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Rund 30 Flüchtlinge protestierten in Bruck.

Aktion gegen Wachleute

Flüchtlinge demonstrieren vor Eingang zur Fursty-Unterkunft

Um die 30 Flüchtlinge haben am Mittwoch vor dem Eingang zur Asylunterkunft am Fliegerhorst demonstriert. Sie forderten eine bessere Behandlung von Asylbewerbern, die Abschaffung von Lagern und das Ende von Kontrollen am Eingang zur Unterkunft.

Fürstenfeldbruck – Auf große Resonanz stießen die angereisten Demonstranten der Vereinigung „Refugee Struggle for Freedom“ nicht. Etwa zehn Flüchtlinge aus der Fliegerhorst-Unterkunft gesellten sich zu ihnen. Andere Fursty-Flüchtlinge beobachteten das Geschehen vom Gelände aus, wieder andere gingen (oder radelten) einfach ihrer Wege. Während der Demo fuhren immer wieder Handwerker respektive Helfer an den Protestierenden vorbei zur Unterkunft, um ihrer Arbeit im Asyl-Heim nachzugehen. Die Polizei beobachtete das Geschehen, wobei formal keine Verstöße zu bemerken waren: Die Demonstranten blieben auf dem ihnen zugewiesenen Platz, die Veranstaltung war friedlich. Der Sicherheitsdienst sorgte dafür, dass die Einsatzkräfte warmen Kaffee an einem kühlen Vormittag bekamen.

Anlass für die Aktion war ein Vorfall, der letztlich wohl nicht mehr ganz zu klären sein wird. Ein Asylbewerber aus Sierra Leone hatte behauptet, vom für Gewaltakte insgesamt nicht gerade bekannten Fursty-Sicherheitsdienst niedergeschlagen worden zu sein. Fakt laut Polizei ist, dass beim anschließenden Krankenhausaufenthalt bei dem Mann keinerlei Verletzungen festgestellt wurden. Nach Tagblatt-Informationen hatte der betreffende Flüchtling zuvor eine Ausreiseaufforderung bekommen.

Die Demonstranten hatten einige Transparente dabei. „Lager abschaffen“, stand auf einem. „Revolutionäre Solidarität heißt, die Kämpfe zu jeder Zeit an jedem Ort zu führen“, auf einem anderen. Sie skandierten unter anderem die Worte „internationale Solidarität“.

Verschiedene Redner versuchten, via Megafon ihre Botschaften darzulegen, was auch aufgrund der Sprachbarriere nicht immer gelang. Eine Rednerin betonte, dass Geflüchtete Menschen seien und dass auch Deutsche einst Hilfe erhalten hätten. Sie kritisierte Waffenlieferungen und den Kolonialismus. Eine der Rednerinnen wurde verbal regelrecht ausfällig (siehe Kommentar), als sie die wenigen Zuhörer – die meisten stammten von Polizei oder Presse – aufforderte, sich zu schämen und zu Schimpfworten griff.

Die Demo dauerte von etwa 11.15 bis 12.30 Uhr. Dann zogen die Protestierenden wieder ab – und die Fursty-Flüchtlinge stellten sich am Eingang zur Unterkunft zur Kontrolle auf. Im Vorfeld der Demo hatte die Polizei den Protestierenden erklärt, wo überhaupt der Eingang zur Flüchtlingsunterkunft liegt. Sie wären möglicherweise sonst zur Hauptwache des Fliegerhorsts marschiert.  st


Kommentar: Das war ein Bärendienst

Die Isolation der Fursty-Flüchtlinge zu durchbrechen, war eines der Ziele der Demonstranten. Das haben sie sicher nicht erreicht, ganz im Gegenteil, wenn von Isolation überhaupt die Rede sein kann. Diese Demonstration hat den Geflüchteten vielmehr einen Bärendienst erwiesen. 

So erntet man keine Zustimmung und keine Sympathie und auch keine Hilfsbereitschaft, sondern nur Gegenreaktionen. Wer die Unterkunft am Fliegerhorst als Gefängnis bezeichnet, erzählt blanken Mist (das Gegenteil war ja live zu beobachten). 

Und wenn sich Menschen, die für Freiheit, Recht und Ordnung stehen, unsinnige, teils nicht mehr erträgliche Vorhaltungen anhören müssen, dann schmerzt das doch in einer Weise, die man erst einmal aushalten muss. Dieses zu tun, entspricht freilich dem Wesen der Demokratie. (st)

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