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Dr. Julian Maurer hat beim SC Fürstenfeldbruck Landesliga-Fußball gespielt. 

Er empfiehlt: Mit 15 Laufkilometern pro Woche das Immunsystem stärken

  • Christoph Seidl
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Dr. Julian Maurer ist Arzt, Sportwissenschaftler und ehemaliger Leistungssportler. Er leitet wie sein Vater eine Praxis in München.

 Der ehemalige SCF- und Regionalliga-Spieler gibt seine persönliche Einschätzung zur aktuellen Gesundheitslage, er spricht über die Ängste der Bevölkerung rund um das Corona-Virus. Und er verrät, wie sich Sportler aus seiner Sicht in der aktuellen Situation verhalten sollen.

Herr Maurer, Sie sagen als Arzt und Leistungssportler, dass Sie keine Angst vor dem Corona-Virus haben. Warum?

Leistungssportler sind gewöhnlich mit einem sehr starken Immunsystem ausgestattet. Um das Corona-Virus zu bekämpfen, ist das die absolute Basis. In allen Ländern, die mit dem Corona-Virus zu kämpfen haben, sind die Risikogruppen am meisten bedroht. Dazu zähle ich: Alte, gebrechliche Patienten mit chronischen Erkrankungen; Patienten mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen; Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen; Patienten mit aktiver onkologischer Erkrankung; Patienten mit Immunsuppression; Patienten in schlechtem Ernährungszustand und Raucher.

Der Großteil der Bevölkerung zählt nicht in diese Risikogruppe. Zudem verlief der überwiegende Teil aller bisherigen Infektionen milde. Schwere Verläufe sind nicht die Regel. Deshalb habe ich vor der Erkrankung oder dem Corona-Virus überhaupt keine Angst.

Sind die Maßnahmen richtig, den Spielbetrieb im Amateurfußball auszusetzen und die Menschen aufzufordern, zu Hause zu bleiben?

Im Moment ist es absolut richtig, sich an die Maßnahmen zu halten. Es ist ein Muss. Viele Menschen haben am Anfang das Problem nicht verstanden. Sie dachten, dass es sich bei einer Corona-Infektion um eine lebensbedrohliche und bösartige Erkrankung handelt. Das ist nicht so. Das große Problem ist die rasche Ausbreitung innerhalb der Bevölkerung, besonders in der Risikogruppe. Wenn wir uns die Alterspyramide anschauen, sind 16,1 Millionen (19 Prozent) unserer Bevölkerung älter als 67. In Deutschland stehen 28 000 Intensivbetten zur Verfügung. Wenn zum gleichen Zeitpunkt der Großteil der Risikogruppen erkrankt, bricht unser Gesundheitssystem zusammen.

Somit steht jeder Einzelne in der Verantwortung?

Wenn man die Übertragung des Corona-Virus verhindern und bekämpfen will, und das muss man im Moment, sind die Maßnahmen absolut wichtig und entscheidend. Am Ende haben wir uns für die Ausgangsbeschränkung entschieden. Anscheinend muss man solche Maßnahmen verhängen, damit sich der Großteil der Bevölkerung daran hält. Ich persönlich hätte gerne eine Ausgangseinschränkung vermieden, unter dem Gesichtspunkt, dass die Menschen sich rücksichtsvoll und bewusst verhalten. Das war leider nicht so.

Viele Menschen erfüllt die Ausbreitung des Virus mit Angst. Zum ersten Mal wird die Freiheit der Menschen eingeschränkt.

Dieser Punkt ist mir sehr, sehr wichtig. Ich will etwas zum Thema Angst und Panik sagen. In der Praxis war ich mit extrem viel Angst und Panik der Patienten konfrontiert. Paradoxerweise bei den Menschen, die überhaupt keine Angst vor dem Corona-Virus haben müssen. Angst ist ein negatives Gefühl, das unserem Immunsystem schadet. Deshalb bitte Ruhe bewahren und rücksichtsvoll handeln.

Ist die Situation wirklich so dramatisch?

Im Moment ist die Situation noch nicht dramatisch. Aber sie könnte dramatisch werden, wenn wir uns nicht an die Regeln halten und die Kapazitäten unseres Gesundheitssystems erschöpft sind.

Auf Grund der hohen Infektionsrate droht eine Extremsituation bei der medizinischen Versorgung. Ist diese Sorge begründet?

Die Anzahl der normalen Erkrankungen, wie Herzinfarkte, Schlaganfälle, Blinddarmentzündungen, Embolien, komplizierte Schwangerschaften und so weiter wird sich sicher nicht in Luft auflösen. Darin sehe ich das Problem. Sind unsere Krankenhäuser auf Grund der Corona-Krise überlastet und die Kapazitäten ausgeschöpft, droht eine Extremsituation. Und dann sitzen wir plötzlich ganz schnell alle im gleichen Boot. Dann interessiert sich ein Arzt sicher nicht für ein gebrochenes Bein oder Ähnliches.

Was sollen Sportler künftig machen, nachdem der Spiel- und Trainingsbetrieb eingestellt ist?

Ich würde versuchen, mich alleine fit zu halten. Dadurch stärke ich zudem mein Immunsystem. Trainingsumfänge von etwa 15 bis 25 Laufkilometern pro Woche (oder vergleichbare Umfänge in anderen Ausdauersportarten), verteilt auf drei bis vier Trainingseinheiten, sind optimal. Als Richtwert kann auch eine Herzfrequenz zwischen 110 bis 140 Schlägen pro Minute, abhängig von Alter und Sportart, angesehen werden. Am besten an der frischen Luft bei Sonnenschein. Die Lunge wird befeuchtet, und es ist gut für die Schleimhäute. Die Sonne regt die Vitamin-D-Produktion an und wirkt antiviral. Spaziergänge unter strengster Einhaltung der Ausgangseinschränkung würde ich auch empfehlen. Bei Heizungsluft trocknen die Schleimhäute aus und ich bin für Atemwegsinfekte anfälliger. Hochintensive oder erschöpfende Belastungen und Leistungssport können sich ungünstig auf das Immunsystem auszuwirken.

Was kann ich noch tun, um gesund zu bleiben?

Ich würde auf eine ausgewogene Ernährung achten, die reich an Vitaminen ist. Ernährung ist Verpflegung für unseren Körper und hat einen positiven Einfluss auf das Immunsystem. Vitamin C, Zink und Vitamin D sind in dieser Zeit extrem wichtig. Jeder sollte auch auf ausreichend Schlaf achten. Das Schlaf-Bedürfnis ist bei jedem Menschen individuell. Mancher braucht sechs Stunden Schlaf, ein anderer zwölf.

Interview: Christoph Seidl

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