Einweihung der Tragkraftspritze "TS 8/8" im Jahr 1956

Am Anfang mussten die Kameraden selbst Geld mitbringen

Türkenfelds Feuerwehr feiert 125-jähriges Bestehen

Türkenfeld – Damals, als die Türkenfelder Feuerwehr aus der Wiege gehoben wurde, war die Brandgefahr auf den Dörfern hoch und die Ausrüstung der Männer gegen die Flammen schlecht. Heute – 125 Jahre später – ist das zum Glück anders. Doch der Weg bis dahin war weit. Und spannend.

Als sich 1891 die ersten Freiwilligen zur Türkenfelder Feuerwehr zusammenschlossen, mussten sie noch Geld mitbringen. Zehn Pfennig im Monat zahlten die 39 Männer in die Vereinskasse. Große Sprünge konnte man damit nicht machen, und doch mussten Gerätschaften zum Feuerlöschen beschafft werden. Die Brandgefahr in den Dörfern war hoch und man hatte ihr wenig entgegenzusetzen.

Die aktuelle Mannschaft

„Es gab bereits im Königreich Bayern Brandschutzvorschriften“, berichtet Josef Naßl, der sich intensiv mit der Geschichte der Türkenfelder Wehr befasst hat. „Es musste zum Beispiel jeder einen Eimer daheim haben.“ Doch mit der Eimerkette war im Ernstfall kaum etwas zu retten. Nach verheerenden Bränden in den Nachbardörfern Eching und Beuern schaffte man in Türkenfeld deshalb lange vor der Gründung der Wehr eine „Feuerlöschmaschine“ an. Das urig aussehende Gefährt existiert heute nicht mehr, wohl aber eine Abbildung auf der Original-Quittung von 1839.

Die Saug- und Druckspritze wurde wenige Jahre nach der Gründung angeschafft.

Um technisch auf den neusten Stand zu kommen, kaufte sich die junge Feuerwehr bereits wenige Jahre nach ihrer Gründung eine Saug- und Druckspritze. Das Geld dafür wurde mit Hilfe einer Holzfällaktion im Gemeindewald beschafft. Das historische Löschgerät funktioniert bis heute und wird am Sonntag, 5. Juni, beim Festumzug zu Ehren des 125-jährigen Feuerwehrjubiläums zu sehen sein.

Ein Quantensprung in Sachen Löschtechnik gelang den Türkenfeldern 1956. Mit Hilfe einer neuen Tragkraftspritze konnte Wasser durch eine mehrere hundert Meter lange Schlauchleitung gepumpt werden. Somit stand erstmals der Dorfweiher als Wasserreservoir auch für Löscharbeiten im unteren Dorf zur Verfügung. Doch damit es am Weiher heiß hergeht, braucht es nicht unbedingt ein Feuer.

Alle vier Jahre verwandelt sich das stille Gewässer in einen Hexenkessel, wenn die Feuerwehr dort ihr Fischerstechen veranstaltet. Der Gaudi-Wettkampf, bei dem 16 Teams aus der gesamten Region gegeneinander antreten, wurde 1981 erstmals durchgeführt und findet mittlerweile im Abstand von vier Jahren statt – das nächste Mal 2019.

Das Fischerstechen ist nicht das einzige Alleinstellungsmerkmal der Türkenfelder Wehr. Ein weiteres ist die Unterbringung des Feuerwehrhauses im Nebengebäude des alten Fuggerschlosses. „Ein Vorteil des Standorts ist sicherlich die zentrale Lage mit entsprechend kurzen Ausrückzeiten“, sagt Josef Naßl. „Allerdings ist das Gebäude eigentlich ein bisschen zu klein für eine Feuerwehr unserer Größe.“ Tatsächlich gab es in den 1990er Jahren Pläne für einen Neubau, die dann aber aus Kostengründen verworfen wurden. Die Feuerwehr ist nicht böse drum.

Türkenfelder Feuerwehrleute im Jahr 1929 mit der damals neuen Motorspritze.

„Wir wollen gern am Standort bleiben, auch wenn wir platzmäßig am Limit sind“, so Naßl. Um die Räumlichkeiten optimal auszunutzen, wurden sie von den Aktiven mit erheblichem Aufwand modernisiert. Im Speicher beherbergt das Gebäude eine Atemschutzstrecke, die 1986 in Eigenregie angelegt wurde und damals die erste im Landkreis war. Noch heute sind die Türkenfelder ein bisschen stolz darauf, dass sie seinerzeit schneller waren als die größeren Wehren in Bruck oder Germering. Mittlerweile kommen Aktive aus fünf Landkreisen zu Belastungsübungen in der Türkenfelder Atemschutzstrecke. (Ulrike Osman)

Das Festprogramm

Donnerstag, 2. Juni: 18.30 Uhr Standkonzert vorm Schloss, 19 Uhr Einzug der Vereine ins Festzelt, 19.30 Eröffnung mit Bieranstich und Musik vom Blasorchester Türkenfeld, 21 Uhr Wettkampf im Masskrugstemmen und Wettsägen, ab 22 Uhr Barbetrieb. Freitag, 3. Juni: 19.30 Uhr Jetzendorfer Hinterhof Musikanten, ab 22 Uhr Bar. Samstag, 4. Juni: 11 bis 16 Uhr Kreisfeuerwehrtag mit Hubschrauberrundflügen über Türkenfeld und Umgebung, verschiedenen Ausstellern und vielem mehr, 14 bis 16 Uhr Jugendkonzerte mit verschiedenen Gruppen, 19 Uhr Blech trifft Strom – Bayrisch-Böhmisch Vorglühen, ab 21.30 Uhr Blaskapelle & Friends und Dirndlgschroa, ab 22 Uhr Bar. Sonntag, 5. Juni: 7 Uhr Weckruf, 8 Uhr Empfang der Vereine, Frühschoppen mit Weißwurstessen, 9.45 Uhr Kirchzug, 10.15 Uhr Gottesdienst, 11.30 Uhr Festumzug, ab 12.15 Uhr Musik im Zelt, ab 20 Uhr Gruppe „Haindling

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