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Dieter Clauß spielt die alten Filme des verstorbenen Türkenfelder Ortschronisten Georg Knoblauch auf einem Projektor ab und zeichnet sie dabei mit Hilfe eines Überspielobjektivs und einer Videokamera auf.

Porträt

Er ist der Retter der Türkenfelder Ortsgeschichte

Hunderte Stunden Ortsgeschichte schlummern auf den 110 Super-8-Filmen, die der verstorbene Türkenfelder Ortschronist Georg Knoblauch zwischen 1972 und 1997 aufgenommen hat. Um diese Schätze für die Zukunft zu sichern, hat sich Dieter Clauß eine Mammutaufgabe gestellt: die Digitalisierung der Filme.

Türkenfeld – Bisher hat er etwa ein Drittel des Materials auf eine Computer-Festplatte übertragen. „Der größte Feind ist der Staub“, sagt der 67-Jährige. Jeder Fussel, jedes Haar, das auf den Originalfilmen haftet, wird beim Überspielen „zum Riesen-Balken“. Dann heißt es anhalten, putzen, zurückspulen, von vorne anfangen.

Dieter Clauß‘ größter Feind ist der Staub. Jeder Fussel wird zum Problem. Dann heißt es anhalten, putzen, zurückspulen, von vorne anfangen. Mittlerweile ist ein Drittel des Materials digitalisiert.

Clauß spielt die Filme auf einem Projektor ab und zeichnet sie dabei mit Hilfe eines Überspielobjektivs und einer Videokamera auf. Ein weiteres Stück clevere Elektronik sorgt dafür, dass die unterschiedlichen Frequenzen synchronisiert werden – der Projektor läuft nämlich mit 18 Bildern pro Sekunde, die Videokamera mit 25.

1986 wurde ein Maibaum per Sonderzug nach Rostrup transportiert

Viele Stunden hat der Türkenfelder in den vergangenen fünf Jahren neben den Gerätschaften gesessen und aufgepasst, dass der Film nicht reißt oder abrutscht. Auf das Überspielen folgt die Weiterbearbeitung. Clauß hat aus dem digitalen Material bereits einige neue Filme zusammengeschnitten und den Türkenfeldern vorgeführt – zuletzt „Ein Dorf auf Reisen. Vom Ammersee ins Ammerland“, zweifellos eine außergewöhnliche Episode der Dorfgeschichte. 1986 transportierten 440 Türkenfelder per Sonderzug einen Maibaum zum befreundeten Schützenverein im niedersächsischen Rostrup. Die Idee war aus einer Bierlaune entstanden und mit Riesenaufwand und Spaß in die Tat umgesetzt worden.

Nicht alles an dem alten Filmmaterial ist so spektakulär. Ebenso akribisch hielt der umtriebige Georg Knoblauch Vereinsjubiläen, Weihnachts- und Geburtstagsfeiern fest. Clauß stieß auf endlose Szenen, die den jeweiligen Bürgermeister mit Geschenkkorb, mit Sektglas, händeschüttelnd mit Jubilaren zeigen – „das ist weniger interessant“. Doch es gibt auch Filme über den Bau der Wasserversorgung, die Festwoche von 1980 und andere Groß-Ereignisse – Material also, das für eine lebendige Ortschronik mehr als wertvoll ist.

„Seit 1986 wohnen wir hier, seit 1988 filme ich“, sagt Dieter Clauß.

Clauß schätzt, dass er noch Jahre an Arbeit vor sich hat. Dies auch deshalb, weil das Projekt Digitalisierung nebenbei laufen muss. Der EDV-Systemberater ist zwar im Ruhestand, hat aber mit Familie, Haus, Garten und seinem Hobby Elektronik genug zu tun. Außerdem ist er auch selber mit der Kamera im Dorf unterwegs, und das schon seit vielen Jahren.

„Seit 1986 wohnen wir hier, seit 1988 filme ich“, erzählt er. So hat er Erinnerungen an die 1250-Jahr-Feier, die Wiedereinweihung der Kirche und das Fischerstechen alle vier Jahre verewigt. Einmal im Jahr möchte er seinen Mitbürgern im Saal des Gasthauses Hartl einen neuen alten Film vorstellen – das Material wird ihm so schnell nicht ausgehen.

von Ulrike Osman

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