Werner Fritzen vor dem Sportzentrum. Ohne ihn wäre es vielleicht nie entstanden.

Ehrenamtspreis: Mensch der Tat 

Finanz-Fuchs ermöglicht Verein Hallenbau

Mit gerade einmal 23 Jahren wurde Werner Fritzen Kassier beim TSV Unterpfaffenhofen-Germering. Mittlerweile ist er 70 Jahre alt – und immer noch für die Finanzen des größten Sportvereins im Landkreis zuständig. Für sein langjähriges Engagement hat der Germeringer bereits mehrere Auszeichnungen erhalten. Nun kommt der Ehrenamtspreis „Mensch der Tat“ der Brucker Bürgerstiftung hinzu.

Germering – Werner Fritzen ist ein Macher. „Wenn ich etwas mache, dann mache ich es gescheit und langfristig“, sagt der 70-Jährige und seine Augen funkeln dabei. Kein Wunder, dass der Germeringer seit fast fünf Jahrzehnten der erste Kassier des TSV UG ist – ein Amt, das gemeinhin als nicht so attraktiv gilt. Zumindest im Vergleich zu dem des Vorsitzenden, der den Verein nach außen hin repräsentiert. „Ich brauche kein Rampenlicht“, sagt Fritzen. Der Erfolg und der Zusammenhalt im Verein motivieren ihn.

Und erfolgreich war Fritzens Kassier-Karriere allemal. Hat er doch dafür gesorgt, dass der TSV Unterpfaffenhofen ein moderner Verein wurde, aus den roten Zahlen heraus kam und seit Anfang der 1990er-Jahre das Sportzentrum an der Alfons-Baumann-Straße sein Eigen nennen darf.

Der 70-Jährige kennt den TSV seit seiner Kindheit. „Mein Vater war seit Anfang der Faustballabteilung aktives Mitglied und zu den Spielen bin ich immer mitgegangen“, erzählt er. Später spielte er dann selbst Faustball. An einen Vorstandsposten habe er aber nie gedacht – bis 1973. Da klopfte der damalige Vorsitzende, Jakob Fritz, bei seinen Eltern an. Der TSV brauche einen Kassier, und Fritzen als gelernter Bankkaufmann sei genau der Richtige für den Job. „Ich wurde quasi dazu überredet“, sagt Werner Fritzen und lacht.

Bereut hat er das in all den Jahren nie. „Ich wollte nie hinschmeißen“, sagt er. „Es hat mir einfach Spaß gemacht.“ Zudem lerne man ständig etwas dazu. „Man bleibt fit. Das mag ich.“

Als 23-jähriger Jungspund, die anderen Vorstandsmitglieder waren alle viel älter, schlug Fritzen Gegenwind, aber auf der anderen Seite auch viel Vertrauen entgegen. „Der macht das schon, hieß es immer“, erinnert sich der 70-Jährige. Und der neue Kassier machte.

Der Verein, der damals knapp 1500 Mitglieder hatte – heute sind es 5700 – , stand in der Kreide bei der Sparkasse und der Raiffeisenbank. „Das und einiges mehr galt es zu regeln“, erzählt Fritzen, der damals ein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt absolvierte. Und so wurden im Laufe der Zeit aus den roten Zahlen schwarze Zahlen.

Doch auch in puncto Modernisierung der Mitgliederverwaltung packte Fritzen an: Er schaffte die Karteikarten ab und führte ein EDV-System ein. So konnte bereits 1974 die jährliche Bestandsmeldung für den Dachverband BLSV computerunterstützt erstellt werden.

„Davor hat man sich immer beim Vorsitzenden getroffen und eine Nacht lang die Karteikarten gesichtet“, erzählt Fritzen. Zudem führte er ein, dass die Mitgliedsbeiträge per Lastschrift eingezogen wurden. „Vorher ist der Kassier mit der Blechkassette und dem Kassenbuch unterm Arm ins Training und hat die Beiträge eingesammelt.“

Fritzens größte Herausforderung war aber der Bau des Sportzentrums. Die alte Halle
an der Otto-Wagner-Straße, die aus den 1930er-Jahren stammte, war zu klein und in die Jahre gekommen. Immer wieder musste dort saniert werden.

1985 tat sich dann eine Lösung des Problems auf: Die Stadt Germering wollte das Grundstück kaufen. Im Austausch sollte der Verein das Areal an der Alfons-Baumann-Straße erhalten. „Es gab jede Menge Widerstand bei den Alteingesessenen. Wer gibt schon gern die Heimat auf?“, erinnert sich Fritzen.
Doch mit viel Überzeugungskraft, Verhandlungsgeschick und auch finanziellem Know-How gelang es Fritzen, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. 1989 stand die Finanzierung, 1990 war Spatenstich, zwei Jahre später nahm das Sportzentrum seinen Betrieb auf.

Auf die Frage, wie viel Zeit ihn das alles gekostet habe, lacht der 70-Jährige nur und meint: „Das war gar nicht so dramatisch.“ Montagabend sei sein TSV-Tag gewesen. „Da bin ich zum Jackl (der Vorsitzende) und habe mit ihm besprochen, was ansteht und was ich so plane.“ Einiges habe er auch immer in seiner Mittagspause erledigt.

Unterstützt wurde er von seiner Ehefrau Angela. Die hatte Fritzen – wie könnte es anders sein – beim TSV kennengelernt. „Sie war Turnerin. Von daher war jegliches Verständnis für den Verein vorhanden.“ Gemeinsam mit ihr hat er vor über 30 Jahren das erste TSV-Büro eingerichtet, eine Institution, die heute nicht mehr wegzudenken ist.

Mindestens zwei Mal die Woche ist Fritzen im Sportzentrum zu finden. Er holt die Post und schaut nach dem Rechten. Er sei generell ein aktiver Mensch. „Ich bin jeden Tag draußen – egal ob radeln oder spaziergehen.“ Kraft tankt er im Chiemgau. Dort besitzt er seit 40 Jahren eine Wohnung. „Das ist ein Stück Freiheit für mich. Da krieg ich den Kopf frei.“

2021 stehen Neuwahlen beim TSV an. Diese Gelegenheit will Fritzen nutzen, um etwas kürzer zu treten – aber nur etwas: „Ich mache einen Side-Step und werde 2. Kassier“, erklärt er. „Ich bleibe schon noch da. Ich muss ja auf meine Buben aufpassen.“

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