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Steffen Eichler aus Bruck baut Dampfloks im Maßstab 1:4 selbst. Auf der Messe kutschierte er Besucher auf seinem Zug namens „Paulchen“ durch die Gegend.

Faszination Modellbau: Sie lieben Details

Fürstenfeldbruck – Horst Seehofer höchstpersönlich hat eine im Keller. Nein, es geht hier nicht um Leichen, sondern um Miniaturwelten. Bei der Modellbaumesse in Bruck zeigten Bastler, wie kunstvoll sie Großes in kleinen Maßstäben schaffen können – aus Papier, Lego und Metall.

Hier kann man an jeder Ecke in fremde Welten eintauchen. Auf der Modellbaumesse im Veranstaltungsforum sind Weltraumabenteuer neben Eisenbahner-Vergnügen zu finden – sebstverständlich alles in Miniaturform. Modellbauer aus dem kompletten süddeutschen Raum und sogar aus dem benachbarten Ausland sind angereist.

Besonders häufig bleiben die Messebesucher vor einem rund acht Meter langen, blau bezogenen Tisch stehen und staunen: Majestätisch liegt auf dem Scheinmeer aus Wolle das Kriegsschiff Bismarck. Aus über 80 000 Legosteinen hat der Gröbenzeller Michael Kittelmann das monströse Schlachtschiff zusammengebaut. Rund 20 Monate hat er zusammen mit seinen Söhnen an dem grauen Modell mit zusätzlichen Booten, mehreren Decks und Takelage gefeilt, das jetzt seine Kanonen einzeln bewegen kann.

Josef Mayer bastelt am Liebsten minikleine Modelle aus Papier. Das ist absolute Fitzelarbeit.

Angefangen hat die Bauleidenschaft ganz harmlos – in der Kindheit. Als Bub begann der heute 54-jährige Kittelmann, aus den bunten Plastiksteinen eigene kleine Miniaturen zu bauen. Als Jugendlicher gab er das Hobby vorerst auf, doch mit seinen Söhnen begann er schließlich wieder mit dem Legobauen. „Wir haben uns aber nie an den Plan gehalten, sondern immer der Phantasie freien Lauf gelassen“, freut sich Kittelmann.

„Wir haben alles gebaut, was man sich vorstellen kann.“ Irgendwann hätten dann die Söhne bemerkt, dass die bunten Steine nicht den Dingen entsprachen, die sie entwerfen wollten. Auch Kriegsschiffe seien grau, nicht rot, gelb und blau. So schafften Kittelmanns graue Steine an, später Pläne der echten Bismarck, außerdem Fotos, und entwarfen das Modell. Der Dachboden ist schon seit Langem ein reines Legozimmer. Was als nächstes gebaut wird, weiß Kittelmann noch nicht. „Wenn ich noch einmal so etwas Riesiges mache, bringt meine Frau mich um.“

Annette Pitsch (l.) und Christine Schmidt von den Münchner Legobauern sind eine von wenigen Frauen mit diesem Hobby.

Weit weniger Platz nimmt Josef Mayers Modellbauhobby ein. Von einer kleinen, hellen Lampe beleuchtet sitzt der Rosenheimer Molkereimeister mit einem skalpellähnlichen Bastelmesser an einem schmalen, teilweise bedruckten Papierbogen und schneidet bemerkenswert geduldig eine Kante ab. Er baut einen Teil der Chinesischen Mauer im Maßstab 1:1200 nach. Drei Türme und zwei verbindende Mauerelemente passen auf seine geöffnete Handfläche, als er das grazile Modell vorführt. „Das ist doch der Reiz dieser Art Modellbau: Ich halte die Welt in der Hand.“

Das Credo des 48-Jährigen ist klar: Je kleiner der Schnittbogen, desto größer ist die Herausforderung. Gerade der Werkstoff Papier sagt ihm sehr zu, erklärt Mayer. Er könne damit alles umsetzen und Papier sei leicht zu verarbeiten. Generell stehen aber gerade die kleinen bunten Legoteile bei der Brucker Schau hoch im Kurs. Sogar ein paar Damen gehören beim Münchner Legobauer-Verein „Bricking Bavaria“ zum Team.

Michael Kittelmann zeigt seine Bismarck.

Der Großteil seien allerdings immer noch Männer, erzählt Annette Pitsch, die aus kleinen Legosteinen feuerlöschergroße, bunte Legomännchen zusammengesetzt hat. Dass so wenige Frauen sich für diesen Freizeitvertreib begeistern, hängt für die 46-jährige Ingenieurin auch an der Erziehung. „Die Eltern denken schon, dass Lego was für Jungs ist. Die Mädchen sollen eher mit Puppen spielen.“ Aber heute erlebe sie, wie Lego sich immer mehr auch auf Mädchen ausrichte.

In ihrem größten Modell findet sich derweil ein klassisches Legothema in Eigenkreation wieder. In vier Jahren hat die Münchnerin mit ihrem Partner eine Ritterburg mit Turnierplatz, Zauberwald und Fachwerk geschaffen – ein kreativer Ausgleich zum Beruf. Oder wie Modellschiffbauer Kittelmann sagt: „Lego ist das kreativste Spielzeug, das man sich vorstellen kann.“

Maria-Mercedes Hering

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