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Das Schild am Hof kann abgehängt werden: Michael Schanderl ist nicht mehr Bürgermeister, sondern Privatier. Trotzdem gibt er die Kommunalpolitik nicht ganz auf: er ist Gemeinderats- und Kreistagsmitglied sowie weiterer Vize-Landrat.

Nach der Kommunalwahl

Interview mit Emmerings Alt-Bürgermeister: „Ich blicke zufrieden zurück“

  • Thomas Eldersch
    vonThomas Eldersch
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18 Jahre lang war Michael Schanderl Bürgermeister von Emmering. In dieser Zeit hat er Höhen und Tiefen erlebt. Das Amt hat ihn an körperliche Grenzen gebracht. In einem persönlichen Gespräch blickt der 56-Jährige zurück.

Emmering–  Herr Schanderl, Sie mussten früh im elterlichen Betrieb Verantwortung übernehmen. Wie sind Sie dann zur Politik gekommen?

Eigentlich wollte ich immer Lehrer werden. Doch ein schwerer Unfall meines Bruders führte dazu, dass ich den Hof übernahm. Wir haben dann früh die Viehhaltung aufgegeben und die Landwirtschaft im Nebenerwerb mit Ackerbau weitergeführt. Dadurch blieb Zeit fürs Studium der Agrarwissenschaften und dann für die Arbeit im Gemeinderat.

Warum wollten Sie Bürgermeister werden?

Das kam durch meine Arbeit im Gemeinderat. Ich habe mich in meiner ersten Wahlperiode schon sehr stark für Projekte, die mir am Herzen lagen, eingesetzt – obwohl ich der Jüngste in der Fraktion war. Und dann trat ich am Ende der sechs Jahre als Bürgermeisterkandidat für die Freien Wähler an. Es reichte damals zwar nur für 18 Prozent der Stimmen, aber mein Ehrgeiz war geweckt.

2002 hat es dann geklappt, nachdem Altbürgermeister Alfons Ostermeier nicht mehr angetreten war. Wie war die Anfangszeit? Und was war das Wichtigste was Sie gelernt haben als Bürgermeister?

Anfänglich musste ich natürlich viel dazu lernen. Erst nach etwa drei Jahren wusste ich, wie der Hase läuft. Da hat sich dann auch das Netzwerk mit den anderen Bürgermeistern gefestigt. Es gab aber etwas, was ich relativ schnell lernen musste und was mich manchmal persönlich getroffen hat: Man hilft einem Bürger, etwa bei einem Hausbauprojekt oder einem Antrag; man hilft ihm zehn Mal – und beim elften Mal geht es einfach nicht. Dann ist es vorgekommen, dass er einen bei der nächsten Wahl nicht unterstützt hat. Man darf sich in seinem Amt nie zu sicher sein. Auf Wählerstimmen aus Dankbarkeit darf man sich nicht verlassen.

Was war Ihr erstes Projekt als Bürgermeister?

Schon im Wahlkampf 2002 war ein großes Thema die Wohnbebauung im Emmeringer Süden. Der Plan dazu ist nicht auf meinen Mist gewachsen. Schon unter Altbürgermeister Ostermeier wurde für den Bereich dort Entwurf für den Flächennutzungsplan erstellt. Mir wurde aber vorgeworfen, das Bauprojekt zu fördern, weil ich dort selbst Flächen besessen habe. Heute nimmt man das vielleicht nicht mehr so wahr. Da sieht man eher das neue Rathaus oder das neue Kinderhaus. Aber das Baugebiet war das größte und wahrscheinlich für die Entwicklung Emmerings wichtigste Projekt in meiner ersten Amtsperiode.

In Ihrer zweiten Amtszeit mussten Sie ein persönliches Tief verkraften. Was war passiert?

2010 habe ich einen Herzinfarkt erlitten. Anschließend musste ich einige Wochen auf Reha. Durch dieses einschneidende Erlebnis habe ich gemerkt, dass an dem Sprichwort „Wenn jemand etwas mit Leidenschaft macht, geht es ihm zu Herzen“ etwas dran ist. Die Ärzte erzählten mir damals auch, dass viele Herzpatienten zu Perfektionismus neigen. Ich musste in diesem Fall schmerzlich feststellen, dass Perfektion nur selten zu erreichen ist.

War es einfach zu viel Stress?

Ich war von 2008 bis 2014 auch noch Fraktionssprecher der Freien Wähler im Kreistag. Was mein Arbeitspensum nicht gerade verringert hat. Außerdem musste ich mich um unseren landwirtschaftlichen Betrieb kümmern und wir haben zu dieser Zeit ein Haus gebaut. Ich denke, das war in Verbindung mit einer ungesunden Lebensweise und Übergewicht dann einfach zu viel und hat möglicherweise auch zu dem Herzinfarkt geführt. So musste ich auf die harte Tour lernen, dass man sich Freizeit auch mal nehmen muss.

