Vergleich mit Pasing

SPD fordert: Mehr Stadtgefühl in Germering entwickeln

Germering - SPD-Mitgliederversammlung thematisiert Zentrums-Planungen – Altbürgermeister verweist auf Anziehungskraft Pasings

Innenstadtentwicklung ist ein Geschäft, das einen langen Atem braucht. Dass dies ebenfalls für die Neugestaltung in Germering gilt, weiß auch der frühere Oberbürgermeister Peter Braun. In einer öffentlich abgehaltenen SPD-Mitgliederversammlung verwies Braun auf ein ähnliches Projekt im Münchner Westen: „In Pasing hat es mit der Umgestaltung mehrere Jahrzehnte gedauert.“

In der von rund 30 Bürgern besuchten Versammlung war man sich weitgehend einig, dass Pasing in Bezug auf die Anziehungskraft Vorteile habe: Die Kunden kommen dort mit mehreren S- und Straßenbahnlinien an, zudem ist der Bahnhof dort ein Haltepunkt für regionale und überregionale Züge. Für Architekt Rudolf M. Graf, der die Entwürfe für die Germeringer Planungen erläuterte, steht deshalb fest: „Germering wird Pasing nicht das Wasser abgraben können.“ Derartige Einschätzungen seien zu optimistisch.

Innerstädtisch könne das Projekt dagegen bestehen, wie SPD-Stadträtin Tinka Rausch erläuterte: „Die Germeringer Einkaufspassage (GEP) und das Zentrum nehmen sich nichts weg.“ Da sei noch Potenzial vorhanden.

Eine Absage erteilte sie dagegen den Gedankenspielen einiger anwesender Nichtmitglieder, das Rathaus ebenfalls ins Zentrum zu verlegen. Man habe das Gebäude der Stadtverwaltung gerade erst für viel Geld saniert. „Es gibt keine Umzugspläne, auch weil großer Bedarf bei Schulen und Kinderbetreuung besteht“, sagte Rausch.

Für Architekt Graf liegt die Idee jedoch nicht im Bereich des Utopischen. Ein Rathaus gehöre in die Innenstadt. „Ich würde es dahin setzen, wo es hingehört“, sagte Graf. Das Gebäude am jetzigen Standort könnte seiner Ansicht nach anderweitig verwertet werden. Er könne sich im jetzigen Rathaus Geschäfte oder sogar ein Hotel vorstellen.

Das war ein Hinweis auch darauf, dass der im Bereich der Stadthalle angedachte Hotelbau immer noch für Aufregung sorgt. Die Planungen von 2008 sitzen laut SPD-Ortschef Klaus-Peter Müller noch „zu sehr in den Köpfen fest“. Damals war tatsächlich von einem wuchtigen und hohen Bau die Rede. Dies sei ja nun nicht mehr der Fall. „Darauf müssen wir hinweisen, da muss die Politik die Bürger abholen“, meinte Müller, der sich gegenüber dem Merkur für einen Marktplatz an zentraler Stelle aussprach. „Allerdings ist auch der Bedarf für ein Hotel nachvollziehbar.“

Jürgen Biffar, Vorsitzender des Gewerbeverbandes, sieht ebenfalls die Notwendigkeit, die Innenstadt zu beleben. „Dazu braucht sie Anziehungspunkte mit attraktiven Angeboten. So kann das Projekt gelingen.“ Dazu müssten laut Architekt Graf auch die Bürger das Bewusstsein für ihre Umgebung ändern: „Die Germeringer verstehen sich noch nicht so als Städter, das muss sich ändern.“

von Hans Kürzl

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