Bestattung mitten in der Natur: Ein Waldbesitzer will bei Althegnenberg einen Friedhof unter Bäumen einrichten. Die Urnen würden unter Bäumen vergraben. Grabpflege ist nicht nötig. Beispielfoto: dpa

Erster Friedwald Oberbayerns könnte in Althegnenberg entstehen

Althegnenberg - Alternative Bestattungsmethoden sind immer gefragter. In Althegnenberg will ein Waldbesitzer jetzt einen Urnen-Friedhof unter Bäumen einrichten.

Das kleine Dorf an der Grenze zu Schwaben könnte so zu einem Vorreiter in Oberbayern werden. Am Donnerstag entscheidet der Gemeinderat.

„Den Wald lässt man dafür größtenteils so wie er ist“, erklärt Ferdinand Freiherr von Wiedersperg-Leonrod aus Schmiechen (Kreis Aichach-Friedberg). Ihm gehört das fragliche Waldstück im Nordosten Althegnenbergs, das zur Ruhestätte für Verstorbene werden soll. „Ich habe im Fernsehen und im Waldbesitzerverbund mitbekommen, dass diese Idee immer mehr an Zulauf gewinnt“, berichtet er. Und so kam er auf den Gedanken, einen Friedwald in der Gemeinde zu schaffen.

19 Hektar Wald hinter dem Sportzentrum sollen zu einem Friedhof mitten in der Natur werden. Dort würden geeignete Bäume ausgewählt. Die können als letzte Ruhestätte gewählt werden. Für 99 Jahre ist die Grabstätte gesichert. Eine biologisch abbaubare Urne wird an den Wurzeln eingegraben. Die Grabpflege übernimmt die Natur. „Es kommt kein Grabschmuck hin“, sagt der Freiherr.

„Wenn man will, kann man aber eine kleine Tafel mit dem Namen am Baum anbringen lassen - die ist dann handtellergroß.“ Familien seien ja oft über ganz Europa verstreut, sagt der Waldbesitzer. Die Angehörigen müssten sich so keine Sorgen um die Grabpflege machen.

Das Argument von Kritikern, die Dorffriedhöfe würden so immer leerer, kann der Freiherr von Wiedersperg-Leonrod nicht verstehen. „Meistens sind das fremde Leute, die so ein Grab buchen.“ Viele Ortsansässige hätten Familiengräber und würden so dem herkömmlichen Friedhof treu bleiben.

Zwei große Anbieter für Naturbestattungen gibt es in Deutschland: Friedwald und Ruheforst. Mit welchem der beiden das Konzept in der Gemeinde realisiert werden würde, ist noch offen. Die Kosten für einen Platz unter einem Gemeinschaftsbaum liegen bei Friedwald zum Beispiel bei einmalig rund 800 Euro. Ein kompletter Familien- oder Freundesbaum kostet um die 3400 Euro.

Die Beerdigung kann je nach Wunsch des Verstorbenen organisiert werden: Auch mit einem katholischen oder evangelischen Pfarrer. Würde ein solcher Wald entstehen, wäre Althegnenberg ein Vorreiter: sowohl Friedwald als auch Ruheforst haben bis jetzt noch keinen Wald in Oberbayern im Programm.

Allerdings denken auch die Politiker in Puchheim, Germering und Gröbenzell darüber nach, in einem eigens ausgewiesenen Teil der Friedhöfe Baumbestattungen durchzuführen. Einen eigenen Naturfriedhof gibt es in noch keiner Kommune.

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