Was haben Sie aus dieser Krise mitgenommen?

Erst in der Reha habe ich richtig gelernt, Nein zu sagen. Seitdem versuche ich mindestens einmal am Tag, Nein zu etwas zu sagen. Außerdem habe ich mich gesünder ernährt und mehr Sport getrieben. Leider hielt das nur eine gewisse Zeit an und flachte dann wieder ab. Aber jetzt habe ich mir vorgenommen, wieder mehr zu tun. Zusätzlich habe ich Tipps bekommen, wie ich besser mit dem Stress umgehen kann.

Welche sind das?

Beispielsweise habe ich angefangen, immer eine Aufgabe nach der anderen zu erledigen. Davor habe ich hier mal schnell eine E-Mail beantwortet, zwischendrin ein Telefonat geführt und nebenbei habe ich mich um die Post gekümmert – und am Ende wusste ich nicht mehr, wo ich gerade war. Wenn ich mich nach dem Infarkt ertappt habe, dass ich drei Sachen gleichzeitig mache, dann sagte ich mir „Stopp“, eins nach dem anderen.

Trotz des einschneidenden Erlebnisses sind Sie 2014 noch einmal zur Wahl angetreten. Wie waren die Reaktionen darauf, vor allem aus der Familie?

Na ja, meine Frau war eher reserviert und besorgt. Aber sie hat immer meine Entscheidungen mitgetragen. Und sie war dann auch im Wahlkampf tatkräftig mit dabei. Sie war ohnehin meine beste Wahlkämpferin. Sie kommt sympathisch rüber und kommt schnell mit den Menschen ins Gespräch. Das hat natürlich auf mich abgestrahlt.

Wie lief das Familienleben generell im Hause Schanderl ab? Ihre drei Kinder sind jetzt in den 20ern. Die kennen Sie eigentlich nur als Bürgermeister.

Jetzt steht eine neue Tür für Schanderl offen: nämlich die am Traktor. Der Altbürgermeister will wieder mehr im landwirtschaftlichen Betrieb mitarbeiten.

Vor der ersten Amtszeit war uns natürlich noch nicht bewusst, auf was wir uns da einlassen. Wir haben aber immer alles gemeinsam zuhause besprochen. Das Amt hatte positive und negative Auswirkungen auf die ganze Familie, vor allem natürlich auf die Kinder. Besonders als sie dann älter wurden und anfingen auszugehen, etablierte sich bei uns der geflügelte Satz „Denk immer daran, wie du heißt“. Meine Frau wurde beim Einkaufen etwas genauer beobachtet. Die Leute hat interessiert, ob bei uns auch mal eine Fertigpizza im Einkaufskorb landet.

Bei der Kommunalwahl 2014 sind Sie mit nur ein paar Stimmen an der Stichwahl vorbeigeschrammt. Was hatte das für Auswirkungen auf Sie?

Das knappe Ergebnis und der Herzinfarkt vier Jahre zuvor haben in mir immer stärker die Entscheidung reifen lassen, es 2020 gut sein zu lassen. Und jetzt kann ich damit gut leben. Obwohl es sich im Augenblick noch so anfühlt, als hätte ich nur Urlaub und müsste bald wieder ins Rathaus.

Wenn Sie jetzt zurückblicken auf die 18 Jahre als Bürgermeister: Wie fällt dann Ihr Fazit aus?

Ich blicke zufrieden auf die Zeit zurück. Viele Projekte konnte ich umsetzen. Dazu steht Emmering solide da. Wir haben noch keine Schulden. Wer weiß, wie Corona das verändern wird. Ansonsten gab es wenige Dinge, die nicht so gut gelaufen sind, wie jetzt zuletzt die Verzögerungen beim Abriss des Feuerwehrhauses.

Und wo sehen Sie die größten Erfolge?

Zum einen gibt es das Sichtbare, das ihn meiner Amtszeit umgesetzt wurde. Wie der schon erwähnte Rathausneubau, die Amperbrücken, die Sanierung der Amperhalle und vieles mehr. Aber manchmal ist das nicht Sichtbare genauso wichtig, wenn nicht sogar bedeutender. Wir haben eine gute Kinderversorgung in Emmering geschaffen, mit Krippen, Kindergärten, Mittagsbetreuung und Ganztagesklassen. Jedes Kind hat bei uns einen sicheren Kita- und Betreuungsplatz.

Wie sieht das neue Leben des Michael Schanderl aus?

Als erstes werde ich mit meiner Frau Urlaub in den Bergen machen. Dann will ich aber auch wieder mehr in unserem landwirtschaftlichen Betrieb mitarbeiten. Sport treiben ist ebenfalls angesagt. Und vielleicht bleibt noch neben den kommunalen Ehrenämtern Zeit für mein Hobby – das Malen.

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