Wiesn-Ticker: Fahrgeschäft wegen Störung außer Betrieb - und es ist ausgerechnet dieses

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Überacker

Finanz-Poker um Tierstation

Trotz Finanzspritze aus dem Landratsamt stehen die Tierfreunde Brucker Land vor dem Aus: Die Bürgermeister lehnen es ab, je Ort und Einwohner 50 Cent an die Tierschützer zu zahlen. Diese zeigen sich entsetzt, empört und ratlos – und haben einen Aufnahmestopp verhängt.

Maisach - 7200 Euro im Jahr bekommen die Tierfreunde Brucker Land künftig vom Landkreis, um damit eine 450-Euro-Kraft bezahlen zu können. Das ist nötig, weil die bisherige Vorsitzende Heidi Minderlein die Station in Überacker nicht mehr länger leiten kann und weil alle Versuche, einen Nachfolger zu finden, gescheitert sind. Landrat Thomas Karmasin glaubte schon, die Station in Überacker damit gerettet zu haben. Jetzt aber wird deutlich: Eine 450-Euro-Kraft reicht nicht aus, um alle Aufgaben zu erfüllen. Zusätzlich nötig wäre eine Tierheimleitung in Vollzeit.

Die Tierfreunde hatten deshalb auch auf Hilfe von den Bürgermeistern gehofft – in anderen Landkreisen sei die 50-Cent-Abgabe üblich. Denn die Tierfreunde versorgen auch Fund-Tiere, um die sich eigentlich die Kommunen kümmern müssten. „Ist den Bürgermeistern denn bewusst, was jetzt auf sie zukommt? Sie sollten schnell ein Zimmer im Rathaus für Fundtiere herrichten, die künftig bei den Fundämtern abgegeben werden müssen,“ sagt Heidi Minderlein.

Hans Seidl, stellvertretender Chef des Gemeindetags im Kreis und Bürgermeister von Maisach, betont, dass noch kein Beschluss in der 50-Cent-Anfrage gefallen ist. Allerdings sei die Bereitschaft der Bürgermeister, einen solchen Betrag zu bezahlen, sehr gering. Der Aufwand, den die Gemeinden in Zusammenhang mit Fundtieren betreiben müssten, sei deutlich geringer als die geforderten 50 Cent je Einwohner.

Viele Kommunen hätten schon jetzt Mittel und Wege, Fundtiere unterzubringen – etwa in Münchner Tierheimen. Dazu komme, dass die Tierfreunde Brucker Land nicht alle Tierarten aufnehmen könnten.

Man könne es den Kommunen nicht verdenken, wenn sie kühl rechneten, sagte Seidl. Er bescheinigt den Tierfreunden, deren Auffangstation ja in seiner Gemeinde beheimatet ist und von Maisach auch unterstützt wird, gleichzeitig eine Super-Arbeit und riesige Hingabe.

Seidl berichtet freilich auch davon, dass viele Kommunen gar nicht wüssten, wie viele Fundtiere ihnen die Tierfreunde abnehmen. Denn, vereinfacht gesagt: Wer jetzt eine entlaufene Katze findet, geht ja nicht zur jeweiligen Stadt- oder Gemeindeverwaltung, sondern oft direkt zur Tierstation. Wie viele Tiere bei den Tierfreunden landen, um die sich die Kommunen kümmern müssten, bleibt unklar, da nie Rechnungen gestellt wurden.

Die Tierfreunde selbst wissen jetzt nicht, wie es weitergeht. Sie erinnern daran, dass 80 Prozent ihrer Schützlinge Tiere sind, die einfach abgegeben wurden. Dazu kämen noch die Notfälle, wie neulich, als die Polizei um einen Platz für die Katze eines verstorbenen Mannes gebeten habe. Heidi Minderlein, die ihre ganze Kraft in die Tierauffangstation gesteckt hat, fürchtet, dass ihr Lebenswerk den Bach runtergeht.

Seidl selbst gibt sich auch nicht besonders optimistisch. Wenn man den ehrenamtlich Aufwand der jetzigen Tierfreunde-Führung ausgleichen wollte, dann bräuchte man vier hauptamtliche Stellen, sagte er. Vielleicht müsse man das System ändern. (st)

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