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Auf dem alten Arbeitsplatz: Den Schleudersitz aus der Fiat G.91, die er selbst geflogen hatte, holte Henning Remmers zusammen mit anderen Erinnerungsstücken aus seinem Keller. Er war eines der ersten Exponate der heutigen Sammlung.

Wunsch nach einem echten Museum

Flieger sorgen sich um Fursty-Sammlung

Sie ist die Keimzelle eines möglichen Fliegerhorst-Museums. Im Captain-Higgins-Gebäude am Fliegerhorst ist die private militärhistorische Sammlung der Traditionsgemeinschaft Fursty untergebracht.

Fürstenfeldbruck– Das Captain-Higgins-Gebäude liegt nahe der Einfahrt zum Fliegerhorst, auf linker Seite. Eine alte Schule, in der die Amerikaner einst die Kinder ihrer Besatzungskräfte unterrichteten und später die Flugschüler Theorie paukten. Auch Henning Remmers hat dort die Schulbank gedrückt und später selbst junge Fluganwärter eingewiesen. „Dass ich einmal den Schlüssel zu diesem Gebäude bekommen würde, hätte ich damals nie gedacht“, erzählt der Oberstleutnant a.D.. Doch heute ist der 76-Jährige wieder oft dort und führt gemeinsam mit Harald Meyer Menschen durch die kleine private militärgeschichtliche Sammlung.

Remmers ist der Gründer und Leiter des kleinen Museums, wie er selbst die Sammlung nennt. Die Geschichte dazu beginnt wieder mit den Amerikanern. Die hatten früher die gute Tradition der Flightline-Party kurz vor Weihnachten. Bei der großen Sause dankten sie allen Angestellten und Soldaten für das gelaufene Jahr. „Es war ein rauschendes Fest“, erzählt Remmers. Um diese Tradition aufrechtzuerhalten, wurde die Traditionsgemeinschaft Jagdbombergeschwader 49 (Jabog) gegründet. Sie organisierte die Partys weiter und zeigte eine kleine Sammlung der Standortverwaltung. „Viele Menschen kommen und erinnern sich an ihre Geschichte“, erzählt Remmers. „Das war die Geburtsstunde der privaten militärgeschichtlichen Sammlung.“

Den Auftrag, dieses kleine Museum dauerhaft einzurichten, erhielt Remmers. „Ich habe meine Frau gefragt: Was soll ich nur zeigen?“, erinnert sich der 76-Jährige. „Sie meinte: Räum’ erstmal deinen Keller leer.“ Und in der Tat: Dort lag einiges, was Remmers in alter Verbundenheit nicht hatte weggeben wollen. Ein alter Schleudersitz der Fiat G.91, die Remmers selbst geflogen hat. Oder eine alte Uniform und das Armaturenbrett des Kampfjets, das ihm ein Bekannter organisiert hatte.

„Ich ging mit offenen Augen durch Fursty und sammelte Mobiliar“, erzählt der Oberstleutnant. Pokale, Fotos, Plakate und viele kleine Exponate liegen nun in den Räumen. Die Gäste der Führungen sitzen auf Stühlen aus dem Unteroffiziersheim, die Vitrinen für die Pokale konnte er gerade noch vor der Vernichtung retten.

Inzwischen hat die Sammlung im Captain-Higgins-Gebäude ihre Heimat gefunden. Am Eingang empfangen die Besucher 16 Flaggen. Sie zeigen die Nationen, aus denen die Amerikaner Fluglehrer geschult haben. Im Gang hängt die Hall of Fame: alle Jahrgänge der Flieger-Lehrgänge mit Namen und Fotos, soweit sie rekonstruierbar waren. Viele entdecken den einen oder anderen Bekannten auf einem Bild.

Noch immer kommen weitere Exponate hinzu. Das neue Prachtstück der Ausstellung steht im ersten Saal: ein Modell des Fliegerhorstes, gebaut von Angehörigen der Fliegerhorst-Feuerwehr im Jahr 1954. Anhand dessen kann Remmers die Geschichte von Fursty erzählen, etwa dass es die Fliegerschule des Dritten Reichs werden sollte. Bei aller Auseinandersetzung mit der Vergangenheit: „Dass dort auch nationalsozialistisches Gedankengut gelehrt wurde, ist unausweichlich.“ Doch es ist nur ein Teil der Geschichte. Und die Amerikaner hatten schon im Kopf, Fursty weiter zu nutzen. Denn beim Bombenangriff am 9. April 1945 hätten sie nur die Start- und Landebahn zerstört.

Die Traditionsgemeinschaft Jabog 49 hat sich inzwischen in Traditionsgemeinschaft Fursty umbenannt. Auch die IG Fursty um ihren Gründer Helmut Predeschly ist dazu gestoßen. Der Verein hat im ersten Stock des Higgins-Gebäudes ebenfalls Ausstellungsräume bekommen. Remmers hofft, dass man die Sammlung bald gemeinsam zeigen kann – denn Predeschly und seine Kollegen befassen sich mit der Geschichte von Fursty, während die Jabog eher den fliegerischen Aspekt im Blick hat. Die Flaggen im Eingangsbereich und das große Modell stammen aus Predeschlys Sammlung. Doch Remmers bedauert, dass in den Räumen noch nicht viel passiert ist.

Mit Bauchschmerzen denkt er an die Zukunft der Sammlung. „Ich habe schlaflose Nächte und frage mich, was nach 2023 passiert.“ Denn den Bewohnern des neuen Stadtviertels, das nach Abzug der Bundeswehr entstehen soll, müsse man doch Anschauungsunterricht geben, was dort früher passiert sei. Die Stadt müsse ein Museum gründen. „Aber es passiert nichts.“ Viele Exponate seien Leihgaben. „Es wäre schade, wenn wir das alles wegwerfen müssten.“ imu

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