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Rainer Kaufmann

Ehemaliger Kreis-Obmann klagt an:

"Fantasten an der Spitze des Bauernverbands"

Zötzelhofen - Rainer Kaufmann (68) war früher Kreisobmann des Brucker Bauernverbands. Nach seinem Abschied von der großen Polit-Bühne zog er sich in den Hintergrund zurück. Jetzt nahm Kaufmann für viele überraschend an der Milch- Demo des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) in München teil – der Konkurrenzorganisation des Bauernverbands. Ein Gespräch mit dem Bullenmäster aus Zötzelhofen bei Maisach.

- Herr Kaufmann, obwohl Sie lange Jahre Repräsentant des Brucker Bauernverbands waren, haben Sie an der Traktor- Demonstration des BDM teilgenommen. Sind Sie zur Konkurrenz gewechselt?

Kaufmann: Ich habe den BDM nie als Konkurrenz empfunden. Mitgefahren bin ich aus purer Solidarität. Das sind auch meine Milchbauern. Und die lasse ich nicht im Stich. Außerdem ist die Meinungsführerschaft in der Milchfrage dem Bauernverband abhanden gekommen. Sie ist zum BDM übergegangen. Ich habe beobachtet, wie die BDM-Leute sich abgemüht haben. Anfangs waren das auch Tagträumer. Ich appelliere an sie: Kommt zurück in den Bauernverband und sorgt hier für Änderungen. Wir haben im Verband Leute an der Spitze, die vom Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Wir brauchen eine Kurskorrektur.

 - Eine Kursänderung in welche Richtung?

Kaufmann: Wir brauchen bei der Milch eine Mengensteuerung. Egal wie die dann heißt. Angebot und Nachfrage müssen einigermaßen zusammenpassen. Vor kurzem hat der Bauernverband noch getönt: Wenn Aldi zickt, liefern wir nach China. Diese Rechnung geht aber nicht auf. Denn wir haben die höchsten Produktionskosten überhaupt. Ich frage mich, welche Fantasten beim Verband am Ruder sind. Von unserem Standort mit seinen Kosten die Welt beliefern zu wollen, das ist wie die Quadratur des Kreises. Die Milchquote wurde immer wieder angepasst und verändert. Das hätte man wieder machen können. Wer glaubt,  dass der Preisverfall nichts mit dem Ende der Quote zu tun hat, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.

- Ganz allein an der Milchquote scheint Ihre Unzufriedenheit mit dem Bauernverband nicht zu liegen, richtig?

Kaufmann: Völlig richtig. Nehmen sie das Beispiel TTIP. Meine Nachfolger begrüßen das Freihandelsabkommen und sehen Chancen darin. Stellen Sie sich das mal vor! Ich verstehe die Welt nicht mehr! Die werden dabei wieder über den Tisch gezogen. Gegen die Schiedsgerichte, die TTIP vorsieht, waren die Hexenprozesse im Mittelalter hohe rechtsstaatliche Verfahren. Wie weit sind wir verdummt, dass wir unseren Rechtsstaat aufgeben wollen? Man kann unsere exzellente Rechtsprechung doch nicht für ein paar lumpige Euro aufgeben, die uns vorgegaukelt werden. Wenn es Vereinbarungen braucht, kann man sie bilateral regeln und lösen. Das Freihandelsabkommen TTIP gehört ersatzlos von der Agenda gestrichen.

 - Sie sind ja noch voll in den Themen drin! Kommen Sie zurück?

Kaufmann (schmunzelt): Ich war nie weg.

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