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Wahl am Sonntag

Frankreichfreunde hoffen auf Macron

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Marine Le Pen oder Emmanuel Macron? Wenn am Sonntag die Franzosen einen neuen Präsidenten wählen, schauen auch die Mitglieder der Deutsch-Französischen Vereine genau hin. Für viele ist klar: Die Vorsitzende des Front National bedroht den Geist der Städtepartnerschaften.

Landkreis – Ein paar Tage vor der ersten Wahlrunde in Frankreich im April trafen sie sich ziemlich genau in der Mitte zwischen Germering und dessen Partnerstadt Dumont. Die Germeringer waren knapp 30 Leute, die Franzosen knapp 40. Gemeinsam besuchten die Mitglieder der deutsch-französischen Partnerschaftsvereine in Gerardmer im Elsass das Narzissenfest, la Fête de Jonquilles, bei der Straßenwägen mit 2,6 Millionen Blumen geschmückt wurden.

Am Abend schliefen alle im selben Hotel. Man feierte und unterhielt sich. Und freilich sprach man in diesen Zeiten auch über Politik. Willy Kästner (69) sagt: „Menschen, die sich für die deutsch-französische Freundschaft engagieren, können gar nicht für Marine Le Pen sein.“

Kästner ist Vorsitzender des Deutsch-Französischen Vereins in Germering. Wie er blicken viele Frankreichfreunde am Sonntag gespannt in das Nachbarland, in dem gewählt wird. Es ist das Duell eines Deutschland- und Europa-Freundes gegen eine Politikerin, die die EU am liebsten abschaffen würde und Sätze sagt wie: „Die Kaiserin Merkel legt niemandem Rechenschaft ab.“

Auf dem Spiel steht für einige auch das deutsch-französische Verhältnis. Der Wahlausgang könnte Auswirkungen haben auf Städtepartnerschaften wie Germering und Dumont, Gröbenzell und Garches, Fürstenfeldbruck und Livry-Gargan. Doch welche genau?

Annette Wiehenbrauk vom Deutsch-Französischen Verein Gröbenzell kann wie alle nur Vermutungen anstellen. Die 66-jährige Französin lebt seit 43 Jahren in Deutschland. Bei der ersten Wahlrunde hat sie einer Freundin eine Vollmacht erteilt, damit diese für sie abstimmt. Schließlich gibt es in Frankreich keine Briefwahl. Wiehenbrauk hat Macron gewählt. Das werde sie nun wiederholen, sagt sie. Sie befürchtet, dass deutsche Touristen Frankreich in Zukunft meiden könnten, sollte Le Pen gewinnen. Das könnte auch Städtepartnerschaften bedrohen. Die Vorsitzende des Front National sei „gegen den deutsch-französischen Geist“. Das passe gar nicht zu ihrer eigenen Biografie, sagt Wiehenbrauk, die zum ersten Mal mit 13 Jahren in Deutschland war.

So ähnlich sieht das auch Ridha Djebali. Der Vorsitzende des Deutsch-Französischen Freundeskreises Eichenau saß am Mittwochabend vor dem Fernseher. Er verfolgte das TV-Duell der beiden Kandidaten. Es war eine brutale Schlammschacht. Le Pen und Macron attackierten sich gegenseitig über zwei Stunden, oft unter der Gürtellinie. „Macron hat haushoch gewonnen“, sagt Djebali. Le Pen habe kein Programm, sei nur auf Krawall gebürstet. „Zu Macron gibt es keine Alternative.“ Djebali hofft, dass viele Menschen wählen gehen werden. Erst am Mittwoch habe er mit einem ehemaligen Bürgermeister der Partnerstadt telefoniert. Der werde natürlich für Macron stimmen, sagt Djebali. Wobei er auch weiß, dass viele Franzosen im Vorsitzenden der Partei En Marche „einen Mann der Banken“ sähen. Daher gehe es am Sonntag eigentlich nicht in erster Linie darum, Macron zum Präsidenten zu wählen. „Es ist viel mehr eine Wahl gegen Le Pen und Rechtsextremismus. Sie baut auf Nationalismus. Und der ist immer mit Hass und Krieg verbunden.“

Doch was ist, wenn es entgegen der Wahlumfragen wie bei Trump und beim Brexit doch anders kommt? Wäre das das Ende der Städtepartnerschaften wie Germering und Dumont? Willy Kästner verneint. „Sollte Marine Le Pen gewählt werden, werden wir die deutsch-französische Freundschaft weiter pflegen.“

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