Europa-Kritiker viertstärkste Kraft im Kreis

Fürstenfeldbruck - Die Wähler im Kreis haben entschieden, wen sie nach Europa schicken wollen - auch EU-Skeptiker. Obwohl vor Ort kaum vertreten wurde die AfD mit 9,2 Prozent viertstärkste Kraft.

Landkreis - „Alle Ergebnisse sind eigentlich gut und erfreulich. Nur das Ergebnis der AfD nicht“, kommentierte Kreis-Grünen-Sprecher Jan Halbauer das Ergebnis bei der Wahlparty im Landratsamt. Der Andrang aus Politik und Bevölkerung ließ gemessen an anderen Wahlen zu Wünschen übrig. Auch an den Urnen war der Trend leicht rückläufig. Die Wahlbeteiligung im Kreis sank von 47,4 leicht auf 46,4 Prozent sank.

Bei der Wahl gestern erzielten neben der SPD die Europa-Skeptiker die größten Zuwächse. Die CSU erlebte eine herbe Schlappe. Die FDP verlor auch massiv. Die Freien Wähler waren im Kreis im Jahr 2009 ebenfalls erfolgreicher gewesen als gestern.

Aber, natürlich: Die AfD. Jan Halbauer hält die Partei für gefährlich. Dies auch, weil sie unter anderem mit Plakaten aufgetreten war, die denen der rechtsradikalen NPD sehr nahe gekommen seien. Landrat Thomas Karmasin (CSU) führte den Erfolg der AfD auf einen europapopulistischen Protest-Wahlkampf zurück. Es sei nicht auszuschließen, dass die AfD irgendwann ein echtes Programm entwickle. „Es kann aber auch sein, dass ein solches Phänomen wieder verschwindet.“

Der Eichenauer Kandidat der AfD, Dirk Driesang, schaffte den Sprung nach Brüssel nicht, jubelte aber über sein Ergebnis gerade in seinem Heimatort Eichenau. „Wir sind angekommen. Das ist ein Grund zum Feiern.“

Das sah Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet (CSU) etwas anders. Er er glaubt, dass viele Wähler von der CSU zur AfD abgewandert seien. Die CSU müsse deutlicher zeigen, wofür sie stehe. Ähnlich sieht dies Landrat Karmasin. Der CSU habe die Kernbotschaft gefehlt, im Wahlkampf sei doch etwas laviert worden. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt, die den Landkreis im Bundestag vertritt, wies auf den zurückliegenden Wahlmarathon hin. Er habe nun doch ein Mobilisierungsproblem zu Folge gehabt.

Der Europakandidat der SPD, Jürgen Cullmann aus Mammendorf, war angesichts des kolossalen Ergebnisses seiner Partei begeistert, auch wenn es für ihn persönlich wegen seines wenig aussichtsreichen Listenplatzes erwartungsgemäß nicht gereicht hat. Die Personalisierung im Wahlkampf auf Martin Schultz habe sehr geholfen. Die Wähler hätten gezeigt, dass ihnen ein soziales Europa wichtig ist als ein Europa des Geldes.

Das schwache Abschneiden der FDP führte Kreis-Chef Klaus Rehbock auch auf die mangelnde Präsenz seiner Partei zurück. Wenn man kein Personal habe, keinen Wahlkampf mache und auch keine Themen besetze, dann sei ein Trend nicht umkehrbar. Als eher enttäuschend empfand das Abschneiden seiner Partei auch Hans Wieser (FW). Man müsse nun die Stärke der Freien in den einzelnen Bundesländern analysieren.

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