Frauen aus Somalia stranden bei der Brucker Polizei

Fürstenfeldbruck - Die immer weiter zunehmende Zahl von Flüchtlingen bringt auch für die Polizei praktisch täglich neue Herausforderungen mit sich.

Vor dem Hintergrund der Personalknappheit in vielen Dienststellen stellt das eine doppelte Schwierigkeit dar.

Die Brucker Polizei beispielsweise erlebte gestern eine Situation, wie sie in der Kreisstadt in jüngerer Vergangenheit zwar noch nicht vorkam, wie sie bayernweit aber durchaus kein Einzelfall ist: Flüchtlinge strandeten in der Inspektion und mussten praktisch den ganzen Tag über betreut werden.

Bundespolizisten hatten die fünf Frauen aus Somalia gestern in der Früh um 5.30 Uhr am Bahnhof aufgegriffen. Die Bahnwächter brachten die Frauen - was hätten sie tun sollen - zur Inspektion in Bruck. Das Wort „Asyl“ hatten die völlig desorientierten Frauen nicht ausgesprochen. Eine von ihnen - das stellte sich aber erst später heraus - wähnte sich in Dänemark.

Die Frauen hatten seltsame, teils wohl manipulierte Dokumente bei sich; eine Verständigung auf deutsch, englisch oder französisch war unmöglich. Formblätter in verschiedensten Sprachen, die die Polizei vorrätig hat, halfen nichts. „Wir konnten noch nicht einmal fragen, wann die Frauen zum letzten Mal etwas gegessen haben“, schildert ein Sprecher der Polizei die Not-Situation gestern in Reaktion auf eine entsprechende Tagblatt-Nachfrage hin.

Also musste eine Dolmetscherin her, was naturgemäß auch so schnell nicht geht. Als nach Stunden erste Gespräche geführt wurden, erzählte eine der Frauen, dass sie in Italien auf TBC behandelt worden sei - das ist ein Alarmsignal, auch wenn eine Gefahr in diesem Fall als eher unwahrscheinlich galt. Die Frau wurde in eine Klinik gebracht. Die anderen Somalierinnen blieben bis in den Nachmittag hinein in der Inspektion in der großen Sammelzelle.

Die Frauen im Alter von etwa 20 bis 30 Jahren haben neben ihrem Herkunftsland nur eines gemeinsam: die Art ihrer Kleidung. Sie lässt darauf schließen, dass die Frauen - wirtschaftlich betrachtet - aus nicht ganz so schlecht situierten Kreisen kommen. Daraus folgt wiederum, dass sie etwas zurückließen, was nur der zurücklässt, der wirklich fliehen muss. Ansonsten haben die Frauen eigentlich nichts miteinander zu tun. Sie wurden wohl von Schleusern willkürlich zusammengewürfelt. Natürlich musste die Aufnahme-Einrichtung in München das nächste Ziel der Frauen sein. Nach längerem Hin und Her und nachdem auch noch eine Debatte darüber entstanden war, wer die S-Bahn-Karten für die Frauen bezahlt, entschied die Polizei, den Transport selbst zu schultern.

Noch bevor nun in Bruck die Zweigstelle der Münchner Erstaufnahmestelle mit entsprechendem Aufgabenzuwachs für die Polizei eingerichtet ist - wenn viele Menschen zusammenkommen (egal welcher Herkunft und egal welchen Hintergrunds) herrscht nur selten ausschließlich Friede, Freude, Eierkuchen - und nach den Erfahrungen teils langwieriger Abschiebungen von Asylbewerbern in andere EU-Länder nach Dublin-III, steht für den Polizeisprecher bereits fest: „Wir wollen helfen. Aber wir haben die Grenzen unserer Kapazitäten erreicht.“

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