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Jung und alt zusammen am Musikanten-Stammtisch: Michael Rauschmeier (2.v.r.) und Alex Rauscher (2.v.l.) haben die neue Runde auf Initiative von Bürgerhaus-Wirt Alfred Lehner (hinten l.) ins Leben gerufen.

Bürgerhaus

Wirtshaus-Musikanten mögen’s modern

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In Zeiten, in denen ein Heimatministerium auf Bundesebene entsteht, erlebt auch die Tradition ihre Renaissance. Eine der bekanntesten voralpenländischen Gepflogenheiten ist die Wirtshausmusik. In Emmering hat sich jetzt ein zweiter Musikantenstammtisch gegründet.

Emmering Trotz übermächtigen Drucks durch Globalisierung und Digitalisierung finden sich immer mehr – auch viele junge – Leute in den Wirtsstuben ein und stimmen zusammen ihre klassisch-volkstümlichen Instrumente an. Im Emmeringer Bürgerhaus sind Alex Rauscher (50) und Michael Rauschmeier (38) die Organisatoren dieses Musikantentreffs. Beide spielen schon viele Jahre zusammen und sind auch häufig bei anderen Noten-Stammtischen zu finden. Doch nun wollten die beiden – vor allem aus der Liebe zur Musik – etwas Eigenes auf die Beine stellen.

So steigt nun jeden letzten Freitag im Monat im Bürgerhaus eine – wie man auf Neu-Deutsch sagen würde – Jamsession der ganz besonderen Art. Das Prinzip eines solchen Zusammentreffens ist einfach. Hobby-Musiker treffen sich in einer Wirtschaft und spielen abwechselnd oder auch zusammen, meist klassische Volksmusikstücke.

Das dominierende Instrument im Bürgerhaus ist eindeutig die Quetschn beziehungsweise Ziehharmonika. Dass das kein günstiger Spaß ist, weiß auch Alex Rauscher: „Das ist ein teures Hobby. So eine qualitativ hochwertige Steirische kann durchaus bis zu 10 000 Euro kosten.“ Dazu hat sich der Monteur aus Gernlinden vor kurzem noch einen Verstärker besorgt, um noch mehr aus seinem Akkordeon rauszuholen. Rauscher ist ein Autodidakt und hat sich alle Instrumente selbst beigebracht. Er hat bereits Orgel, Dudelsack und Didgeridoo gespielt. Seit circa acht Jahren ist er nun bei der Ziehharmonika hängen geblieben und spielt alle Stücke nach dem Gehör.

Mit seinem Kumpel Michi Rauschmeier musiziert er inzwischen bereits seit drei Jahren zusammen und wo sonst hätten sie sich kennenlernen können, als bei einem Musikerstammtisch. „Zwischen uns bassts einfach“, sagt der Gernlindner über ihre Zusammenarbeit. Neben den Quetschn sind aber auch noch andere Instrumente vertreten. So hatte ein Musiker seine Tuba mitgebracht, eine andere ihre Gitarre. Ob Klarinette oder E-Bass ist eigentlich egal, wir diskriminieren hier niemanden, sagt der 50-Jährige – nur ein Schlagzeug hatten wir noch nicht, fügt er noch mit einem Schmunzeln hinzu.

Darüber hinaus finden sich auf dem Tisch seltsam anmutende Holzinstrumente. Da liegen Ratschn, Löffel und ein Waschbrett, die sich jeder Gast schnappen kann, um selbst ein wenig mit zu musizieren. Hergestellt hat die außergewöhnlichen Stücke der 80-jährige Konrad Körner, der selbst ein regelmäßiger Stammgast der Stammtische ist. Auch eine klassische Teufelsgeige hat der bekennende Musikinstrumentensammler bereits zusammengebastelt. Das wertvollste Teil seiner Sammlung, so erzählt Körner, ist eine Trompete aus dem Jahr 1870.

Das Wichtigste für Rauscher ist, dass alle Spaß haben. Auch Anfänger sind gerne gesehen, nur üben sollten sie zwischen den Treffen. „Man muss ja nicht oft was machen, aber die Ausrede, ich hatte keine Zeit zum Üben, lass ich nicht gelten“, sagt Rauscher. Ansonsten dienen die Stammtische zum Fachsimpeln, Ratschn und dem gemeinsamen Musizieren. Dass dies auch bei den Gästen in der Wirtsstubn ankommt, ist am großen Applaus nach den einzelnen Stücken zu merken. „Wir hatten bis jetzt immer positive Resonanz von den Zuhörern.“ Die Idee, einen Musikanten-Stammtisch auch im Bürgerhaus zu veranstalten, ging von Wirt Alfred Lehner aus.

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