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Der Kämpfer für Altgriechisch und Latein

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Generatíonen von Gymnasiasten haben mit seinem Werk „Cursus“ Latein gepaukt: Selbstverständlich hat auch Friedrich Maier einige Exemplare in seinem Arbeitszimmer. © Osman

Puchheim  - Altgriechisch und Latein: Viele halten diese Sprachen für antiquiert. Anders Friedrich Maier: Der Puchheimer setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, dass diese vermeintlich toten Sprachen ihren Platz im Lehrplan behalten. Denn für ihn waren sie einst das Tor zu einer anderen Welt.

Friedrich Maier hat vermutlich schon mehr Schüler ins Schwitzen gebracht als so mancher Sportlehrer. Sein Lehrbuch „Cursus“ hat Generationen von Gymnasiasten die Grundzüge des Lateinischen vermittelt und hält sich seit über 40 Jahren im Unterrichtsbetrieb – rekordverdächtig lange. Maier ist Altphilologe, Oberstudiendirektor, Hochschulprofessor, führender Fachdidaktiker der alten Sprachen und seit kurzem auch Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande.

Maier – schlohweißer Haarschopf, unkomplizierte Art, Hobbymaler und siebenfacher Großvater – lebt in einem unauffälligen Bungalow in Puchheim. Kürzlich hat er seinen 80. Geburtstag gefeiert, doch an echten Ruhestand ist nicht zu denken. Wenn er nicht gerade herumreist und Vorträge hält, verbringt er viel Zeit in seinem Arbeitszimmer, zwischen Bücherregalen, in denen seine eigenen rund 360 Veröffentlichungen ganze Reihen füllen. Sein jüngstes Buch („Der Westen im Aufbruch - antike Brücken nach Europa“) ist dieses Jahr erschienen.

Maiers Liebe zum Lateinischen reicht zurück in seine Schulzeit an einem humanistischen Gymnasium in Cham, das er ab 1947 besuchte. Dort hockte er mit 50 Mitschülern in einem Kellerraum auf Bänken ohne Rückenlehne und las Texte aus einer anderen Welt, weit weg vom trostlosen Alltag im Nachkriegsdeutschland. „Es gab damals kaum etwas zu essen und nichts, was die Fantasie angeregt hätte“, erinnert sich der 80-Jährige. Nichts außer der Antike. „Die Gestalten, die Geschichten - das wurde in meinem Inneren zu einer virtuellen Welt.“ Außerdem faszinierten ihn die Logik des Lateinischen und die Geschmeidigkeit des Griechischen.

Nach dem Abitur studiert Maier in München die beiden Sprachen und dazu noch Germanistik, Philosophie und Geschichte. Kaum fertig, wird er von der Uni als Assistent angeheuert. „Ein paar Wochen nach meinem Examen drillte ich schon Studenten auf deren Examen.“

Weil ihm eine reine Universitätslaufbahn wirtschaftlich zu unsicher ist, geht er zusätzlich in den Schuldienst. Da ist er schon Ehemann und bald auch Vater von zwei Töchtern und einem Sohn. Maier arbeitet wie besessen, doch die größte Herausforderung steht ihm noch bevor.

Nach der Wiedervereinigung setzt er sich dafür ein, an den ostdeutschen Gymnasien Latein einzuführen. Zunächst gibt es viele Widerstände, in der DDR hatte man die klassischen Sprachen quasi ausradiert. Maier muss dicke Bretter bohren, aber er schafft es, die überwiegende Mehrheit der zweifelnden Direktoren zu überzeugen. Dann aber fehlen die Lehrer. Monatelang reist Maier durch die neuen Bundesländer und kümmert sich darum, dass ehemalige Russischlehrer zu Lateinlehrern nachqualifiziert werden. „Das sind meine dankbarsten Schüler.“

Aber warum ist die vermeintlich tote Sprache eigentlich so wichtig? „Latein schult das logische Denken, es dient der Sprach- und der Persönlichkeitsbildung“, sagt der ehemalige Vorsitzende des Altphilologenverbandes. „Außerdem kommt alles, was das heutige Europa ausmacht, aus der Antike. Dort sind die Wurzeln unserer Lebensordnung.“

Humanistische Bildung schule Empathie und Menschlichkeit – Werte, die der leidenschaftliche Lehrer im heutigen Schulalltag vermisst. Dort geht es ihm viel zu technokratisch und erfolgsorientiert zu. „Alles dreht sich nur noch um ökonomisch gesteuerte Ziele, um Durchsetzungfähigkeit und Kompetenz, statt um emotionale Intelligenz“, kritisiert er. „Und die bayerischen Lehrpläne sind die allerschlimmsten.“ Er wird auch weiterhin dicke Bretter bohren müssen. (os)

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