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Vergessene Orte im Kreis Fürstenfeldbruck: Das versunkene Wahrzeichen von Emmering

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Von: Tobias Gehre

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Monolith aus Beton: Vier solche Quader sind die letzten Zeugnisse der Funktürme. © Gehre

Ein wenig erinnert dieser Ort an die berühmten Felsen von Stonehenge in England – nur dass die Monolite aus Beton gefertigt sind. Vier dieser Kolosse, angeordnet in einem Quadrat, ragen im Wald nördlich von Emmering aus dem Boden.

Emmering –  Der Zahn der Zeit hat sich zwar alle Mühe gegeben, an den Quadern zu nagen. Weit ist er aber nicht gekommen. Auch Moos und sogar Bäume, die auf ihnen wachsen, können den riesigen Brocken nicht viel anhaben. Sie scheinen für die Ewigkeit gemacht worden zu sein.

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Eine alte Postkarte zeigt die Türme am Ortsrand.

Eine halbe Ewigkeit ist es auch her, dass sie entstanden sind. Und ihre Geschichte ist fast vergessen. In den späten 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts errichtet der Staat nahe des Amperufers zwei riesige Funktürme.

Die beiden Bauwerke sprengen in der damaligen Zeit alle Rekorde. Mit 100 Metern sind die Stahlgittermasten mit Abstand die höchsten Bauwerke im Landkreis. Das hat der Emmeringer Chronist und ambitionierte Hobby-Historiker Roland Bartmann recherchiert. „Die Anlage war damals Deutschlands größte Polizeileitfunkstelle“, erklärt Bartmann.

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Auf dem Altargemälde sind die einstigen Wahrzeichen Emmerings im Hintergrund zu sehen.

Die Betonblöcke, die im Wald bis heute überdauert haben, dienen als Fundamente für die Masten. Die Türme werden schnell zum Wahrzeichen der Ampergemeinde. Sie schmücken bald auch Ansichtskarten aus Emmering. Und sie schaffen es sogar bis in die katholische Kirche. Dort, im Hintergrund eines großen Wandgemäldes über dem Altar, sind sie bis heute zu bestaunen.

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In den 1920er-Jahren werden die Stahlkonstruktionen und das Kontrollhaus gebaut.

Gestaunt hat auch der Emmeringer Rudi Zeitler über die Relikte der Funkanlage. Er ist direkt neben den Resten der Türme aufgewachsen. Die Stahlkonstruktionen selbst kennt er nicht mehr aus eigener Anschauung. Doch das Haus, in dem die Kontrollstation untergebracht war, wird von der Familie genutzt. Sie betreibt dort ein Betonwerk. „Wir haben damals dort Büro und Wohnung untergebracht gehabt“, erklärt Zeitler.

Und dann ist da noch der Bunker. Für den jungen Rudi und seine Spezln ist das gesamte Areal mit dem alten Gebäude, den unheimlichen Fundamenten und dem Schutzraum ein grandioser Abenteuerspielplatz. Als Jugendliche feiern sie in dem Bunker wilde Partys.

Das Kontrollgebäude und die Bunker sind mittlerweile längst abgerissen. Die Fundamente im Wald stehen aber noch. Bis 1946 ragen auch noch die beiden Türme in den Emmeringer Himmel. Dann lässt die Natur ihre Muskeln spielen.

„Im Juli fiel der 60 Tonnen schwere nördliche Turm einem Wirbelsturm zum Opfer“, heißt es in der Orts-Chronik. Der wenige Meter südlich gelegene Zwillingsbruder übersteht das Unwetter. Sein Schicksal wird 1951 von Menschenhand besiegelt. Er steht zu nahe am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck – und behindert den seinerzeit zunehmenden Flugverkehr. Der Turm wird abgerissen.

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