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Das gelbe Fairtrade-Stadt-Schild prangt nun auch in Olching. Stadtrat Andreas Hörl (v.l.) , Fairtrade-Referentin Carina Bischke, Stadtrat Alfred Münch, Dritter Bürgermeister Fritz Botzenhardt und Ehrenbürger Pfarrer Josef Aicher. 

Verleihung des Siegels

Fairtrade-Stadt – Olching ist jetzt auch dabei

 472 Kommunen in Deutschland dürfen sich derzeit Fairtrade-Stadt nennen. Jeden Monat kommen weitere hinzu. Seit Dienstagabend gehört auch Olching zu den Trägern des Siegels, das der Verein Transfair für jeweils zwei Jahre vergibt. 

Olching– Mit der Auszeichnung hat sich die Amperstadt zur Förderung des fairen Handels bekannt.

Weltweit gibt es insgesamt 2200 Fairtrade-Städte, sagte Fairtrade-Referentin Carina Bischke. Sie setzen sich für die Förderung des fairen Handels ein, sprich für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen von Kleinbauern sowie Beschäftigten auf Plantagen in Afrika, Asien und Lateinamerika. 1,6 Millionen Menschen profitieren inzwischen weltweit vo

m fairen Handel.

Den Weg zur Fairtrade-Stadt angestoßen hatte Stadtrat Alfred Münch (SPD). Zunächst wurde sein Antrag zwar abgelehnt, im Februar 2016 dann aber von Hauptausschuss und Stadtrat befürwortet. Daraufhin wurde eine Steuerungsgruppe ins Leben gerufen. Sie sollte Vereine, Schulen, Kirchen, Gastronomie-Betriebe und Gewerbe für den Fairtrade-Gedanken begeistern und dafür gewinnen, dass diese nur Produkte aus fairem Handel anbieten.

Münch machte am Dienstagabend noch einmal klar, warum es so wichtig sei, den Kleinbauern faire Preise für ihre Waren zu bezahlen. „Was würden wir machen, wenn wir in den Verhältnissen leben müssten, in denen die leben, die unsere billigen Produkte herstellen?“ Oliver Schuppach, der am Olchinger Gymnasium das Wahlfach „One World Project“ anbietet, wusste die Antwort. „Wenn die Menschen keine fairen Preise bekommen, kommen sie zu uns“, sagte er.

Fairtrade garantiert den in der Kampagne organisierten Bauern einen festen Mindestpreis für ihre Produkte, ein Preis, der die Kosten für eine nachhaltige Produktion deckt. Verboten sind dabei Zwangsarbeit und ausbeuterische Kinderarbeit. Die Produzenten erhalten aber nicht nur einen fairen Preis für ihre Waren, sie erhalten auch eine Prämie, die für Projekte verwendet werden muss, die der Gemeinschaft zugutekommen. So wurden beispielsweise Schulen aufgebaut und deren Lehrer bezahlt.

Wie wichtig dieser Mindestpreis ist, führte auch Olchings Ehrenbürger Pfarrer Josef Aicher, der gerade in der Stadt ist, den Anwesenden vor Augen. Der 84-Jährige ist seit nahezu 40 Jahren in einer Pfarrei im Kongo in Afrika aktiv. Der Bürgerkrieg zum Ende des vergangenen Jahrhunderts habe dort die gesamte Infrastruktur zusammenbrechen lassen, berichtete er. Zwar produzierten die Bauern eifrig, doch für ihre Erzeugnisse wie Reis oder Mais gebe es keine Abnehmer. Eine Situation, die so mancher Unternehmer versuche ausnutzen, so Aicher.

So habe eine Sozietät aus Tansania Kautschukproduzenten den Ankauf angeboten. Für eine Tonne Kautschuk, die auf dem Weltmarkt mit 3500 Dollar gehandelt wird, wollten sie 100 Dollar bezahlen. Die Situation für die Bauern sei trostlos, beziehungsweise sogar hoffnungslos, sagte Aicher. Doch „jeder kann im Rahmen seiner Einkommensverhältnisse etwas zum fairen Handel beitragen“, betonte Münch.

Dies haben unter anderem ein paar Gymnasiasten bewiesen. Im Rahmen des Wahlfachs „One World Project“ haben sie Mitschüler gefragt, welche Fairtrade-Produkte an der Schule angeboten werden sollten, und ob sie diese auch kaufen würden. Dann haben sie mit Kiosk- und Mensabetreiber verhandelt. Das Ergebnis: Am Gymnasium werden nun Kaffee, Bananen, Schokolade und Eis aus fairem Handel verkauft.(sus)

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