Erzabtei wird zum Energiespardorf

St. Ottilien - Schon seit einigen Jahren verfolgt das Kloster St. Ottilien das Ziel, durch gesteigerte Energieeffizienz seine Betriebskosten zu senken und die Umwelt zu entlasten.

Dabei hatten die Mönche ähnliche Schwierigkeiten und Widerstände zu überwinden wie weltliche Kommunen auch. Darüber referierte Bruder Josef Götz, der Cellerar des Klosters, im Rahmen einer Informationsveranstaltung.

Eine Bestandsaufnahme der Heizanlage brachte vor einigen Jahren vor allem eines ans Licht: Sie war mit einer installierten Leistung von fast vier Megawatt heillos überdimensioniert. Der Bedarf lag selbst bei strengem Frost nur bei der Hälfte. „Es war ungefähr so, als würde man mit einem Lkw zum Semmeln holen fahren“, so Bruder Josef. Drei getrennte Nahwärmenetze mit insgesamt neun Heizölkesseln versorgten die 45 Einzelgebäude des Klosterdorfs. Sie verschlangen jährlich weit über eine halbe Million Liter Heizöl und sorgten schon in den 1980er- Jahren für Brennstoffrechnungen von 75 000 Euro. „Was das heute kosten würde, kann sich jeder ausrechnen“, sagte Götz.

Heute hingegen beheizen zwei Hackschnitzel- und zwei Heizölkessel über ein Nahwärmenetz alle Gebäude. Das Holz stammt aus den eigenen Wäldern und sorgt für mehr als die Hälfte der benötigten Energie. Wenig genutzte Gebäudeteile werden von der Heizung abgekoppelt und bleiben kühl. „Wir haben überall viel Elektronik eingebaut, um die Anlage intelligent steuern zu können“, erläutert Bruder Josef. Der Energiebedarf hat sich seitdem halbiert, der CO2-Ausstoß sank um 80 Prozent.

Inzwischen läuft zudem die energetische Sanierung der Gebäude, für die man sich einen Zeitrahmen von zehn Jahren gesetzt hat. Das Exerzitienhaus und das Schulschwimmbad sind bereits isoliert, Gästehaus, Gymnasium und das Klostergebäude sollen folgen. Selbst in der Gärtnerei, die für ihre Gewächshäuser einen hohen Wärmebedarf hat, ist eine Reduzierung des Energieverbrauchs um 50 Prozent gelungen - durch die Umstellung auf Pflanzen, die bei zehn statt bei 16 Grad gedeihen. Strom produziert das Kloster mit Hilfe einer Biogasanlage, deren Abwärme im Sommer sogar die Arbeit der Heizkessel ersetzt. Als Substrat dient neben Mais und Holz vor allem die Gülle der eigenen Rinder und Hühner.

Alle Maßnahmen mussten basisdemokratisch vom Konvent abgesegnet werden. „Es gab die gleichen Widerstände wie in jedem Dorf“, erinnert sich Bruder Josef und zählt die Bedenken auf, die von Seiten der Mitbrüder geäußert worden seien: „Es ist zu laut, es stinkt, es sieht hässlich aus, es ist gefährlich.“ Er habe deshalb darauf geachtet, stets nur Einzelmaßnahmen zur Entscheidung zu bringen - nicht das gesamte Paket auf einmal.

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