Giovanni Saltarelli ist Lehrer an der Emmeringer Mittelschule. Er koordiniert die Schnelltests an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis Fürstenfeldbruck.
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Giovanni Saltarelli ist Lehrer an der Emmeringer Mittelschule. Er koordiniert die Schnelltests an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis Fürstenfeldbruck.

Eine erste Bilanz

Über 25.000 Schnelltests in zwei Wochen: Er koordiniert die Corona-Tests an Schulen

  • Helga Zagermann
    vonHelga Zagermann
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Seit Ende der Osterferien machen die Kinder und Jugendlichen in den Schulen einen Corona-Schnelltest. Die erste Bilanz fällt positiv aus.

Landkreis – Giovanni Saltarelli ist Lehrer an der Emmeringer Mittelschule. Seine siebte Klasse muss daheim bleiben, bekommt von ihm aber Distanzunterricht. Seit März vermittelt der 31-Jährige aber noch einen neuen Lehrstoff – und seine Kollegen sind quasi seine Schüler: Der 31-Jährige ist nämlich der Koordinator für die Selbsttests an allen Grund- und Mittelschulen im Landkreis. Das sind 42, dazu kommen noch drei Förderzentren und fünf private Schulen. Saltarelli ist dafür zuständig, dass rund um die Selbsttests alles klappt.

Und das tut es. Nach einem Blick in eine seiner vielen Tabellen berichtet der Lehrer von fast 25 000 Selbsttests, die in den ersten beiden Wochen seit Start der Testpflicht an den 50 Schulen gemacht wurden. Die Genauigkeit der Ergebnisse habe auch ihn überrascht, sagt Saltarelli.

Einige Eltern und Kollegen hatten im Vorfeld geunkt, viele Tests würden wegen falscher Anwendung ungültig ausfallen. Oder aber es werde viele falsch positive Ergebnisse geben. Saltarellis Statistik zeigt etwas anderes. Ungültige Tests kann er an zwei Händen abzählen. 19 Tests zeigten bisher eine Corona-Infektion an. Doch lediglich in zehn Fällen bestätigte ein PCR-Test die Erkrankung.

Giovanni Saltarelli: „Die große Aufregung ist weg“

„Die Bedenken waren am Anfang berechtigt. Aber die große Aufregung ist weg“, sagt Saltarelli in einer ersten Bilanz zu den Selbsttests. Im März, als Schulleiter, Lehrer und Eltern von der Testpflicht erfuhren, war das noch ganz anders. Lehrer waren nicht begeistert von der Zusatzaufgabe, das Kulturministerium mahnte sie zur „Dienstpflicht“. Eltern fürchteten, ihre Kinder könnten sich wehtun beim Abstrich, würden bei einem positiven Ergebnis vielleicht sogar ausgegrenzt von Mitschülern.

Saltarelli antwortet auf Kritik am System nach wie vor: „Wir führen nur die Vorgaben der Staatsregierung aus. Und wir versuchen, alles gut über die Bühne zu bekommen.“ Deswegen freut es ihn umso mehr, dass erste Umfragen unter Lehrern zeigen, dass es gut läuft: Fast 70 Prozent berichten, dass schon nach der ersten Woche eine Routine eingetreten sei. 88 Prozent sagen, dass die Schüler den Abstrich „sehr souverän“ meistern. Zu Beginn brauchten die meisten Klassen bis zu 30 Minuten für den Test. Mittlerweile dauert die Durchführung nur noch rund zehn Minuten. In der 15-minütigen Wartezeit, bis das Ergebnis feststeht, wird schon unterrichtet.

Generell, so der Koordinator, sei die Einstellung der Lehrkräfte zu den Schüler-Selbsttests mittlerweile überwiegend sehr positiv. Seine Kollegen hätten durch die Tests nun ein Gefühl der Sicherheit. „Und die Eltern wissen, dass ihre Kinder bei uns in guten Händen sind.“

Der Start im Kleinen hat sich bewährt

Saltarelli sagt: „Es ist sehr gut gewesen, dass wir frühzeitig Konzepte geschmiedet haben und wegen der Inzidenzwerte über 100 im Kleinen starten mussten: also nur mit den Abschlussklassen und den Schülern in der Notbetreuung.“ So habe sich das System einspielen können. Und man konnte genau beobachten, dass auch Erstklässler (in der Notbetreuung) feinmotorisch zum Selbsttest in der Lage seien. Wenn irgendwann bei niedrigeren Infektionszahlen mehr und mehr Kinder und Jugendliche zurück in die Schule dürfen, seien schon viele Lehrer geübt, wie man mit der Klasse sicher den Abstrich durchführt.

Die Heranwachsenden haben übrigens viel zum Erfolg beigetragen: „Sie stehen den Selbsttests sehr neugierig und offen gegenüber.“

Dass das Schulamt Giovanni Saltarelli, der im dritten Jahr in Emmering unterrichtet, als Selbsttest-Koordinator auswählte, hat seinen Grund: Er ist staatlich geprüfter Rettungssanitäter sowie Dozent für Sanitäts- und Erste-Hilfe-Ausbildung – er hatte während seines Lehramtsstudiums sechs Jahre lang die BRK-Bereitschaft in Eichstätt geleitet.

Wie man eine Selbsttest-Struktur für 50 Schulen mit insgesamt rund 12 000 Kindern und Jugendlichen auf die Beine stellt, war ihm also schnell klar. Nach einer Online-Besprechung mit Rektoren und Kollegen wurden an jeder Schule ein bis zwei so genannte Multiplikatoren ausgewählt und dann beim BRK geschult.

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