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Lucia Gistl.

Besondere Abschlussarbeit

Flüchtlinge im Fokus einer jungen Fotografin

Nassenhausen - Eigentlich wollte Lucia Gistl nie Fotografin werden. Doch nun hat sie es gleich mit ihrer Abschlussarbeit - Porträts der in Mammendorf lebenden Flüchtlinge - zu einer Ausstellung gebracht.

Fotografieren ist schon lange ein Hobby von Lucia Gistl. Eine Ausbildung wollte sie aber nicht machen. „Weil es eine brotlose Kunst ist.“ Da sie nach dem Fachabitur aber noch nicht wusste, was sie genau machen will, hat sie sich doch für eine Fotografen-Ausbildung beworben – „aus Jux“, wie sie sagt.

Mor hat nach langen Wirren eine Arbeit in einer Bäckerei gefunden. Er muss aber wohl zurück in den Senegal. 

Mit ihrer Abschlussarbeit zeigte sie nun ihr großes Talent hinter der Kamera. „Ich fotografiere gerne Menschen“, erzählt die 21-Jährige, die in ihrer Freizeit Gitarre spielt und beim SV Adelshofen im Fußball-Tor steht. „Ich mag den Kontakt mit anderen.“ Da lag es nahe, Porträts zum Gegenstand ihrer Prüfungsarbeit zu machen.

Ihre Motive begegnen ihr jeden Tag

Ihre Motive begegneten ihr dabei praktisch jeden Tag. „Wir haben viele Flüchtlinge in Mammendorf“, erzählt sie. „Man sieht sie aber immer nur auf der Straße rumlaufen und kennt sie nicht wirklich.“ Das wollte sie ändern.

„Es ist kein einfaches Thema“, berichtet die junge Frau. „Man kann schließlich nicht einfach hingehen und die Leute fotografieren.“ Über den Asylhelferkreis kam sie schließlich in Kontakt mit den Menschen aus Syrien, dem Senegal und zahlreichen anderen Krisengebieten weltweit. „Es haben sich viele Flüchtlinge gemeldet und Interesse gezeigt, an der Foto-Reportage mitzumachen“, erzählt Lucia Gistl.

Ihr ging es bei ihren Bildern darum, die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Deshalb hat sie nur Schwarz-Weiß-Aufnahmen gemacht. „Ich wollte von nichts ablenken und den Fokus auf die Personen und deren Ausdruck legen.“

So entstanden intensive, fast intime Bilder – zum Beispiel eines Vaters mit seiner Tochter im Arm oder einer Frau beim Nähen, die Lucia Gistl zu kleinen Collagen mit zwei bis drei Bildern zusammenstellte. Die Arbeiten waren auf dem Mammendorfer Christkindlmarkt zu sehen – ihre erste Ausstellung.

Geschichten berühren sie

Taofeek und Miriam: Vater und Tochter in liebevoller Umarmung.

Die Geschichten der Menschen haben die 21-Jährige berührt: „Wenn man hört, was sie erlebt haben, weiß man erst, wie gut es uns geht.“ Traurig stimmt sie die Geschichte von Mor, einem jungen Senegalesen, der nach langen Wirren sogar eine Arbeit gefunden hat. „Aber nun muss er wahrscheinlich wieder gehen, weil der Senegal als sicheres Ursprungsland gilt“, erzählt die 21-Jährige.

Neben den Fotos und Erzählungen bekam die junge Fotografin aber noch etwas anderes: nämlich engen Kontakt zu den Asylbewerbern – und neue Freundschaften. „Ich mache viel mit den Flüchtlingen“, erzählt Lucia Gistl. Seit ihrer Foto-Reportage engagiert sich die Nassenhausenerin im Helferkreis, unterstützt die Asylbewerber im Alltag und macht mit bei einer Trommlergruppe. Gelebte Integration.

Beruflich will Lucia Gistl nun vorerst doch bei der Fotografie bleiben: „Ich mache derzeit ein Praktikum bei einer Foto-Journalistin.“ Außerdem spart sie Geld für eine große Reise. „Ich will Fotografieren und Reisen verbinden“, erzählt sie. Ihr schwebt ein eigener Internet-Blog vor, in dem sie ihre Bilder veröffentlicht.

Für die Zeit danach kann sich Lucia Gistl ein Studium vorstellen. „In welche Richtung das gehen soll, weiß aber noch nicht.“ Gut möglich, dass es wieder etwas mit Kontakt zu Menschen wird.

von Andreas Daschner

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