende Personalsituation. „Wir haben monatelang gesucht. Aber fachkundiges Servicepersonal, das nicht nur ein Bier zapft und das Glas hinstellt, sondern sich auch mit der Speisekarte und der Herkunft unserer Produkte auskennt, ist einfach nicht mehr zu finden.“

Die Gastwirtschaft weiter zu betreiben, hätte in der mehrfach prämierten Küche noch funktioniert, zumal Sohn Korbinian (21) eine Koch-Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat. Doch ohne Bedienungen sei das unmöglich.

Hinzu kommen behördliche Auflagen, „die den Tod für Familienbetriebe bedeuten“. Die Dokumentationspflicht für seine zuletzt acht Beschäftigten hätten Ausmaße angenommen, die zeitlich nicht mehr zu bewältigen seien „Es ist drei Mal mehr Papierkram als vor zehn Jahren“, meint Grätz Er ist sich sicher: „Es werden noch etliche andere bayerische Wirtschaften nicht überleben können.“

Genehmigung zum Bierausschank

Die Wirtschaft macht zu, der Hotelbetrieb bleibt

1874 hatte sein Ur-Urgroßvater, der Schneider Thomas Grätz, die Genehmigung zum Bierausschank erhalten. 1887 übernahm Sohn Leonhart die Wirtschaft. Mit seiner Frau Therese hatte er zwölf Kinder. Franz I., einer der Söhne, trat 1937 das Gastro-Erbe an und übergab 1972 an den jetzt 80-jährigen Franz II. und seine 2011 verstorbene Ehefrau Isolde. Franz III. folgte 1994 und musste nun im König-Ludwig-Nebenzimmer das Ende der Wirtshaus-Dynastie verkünden.

Eine halbe Million Euro habe seine Familie in den vergangenen 25 Jahren in Aus- und Umbau des 1874 erstmals erwähnten Anwesens mit dem Hausnamen „Maxnschneider“ investiert. Der 1996 terrassenartig angelegte Biergarten am Amperufer gehört zu den schönsten im Landkreis.

Das Drei-Sterne-Landhotel mit seinen elf Zimmern und Frühstücksbuffet will Grätz weiter betreiben. Auch wenn ihn das Finanzamt mit einer nun schon drei Jahre dauernden Betriebsprüfung auf Trab hält. Der Gastronom, der sich bei seinen Behördenterminen mittlerweile „wie ein Schwerverbrecher fühlt, obwohl wir grundehrlich alles versteuert und angegeben haben“, kandidiert zwar ebenso wie sein Sohn Korbinian bei der Kommunalwahl als Nachrücker auf der CSU-Gemeinderatsliste, hat aber jegliches Vertrauen in die Politik verloren. „Die da oben akzeptieren wortlos, wie unsere Kleinbetriebe ausgesaugt werden, können sich selbst aber straflos alles leisten.“

Franz Grätz hatte am 1. Oktober 1994 mit damals 28 Jahren die Wirtschaft von seinem Vater, einem Gastronom mit Herzblut, übernommen. Dem mittlerweile 80-jährigen Senior wurde die bevorstehende Schließung in traurigen, tränenreichen und emotionalen Stunden erklärt.

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