Mammutprojekt geht zu Ende

Endlich erklingen 422 neue Orgelpfeifen

Beinahe sieben Jahre hat es gedauert. Umso größer ist die Vorfreude bei den Verantwortlichen: Am Wochenende wird die neue Orgel im evangelischen Emmaus-Gemeindezentrum in Maisach eingeweiht.

Maisach – Tag für Tag nimmt die neue Orgel mehr Gestalt an. Seit über zwei Wochen sind die Handwerker im Emmaus-Gemeindezentrum mit dem Aufbau beschäftigt, damit das gute Stück zur Einweihung fertig ist.

Bereits vor sieben Jahren begann die Planungsphase. Denn dass etwas geschehen musste, das war 2011 allen klar. „Die vorige Orgel war älter als das Gemeindezentrum selbst“, erzählt Cornelia Heym vom Ausschuss der Kirchengemeinde. „Eine Reparatur wäre rausgeworfenes Geld gewesen.“ Das Instrument wurde in den 1950er-Jahren eingebaut und war – wie seinerzeit üblich – nicht aus den besten Materialen gefertigt. Holz- und Geldknappheit sorgten dafür, dass die Orgel kein Meisterstück werden konnte. Inzwischen ist das alte Modell zerlegt, die Pfeifen schlummern im Keller oder wurden verkauft, die Holzverkleidung – einfachste Spannholzplatten – landete im Ofen.

Nachdem man sich durchgerungen hatte, eine neue Orgel einzubauen, kam sogleich die erste Ernüchterung: Die Landeskirche begrüßte zwar das Projekt, konnte aber keine Zuschüsse geben. Es galt also, sich selbst zu helfen. Schließlich musste ein Betrag von 129 900 Euro gestemmt werden. Mit viel Engagement und Herzblut haben die Verantwortlichen und alle Mitglieder der Kirchengemeinde mitgeholfen, sodass nach und nach der Mut und die Zuversicht stiegen, das Mammutprojekt realisieren zu können.

Es wurden Tombolas und Bücherflohmärkte organisiert. Nach dem Gottesdienst stellten sich Helfer in die Küche und bereiteten Mahlzeiten zum Verkauf vor, Stiftungen und Kultureinrichtungen wurden für Spenden aufgesucht. Sogar Patenschaften für Pfeifen der neuen Orgel wurden und werden nach wie vor vergeben. Beginnend bei den kleinsten mit 50 Euro bis hin zu den größten mit 800 Euro kann sich jeder an einem Teil des Instruments beteiligen.

Momentan fehlen noch etwas weniger als 9000 Euro. „Wir hoffen, den restlichen Betrag innerhalb der nächsten Zeit über weitere Spenden, speziell bei den Gottesdiensten sammeln zu können“, erzählt Harald Kucharcik vom Orgelausschuss. Schließlich werde das neue Stück viele Besucher anlocken. „Im Gegensatz zur Vorgängerorgel ist die Neue auf Jahrhunderte ausgelegt“, sagt Pfarrer Clemens Monninger .

Die mit dem Projekt beauftragte Manufaktur aus Buchloe im Allgäu steht in der Tradition alter Orgelbauer. „Das einzig Elektrische an diesem Instrument sind die Leuchten über der Tastatur. Der Rest ist pure Mechanik“, erklärt Harald Kucharcik. Das Gehäuse des Instruments ist aus Eichenholz gearbeitet, das Pfeifenwerk im Inneren besteht ausschließlich aus hochwertigen Zinn-Blei-Legierungen und ausgesuchten, luftgetrockneten Hölzern.

Insgesamt umfasst die Orgel 422 klingende Pfeifen, davon 98 aus Holz und 324 aus Metall. Die größte misst 2,80 Meter, die kleinste besitzt eine Körperlänge von ungefähr zwei Zentimetern.

2200 Arbeitsstunden wird die Orgelmanufaktur am Ende mit der Planung, dem Bau und der Intonation des Instruments aufgewendet haben. Und auch die Verantwortlichen hatten neben den Sammelaktionen einiges zu tun. „Der Ausschuss traf sich 60 Mal zu Sitzungen, organisierte fünf Orgelfahrten und 15 Konzerte“, zieht Sabine Tomaschko Bilanz, die selbst seit fünf Jahren mit dabei ist.

Dabei ist neben der Orgel auch noch einiges anderes gewachsen. „Das Projekt hat nach und nach alle Gruppen der Gemeinde ergriffen“, erzählt Pfarrer Monninger: „Der Zusammenhalt ist immens.“ Momentan ist das Gemeindezentrum noch auf der Suche nach einem neuen Organisten in Festanstellung. „Sie haben unsere alte Orgel am Ende gemieden“, erzählt Cornelia Heym. Das wird der Emmaus-Gemeinde mit dem neuen Prachtstück nun nicht mehr passieren. (mk)

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