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Claudia Müller

Forderung nach mehr Einsatz für Öko-Flächen

Die Folgen baulicher Eingriffe in die Natur sollen durch Ausgleichsflächen minimiert werden. Für die Stadt Germering kümmert sich eine Biologin um diese Flächen. Aus dem Bund Naturschutz (BN) kommt jetzt die Forderung, sie als Naturschutzfachkraft fest anzustellen. Das halten selbst Grünen-Stadträte für überflüssig.

Vortragsabend

Forderung nach mehr Einsatz für Öko-Flächen

Die Folgen baulicher Eingriffe in die Natur sollen durch Ausgleichsflächen minimiert werden. Für die Stadt Germering kümmert sich eine Biologin um diese Flächen. Aus dem Bund Naturschutz (BN) kommt jetzt die Forderung, sie als Naturschutzfachkraft fest anzustellen. Das halten selbst Grünen-Stadträte für überflüssig.

Von Hans Kürzl

Germering – Ein Baumarkt, ein Gartencenter, ein Autohaus und ein Logistikzentrum – auch die Diplom-Biologin Claudia Müller hat diese Gebäude auf dem Schirm. Und sie sieht durchaus auch die Notwendigkeit, neuen Wohnraum zu schaffen. Doch: „Die Natur muss weiter atmen können, damit auch die Menschen Luft holen können“, sagt Müller, die sich im Auftrag der Stadt um die Betreuung von ökologischen Ausgleichsflächen kümmert, vor knapp 30 Besuchern einer Veranstaltung des Bund Naturschutz (BN) im Nachtasyl der Stadthalle.

Ausgleichsflächen müssen von denen nachgewiesen werden, die mit baulichen Maßnahmen an anderer Stelle Grün reduzieren. Bei städtischen Ausgleichsmaßnahmen achtet Müller sehr darauf, dass die Flächen stadtnah platziert werden. „Sie verbessern den Luftaustausch und damit die Lufthygiene“, erklärt sie den Besuchern der BN-Veranstaltung. Das Grün binde Staub und sorge außerdem für eine gewisse Luftzirkulation.

Wie wichtig das ebenso für den direkten Innenstadtbereich um Stadthalle und Kleinen Stachus sei, macht die Diplom-Biologin an einer Zahl fest: „Im Zentrum herrscht in 56 Prozent aller Stunden Windstille. Da ist es schwer, eine ausreichende Lufthygiene zu schaffen.“ Eine starke Erwärmung im Zentrum könne die Folge sein.

Daher sei jede Möglichkeit, etwas zu bepflanzen, zu begrüßen. Eine Dachbegrünung könne da einen Beitrag leisten. „Solche kleinförmigen Strukturen können mithelfen, dass sich die Bürger besser fühlen“, sagte Müller. Aber es müsse viele solcher Stellen geben, Hier fügt sie einen Satz ein, der so oder ähnlich immer wieder kommt: „Naturschutz ist Menschenschutz.“

Nach Ansicht Müllers sollte daher durchaus ein Kreislauf durchbrochen werden. Bei allem Verständnis für die Schaffung von Wohnraum und Arbeitsplätzen müsse man jedoch den Zuzug in Ballungsräume gerade in und um München nicht ständig forcieren. Denn das ziehe die Schaffung von Infrastruktur, etwa Schulen, und weitere Versiegelung nach sich.

Das dürfe, bei allem Abwägen von Bauherren-Interessen, nicht außer acht gelassen werden. Müller weist ebenso darauf hin, dass Ausgleichsflächen nicht nur geschaffen, sondern auch dauerhaft erhalten werden müssten. „Solange wie beispielsweise ein Gewerbegebiet Nord bestünde“, so Müller.

Der BN-Ortsvorsitzende Jürgen Knöckelmann hatte daran seine Zweifel: „Bei dieser Abwägung geraten die Belange von Umwelt- oder Naturschutz zu oft ins Hintertreffen.“ Damit verband Knöckelmann die Anregung, in der Stadt für Müller als Naturschutzfachkraft eine feste Stelle zu schaffen. „Es geht nicht an, dass das nur immer von Jahr zu Jahr verlängert wird.“ Umweltreferentin Angelika Kropp-Dürr (Grüne) verteidigte das Vorgehen des Stadtrates. „Wir haben es in die Wege geleitet, dass es eine Naturschutzfachkraft überhaupt gibt.“ Der Stadtrat bemühe sich durchaus, Naturschutzbelange zu beachten.

Dies gilt laut der Diplom-Biologin Müller ebenso für einige Landwirte. Einige würden Flächen oder zumindest Teile davon unberührt lassen, obwohl sie für ihre wirtschaftlichen Belange durchaus Verwendung hätten. „Das kommt Schmetterlingen und anderen Insekten zugute.“

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