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Die Verteilung früherer Burgen im Kreis.

Der Historische Verein legt ein neues Buch vor

Fast verschwundenen Burgen auf der Spur

Fürstenfeldbruck - Als Burgenregion ist der Kreis Fürstenfeldbruck nicht gerade bekannt – zumindest wenn man unter Burgen nur Gemäuer à la Camelot oder Rheinfels versteht. Doch auch im Brucker Land haben Ritter und Edelleute des Mittelalters ihre Spuren hinterlassen. Der historische Verein hat nun ein Buch herausgebracht, in dem Burgen und Schlösser sowie ihre Geschichten gesammelt sind.

Über 50 historische Objekte haben die Mitglieder des Vereins in dem Band „Schlösser, Burgen und Burgställe im Landkreis“ dokumentiert. Das Buch mit Fotos und Grafiken ist 170 Seiten stark.

Wasserburg bei Aufkirchen

Die elf Autoren haben Bekanntes, Unbekanntes und auch einiges Spekulatives zusammengetragen. Denn gar nicht so selten gab es kaum mehr etwas oder gar nichts mehr zu dokumentieren. Den Hobby-Archäologen vom Arbeitskreis Mittelalter fiel auf, dass zahlreiche, früher noch detailliert beschriebene Relikte heute verschwunden sind. So die mutmaßliche Wasserburg unterhalb Aufkirchens (Gemeinde Egenhofen), an deren Standort laut Kirchenchronik ein Pfarrer noch Mauerwerk und ein Skelett gefunden haben soll. Heute sieht man nur noch einen flachen Hügel, der – das zeigen alte Karten – ehemals auf zwei Seiten vom Aubach umflossen wurde.

Die Haldenburg von Mammendorf

Oder die „Haldenburg“ von Mammendorf, von der noch 1790 Ruinen gestanden haben sollen. Heute erkennt man noch Begrenzungswälle auf zwei Seiten. Greifbarer ist noch die Burg Geggenpoint (Bruck), die vom Historischen Verein bereits einmal vermessen wurde. Aber auch hier zeigt Apians „Landtafel“ von 1563 noch Turm und Wohngebäude. Der Arbeitskreis Burgen im Verein kam vor über zwei Jahren zum ersten Mal zusammen, so Vereinschefin Anna Ulrike Bergheim. Der Landkreis wurde in einzelne Teilgebiete zerlegt. Dann begannen die Recherchen. Sie wurden teils in Archiven geführt, teils auch direkt vor Ort. In einigen Fällen gibt es relativ viele Dokumente. Hier stellt sich die Aufgabe des Entzifferns und Verstehens. Andernorts sind Schriftstücke entweder nie vorhanden gewesen, verschwunden, oder schlicht noch nicht wieder aufgetaucht.

Auf dem Holzweg

Das Titelbild: die neue Veste Nannhofen

Die Frage Burg oder nicht stellt sich an vielen Stellen im Landkreis, wo nur noch „auffällige Hügel“ oder „deutliche Geländekanten“ auf eine frühere befestigte Wohnanlage deuten. Auf unsicherem historischen Terrain steht beispielsweise die mögliche „Warte“ über der Brucker Zellhofstraße, die als Wachstation an der Amper gedient haben könnte. Außer Spuren von Erdaufschüttungen hat freilich nichts mehr Bestand. Auch der Burgstall in Englertshofen (Egenhofen), dort wo heute die Kirche steht, ist historisch nicht gesichert. Sehr wahrscheinlich handelt es sich aber um eine schon ältere künstliche Aufschüttung. Einen vergleichbaren Fall gibt es in Althegnenberg.

Viele der Burgen im Brucker Kreis bestanden aus Holz. Sie konnten die Zeit daher gar nicht überdauern. Übrig blieben jedoch manchmal steinerne Kapellen, wie etwa bei Roggenstein.

Nicht aber nur der Zahn der Zeit nagte an den Überresten der ehemaligen Herrensitze. Einige wurden überbaut (Nannhofen, Rottenfuß bei Egenhofen), andere mussten dem Bahnbau (Engelsburg) oder dem Kiesabbau (Alling) weichen oder wurden zum Friedhof (Dünzelbach). Auch durch Orkane und die angelegten Schotterwege zur Holzabfuhr wurden mancherorts (Burgholz bei Türkenfeld) Böden zerwühlt und Wall-Reste zerstört.

Die Rolle des Klosters Fürstenfeld

Die Burgen in der Region, obwohl auch im Hochmittelalter entstanden, hatten wenig gemein mit den gewaltigen Anlagen an Rhein oder Saale. In der Regel waren es mehrgeschossige Holzhäuser, umgeben von Palisaden, Wällen und Gräben. Die wenigen größeren Befestigungen (Parsberg oder Engelsburg) lagen in der Nähe von wichtigen Straßen. Spätestens mit dem Aufstieg des Klosters Fürstenfeld verlor auch der örtliche Adel an Bedeutung.

Anna Ulrike Bergheim hält das Büchlein auch für einen hübschen Wanderführer.

Dort, wo er blieb, wurden mit der beginnenden Neuzeit aus den alten Burgen repräsentative Schlösser – und die sind teils bis heute gut erhalten. Sowohl die in Privatbesitz (Esting, Geiselbullach, Holzkirchen, Weyhern) als auch jene, die inzwischen eine öffentliche Funktion haben. Als Schule (Grunertshofen) oder als Rathaus (Spielberg, Türkenfeld).

Insgesamt hat der Historische Verein für den Moment seine Möglichkeiten zur Burgenforschung erst einmal ausgereizt. Denn die Historiker graben meist nicht, dürfen das ohne Rücksprache mit dem Landesamt gar nicht.  Andererseits könnten neue Techniken aber auch neue Chancen eröffnen, sagt Historiker-Chefin Anna Ulrike Bergheim. Vor 20 Jahren etwa habe niemand gewusst, was ein Laserscan ist. Trotzdem wollen die Historiker an einer Fortsetzung arbeiten und sich im Jahr des 500-jährigen Bestehens des Reinheitsgebots mit Brauereien im Landkreis befassen. Solche gab es meistens wo? Natürlich in der Nähe von Adelssitzen.

Das Buch

„Schlösser, Burgen und Burgställe im Landkreis“ kostet 7,50 Euro. Es ist erhältlich im Museum Fürstenfeld, im Klosterladen Fürstenfeld, in der Buchhandlung Bräunling in Puchheim, in der Buchhandlung Lesezeichen in Germering und in „Der Buchladen“ in Olching. Per E-Mail bestellen kann man es auf der Homepage des Historischen Vereins.

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